4. Fehleinschätzung: Die Depression ist programmiert

Aus Börsensicht sieht vieles anders aus als in der realen Wirtschaft. Überhaupt bekommt die klassische Zweiteilung der Volkswirtschaftslehre in Finanz- und Realwirtschaft zunehmend surreale Züge. Ursprünglich bezeichnet Realwirtschaft den Teil der Gesamtwirtschaft, der reale Güter produziert. Manch einer versteht darunter bereits das Wirtschaften mit realen Werten, statt mit vermeintlich virtuellen Geldwerten, die nur noch in der Phantasie von Börsianern zu bestehen scheinen.
Tatsächlich besteht eine enge Beziehung beider Welten. Deshalb versuchte und hoffte man, ein Übergreifen der Krise auf die Realwirtschaft zu verhindern. Dies ist jedoch längst geschehen. So grausam dies klingt: Ganz gleich, ob Real- oder Finanzwirtschaft – beide beschäftigen Menschen und werden sich „gesundschrumpfen“ müssen. Das kann unangenehme Verluste bedeuten. Falsch wäre es jedoch, nun gleich den Weltuntergang zu wittern.
Wie ist die Sachlage? Das Damoklesschwert der „toxischen Assets“ schwebt noch immer über der Bankenlandschaft. Kein Fachmann kann genau beziffern, wie viele Papiere das sind und was genau dazu zählt. Auch nicht, ob sie noch über- oder schon unterbewertet sind. Dennoch haben die Banken, allen voran die Deutsche Bank, diese Bestände 2008 in erheblichem Umfang reduziert. An die Stelle der alten Probleme treten unterdessen neue: 2009 sind nicht mehr nur die Banken betroffen; die Risikovorsorge der Kredit gewährenden Banken wird also steigen. Gleichzeitig sinken die Erträge, da immer weniger Anleger zu Investitionen bereit sind.
Mut zur Hoffnung machen die staatlichen Konjunkturprogramme, die in den gängigen Katastrophenszenarien kaum berücksichtigt werden. Mit den Bestrebungen der US-Notenbank lässt sich so für die zweite Jahreshälfte eine konjunkturelle Erholung erhoffen. Unterdessen entwickeln sich ausgerechnet die Schwellenländer zum Motor der Weltwirtschaft. Trotz starker Einbußen geht es in China beispielsweise mit einem Wachstum von fünf Prozent noch immer aufwärts. Auch in Europa gehen das Kreditvolumen und das Geldmengenwachstum deutlich zurück – obwohl die Geldmenge immer noch über dem Korridor liegt. Hier zeigen die über lange Zeit restriktive Politik der EZB und die neuerdings den Verwerfungen angepasste Kreditvergabe der Banken erste Wirkung. Zudem hat sich der Euro von seinem historischen Höchststand gegenüber dem US-Dollar im Sommer 2008 verabschiedet, was der europäischen Exportindustrie weitere Impulse geben dürfte.
5. Fehleinschätzung: Die Sachwerte retten das Vermögen
Über allem Abwägen von Gefahren und Lichtblicken werden die Berater von Merck Finck & Co von ihren Kunden immer wieder nach der sinnvollsten Verhaltensweise gefragt. Wie immer in solchen Situationen wird im Markt gerne zu den angeblich krisensicheren „Sachwerten“ geraten, wie Immobilien und Gold bzw. Rohstoffe. Als Privatbankiers empfehlen wir dem Anleger zunächst, zu entscheiden, wie viel „gefühlte Sicherheit“ ihm wichtig ist – auch zu Lasten möglicher Renditen. In Zeiten der Deflation, solange also Sachwerte im Wert fallen, ist dies die falsche Politik. Nimmt jedoch die Inflation überhand, sicher eine richtige Entscheidung.
Die Goldbarren im Schließfach sind derzeit also bestenfalls ein Edel-Sparstrumpf. Dabei lassen sich nach wie vor Renditen an den Kapitalmärkten erzielen. So wird es zunehmend Investitionsmöglichkeiten in Megatrends wie Globalisierung und Wachstum in den Schwellenländern geben. Doch wofür auch immer ein Anleger sich entscheidet – stets sollte ein Portfolio der jeweiligen Situation und den finanziellen Zielen des Anlegers entsprechen, was leider erschreckend oft nicht der Fall ist. Kurzum: Die Geldanlage sollte ausgewogen sein – wie eben auch die Meinungsbildung in stürmischen Zeiten.












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Alle Kommentare lesen20.02.2009, 20:04 UhrAnonymer Benutzer: Adolfo
Die Schuldigen? Jeder kennt sie, keiner nennt sie...
17.02.2009, 09:03 UhrAnonymer Benutzer: Michael Rabe
ich kann nicht nachvollziehen, warum so kompliziert gedacht wird.
Die wesentlichen Sachverhalte sind doch gar nicht so kompliziert.
Keine bank der Welt arbeitet mit eigenem Geld, sondern immer mit Geldeinlagen Dritter - erster Teil des Prinzips. in diesem Fall wurde zunächst das Geld der Anleger an Leute vergeben, obwohl schon klar sein musste, dass ein Rückfluss über kurz oder lang fraglich scheinen muss. Dies wurde auch erkannt, denn in der Folge wurde diese Elend in "Produkt" umbenannt und an Gutgläubige weltweit verhökert, damit selbige mit den Geldern ihrer Kunden für das bereits eingegangene absehbare Verlustrisiko geradestehen. Als genügend Verteilung des Elends eingetreten war, liess man durch Geldverknappung diesselbe platzen - und schon bezahlt die ganze Welt an die Verursacher. - Mangels Alternative wird das "Elend" sozialisert - also der Allgemeinheit aufgedrückt. - ..... und schon sind wir alle über Jahrzehnte versklavt - auf die moderne Art. - Dank Legalisierung dieses Prozesses geht aber keiner der Verursacher in den Knast, so wie es eigentlich notwendig wäre, um Wiederholungen zu vermeiden.
13.02.2009, 00:08 UhrAnonymer Benutzer: Hans Achs
> von zuletzt 600 Mrd/Jahr erzeugt inzwischen einen Zinsdruck von
> rund 60 Mrd/Jahr,
das sind 10 % - ist es so, dass der Staat (wenn er Schulden macht) einfach den Dispokredit auf seinem Girokonto ausnutzt oder schreiben Sie einfach nur gequirlte Kacke.
Wenn ich mir die Nominalzinssätze bei Staatsanleihen anschau (normal als Vergleich zum Dispokredit) sehe ich Prozentsätze von unter 0,5 % bis knapp unter 0.9