Finanzinstitute: Sparkassen wollen eigene Marketingleiter „einfrieden“

Finanzinstitute: Sparkassen wollen eigene Marketingleiter „einfrieden“

, aktualisiert 03. August 2016, 13:30 Uhr
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Sparkassen wollen auch junge Finanzfirmen kopieren, um mehr Erfolg zu haben.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Die Sparkassen arbeiten an einer neuen Struktur. Das soll helfen, Produkte schneller auf den Markt zu bringen. Individualisten müssen mit Einschränkungen rechnen, die unter Druck stehende Profitabilität soll steigen.

DüsseldorfDas Betriebsergebnis vor Steuern der 68 Sparkassen in der Region Westfalen-Lippe wird in diesem Jahr fast 1,2 Milliarden Euro betragen, prognostiziert Verbandspräsident Rolf Gerlach. Doch während die absolute Zahl glänzen mag – es wäre ein Rückgang um mehr zehn Prozent. Und Gerlach sagt auch ganz offen: Im Verhältnis zur Bilanzsumme werden dies 0,95 Prozent sein und damit weniger als ein Prozent. Einen so schlechten Werte habe es im Gebiet des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe (SVWL) zuletzt im Jahr 1972 gegeben.

Die Profitabilität der Sparkassen im ganzen Land steht unter Druck, nicht nur in Westfalen, einem von zwölf regionalen Sparkassen-Verbänden. Niedrigzinsen, hohen Ausgaben für Regulierung und dem Vormarsch des Online-Bankings sind einige der Gründe. Dabei feiern die Institute derzeit bei den Beständen an Firmen- und Privatkundendarlehen neue Rekorde.

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Es müssten neue Ertragsfelder gefunden und die Effizienz gesteigert werden, sagt daher Jürgen Wannhoff, SVWL-Vizepräsident beim Pressegespräch in Düsseldorf. Daher steigen Kontoführungsgebühren und werden Filialen geschlossen. Gleichzeitig müsse laut Wannhoff die für Gemächlichkeit bekannte Sparkassen-Organisation „schneller werden“.

„Marketingleiter einfrieden“

Eine neue Struktur der Entscheidungsfindung soll zum 1. Januar 2017 in Kraft treten und schnelleres Handeln ermöglichen. Etwa soll die Produktentwicklung stärker zentral getrieben werden. „Wir müssen manchen stellvertretenden Marketingleiter einfrieden“, so Gerlach. Nicht mehr jede regionale Sparkasse solle ein eigenes „Prämiensparen Gold“ entwickeln.


„Finanzinnovatoren ein Stück weit kopieren“

Und auch gegen die jungen Finanztechnologie-Firmen will man sich wappnen. „Wir müssen Finanzinnovatoren ein Stück weit kopieren“, sagt Wannhoff. Bei Girokonten für das Smartphone sind N26 (früher: Number 26) und O2 Banking (mit der Banklizenz der Fidor Bank) davon gezogen. Neue „Einheiten für Innovationen“ wollen die Sparkassen dagegen setzen mit Mitarbeitern, die auch „ohne Ahnung von Sparkassen“ genommen würden, um neue Entwicklungen zu beschleunigen.

Ein solcher Testballon ist „Yomo“ (kurz für: your money). Einige Sparkassen haben sich zusammengeschlossen um ein modernes Angebot für mobile Bankgeschäfte zu schaffen. Doch vor Jahresende soll nicht mit einem Durchbruch für das Projekt – entwickelt außerhalb der Sparkassen-Organisation – gerechnet werden können, hieß es zuletzt in Finanzkreisen. Ja, und sogar scheitern dürften solche Experimente in den „Labs“ sogar, sagt Wannhoff.

Nur unversucht lassen, wollen die öffentlich-rechtlichen Geldhäuser möglichst wenig. Doch bislang fruchtet wenig. So kommt das Online-Bezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft („Paydirekt“) nicht in die Gänge, das die Sparkassen auch erst Monate später als etwa die Volksbanken eingeführt haben.

Der westfälische Sparkassen-Präsident will die wichtigen Entscheidungen für die digitale Zukunft lieber einem Nachfolger anvertrauen. Er hat seinen Abgang für kommendes Frühjahr bereits angekündigt. Doch eine große Idee hat er jetzt auf die Bühne gehoben: Er plädiert für eine Großfusion der Hessisch-thüringischen Landesbank (Helaba) mit Dekabank und Landesbank Berlin (Berliner Sparkasse) – alle zum Großteil im Eigentum regionaler Sparkassen.

Denn auch en großes Spitzeninstitut könnte helfen, die Kosten im Sektor in Griff zu halten. Mit etwas Neid blickt Gerlach auf den genossenschaftliche Finanzsektor. Dort ist nach mehreren fehl geschlagenen Anläufen zum 1. August die Fusion der Spitzeninstitute WGZ Bank und DZ Bank gelungen. Die tausend Volksbanken und schärfsten Konkurrenten hätten dadurch einen „erheblichen Wettbewerbsvorteil“, so Gerlach.

Quelle:  Handelsblatt Online
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