Zinssenkung der US-Notenbank: Geldpolitik über die Notenpresse

Zinssenkung der US-Notenbank: Geldpolitik über die Notenpresse

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US-Notenbankchef Ben Bernanke gab eine überraschend deutliche Zinssenkung bekannt

Die Federal Reserve Bank senkte ihre Leitzinsen von 1,0 auf einen Zielkorridor nahe null Prozent. Angesichts einer befürchteten langen Rezession gibt die Notenbank damit ihre traditionelle Geldpolitik auf.

Die meisten Analysten hatten nur mit einer Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt gerechnet. Die schwachen wirtschaftlichen Bedingungen machten einen „außergewöhnlich niedrigen Leitzins“ für einige Zeit notwendig, erklärte die Notenbank.

Die Botschaft des US-Notenbank-Chefs Ben Bernanke war überraschend und eindeutig: Die Fed werde alle verfügbaren Mittel einsetzen, um die seit einem Jahr andauernde Rezession zu bekämpfen und um wieder nachhaltiges Wirtschaftswachstum und Preisstabilität zu erreichen. Unter anderem will sie auch Anleihen der staatlichen Hypothekenfinanzierer in großem Stil aufkaufen, um den taumelnden Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten zu stabilisieren. Außerdem will die Notenbank Unternehmen und Haushalten den Zugang zu Krediten erleichtern. Fed-Chef Ben Bernanke kündigte an, er werde den Leitzins für einige Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau halten. Auch der Diskontsatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der Notenbank mit frischem Geld eindecken können, sinkt mit der Zinsentscheidung um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 0,5 Prozent.

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Börsenhändler und -analysten lobten den Schwenk der Fed. Die Botschaft an die Finanzmärkte, dass geldpolitisch eine andere Zeitrechnung begonnen habe, sei unmissverständlich. "Im Grund hat die Fed gesagt, dass die Zinsen nicht mehr länger relevant sind", sagte Bruce McCain von der Key Private Bank in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Die Fed gehe nun nach dem Motto vor, "wir setzen die Zinsen faktisch auf null und kaufen von nun an alle Wertpapiere, von denen wir denken, ihr Kauf ist notwendig, um die Kreditmärkte wieder zum Laufen zu kriegen und damit auch die Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen." Die Risiken eines Abgleitens der US-Wirtschaft in eine deflationäre Krise würden als so hoch eingeschätzt, dass die Fed jetzt mit voller Kraft Liquidität in die Märkte pumpe, erklärte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. „In letzter Konsequenz heißt das, dass die Fed Geldpolitik jetzt über die Notenpresse betreibt.“

Leitzins verliert seine Steuerungswirkung

Die Fed kämpft seit Monaten mit einer Zinssenkung nach der anderen gegen die sich zusehends verschärfende Rezession in den USA. Sie ist nun an einem Punkt angelangt, an dem der Leitzins seine Steuerungsfunktion verliert. Analog zur japanischen Notenbank, die die Depression der 90er Jahre erst durch eine Abkehr von der Zinspolitik und einen Wechsel zum sogenannten "quantitative easing" in den Griff bekam, schaltet die Fed nun um. Unter "quantitative easing" versteht man die Steuerung der Wirtschaft über die Geldmenge und direkte Interventionen, nicht mehr über den Leitzins. Dieser liegt in Japan nach wie vor nahe Null.

Die Geldhüter kündigten weitere geldpolitische Maßnahmen an. Die Fed denke auch über den Kauf von Staatsanleihen mit langer Laufzeit nach. Man sei zudem bereit, den Ankauf von Schuldpapieren und Hypothekenpapieren noch auszuweiten. Bereits seit August 2007 hatte die Fed ihren Leitzins in mehreren Schritten von damals 5,25 Prozent gesenkt, so Ende Oktober um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank hatte ihren Zins am 4. Dezember auf 2,5 Prozent festgelegt. Die US-Wirtschaft droht, immer tiefer in die Rezession zu sinken.

Die neuen Leitzinsen zwischen null und 0,25 Prozent stellen das niedrigste Niveau seit 1971 dar, als erstmals ein Zinsziel für Tagesgeld festgelegt wurde. Die Aussichten der US- Wirtschaft hätten sich weiter verschlechtert, begründete die US- Notenbank (Fed) ihre beispiellose Zinssenkung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei noch negativer, der private Konsum, Investitionen und die Industrieproduktion seien anhaltend rückläufig. Seit Dezember vergangenen Jahres sind in den Vereinigten Staaten etwa zwei Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen und befindet sich damit auf dem höchsten Niveau seit den 30er Jahren. Die Jahres-Inflationsrate sank im November auf nur noch 1,1 Prozent. Der Inflationsdruck sei stark zurückgegangen, erklärte die Notenbank. Der Rückgang der Preise für Energie und andere Rohstoffe und die insgesamt schwächeren Aussichten für die Wirtschaft sprächen für einen weiteren Rückgang der Inflation in den kommenden Quartalen. Ein führender Fed-Vertreter betonte allerdings später in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, die Entscheidung signalisiere keine neuen Informationen über die Wirtschaftsentwicklung. Die Fed erwarte weiter eine Erholung im kommenden Jahr.

Obama bekräftigt Willen zu großem Konjunkturprogramm

Die Aktienmärkte in New York reagierten am Dienstag mit deutlichen Kursaufschlägen auf die Zinsentscheidung. Der Leitindex Dow-Jones baute seine Gewinne deutlich auf 4,20 Prozent aus und schloss mit 8924,14 Punkten. An den Finanzmärkten war zwar eine Zinssenkung um mindestens einen halben Prozentpunkt erwartet worden. Die Fed überraschte die Märkte dann aber doch mit dem Ausmaß der Zinssenkung und ihrem klar kommunizierten Politikwechsel. Der Dollar stürzte zum Euro und anderen wichtigen Währungen ab, US-Staatsanleihen und der Aktienmarkt an der Wall Street verbuchten deutliche Gewinne.

Der designierte US-Präsident Barack Obama bekräftigte am Dienstag, mit einem umfangreichen Investitionsprogramm des Staates die Konjunktur wieder ankurbeln zu wollen. Im Kampf gegen die Rezession „gehen uns allmählich die Mittel aus“, sagte er in Chicago mit Blick auf die Fed-Entscheidung. „Wir gehen derzeit durch die härteste Zeit seit der großen Depression“, betonte der Demokrat, der am 20. Januar das Präsidentenamt übernimmt. Das Wall-Street-Journal hatte vorgestern berichtet, Obama plane ein Konjunkturprogramm in der Größenordnung von bis zu einer Billion Dollar in einem Zeitraum von zwei Jahren.

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