Finanzmarktregulierung: Banken aufspalten? Ja, bitte!

Finanzmarktregulierung: Banken aufspalten? Ja, bitte!

, aktualisiert 23. März 2016, 18:13 Uhr
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In den Vereinigten Staaten wird derzeit über die Aufspaltung der Großbanken diskutiert.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

In der USA hat sich eine denkwürdige Koalition aus Politikern, Aufsehern und Investoren gebildet. Sie alle wollen verhindern, dass Banken alleine durch ihre Größe eine Gefahr für das weltweite Finanzsystem werden.

New YorkWenn Stimmen aus ganz unterschiedlichen Lagern dasselbe Thema anschneiden, wird es Zeit, die Sache ernst zu nehmen: Immer wieder haben Analysten, Anleger, Politiker und Aufseher in den vergangenen Wochen und Monaten Vorschläge zur Aufspaltung von Banken unterstützt.

Die Logik einer Aufspaltung ist simpel. Kleinere Unternehmen sind leichter zu kontrollieren und im Zweifel auch zu retten. Das mindert Risiken. Auf der anderen Seite können große Banken die Stärke ihrer Organisation und ihrer Marktmacht besser ausspielen. Das kann auch zur Stabilität einer Bank beitragen. Insgesamt nützt Größe eher den Aktionären als dem öffentlichen Interesse an einem sicheren Finanzsystem.

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Experten von Goldman Sachs äußerten sich zum Beispiel zuletzt positiv über eine mögliche Aufspaltung von JP Morgan. Eine neue Analyse von KBW zur Citigroup geht in eine ähnliche Richtung und schlägt vor, totes Kapital der Bank an die Aktionäre zurückzugeben.

In der Politik findet sich seit langem Sympathie für eine Aufspaltung, vor allem bei linken Demokraten wie der Senatorin Elizabeth Warren und dem Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Aber auch bei den Republikanern: Senator John McCain wirbt zusammen mit Warren für die Trennung von traditionellem Banking und Wertpapiergeschäft.

Auch Bankenaufseher stimmen ein. Seit langem warnt Tom Hoenig, Vizechef der US-Einlagensicherung, vor den Gefahren, die von großen Banken ausgehen. Eine neue Stimme in dem Chor ist Neel Kashkari, seit Anfang des Jahres Chef der Fed Minneapolis. Er will ab April mit einer Serie von Konferenzen das Thema publik machen und nach Lösungsvorschlägen suchen. Die US-Notenbank (Fed) ist für die Aufsicht über die großen Geldhäuser zuständig. Allerdings liegt die Kompetenz dafür vor allem in Washington und in New York, weniger in Minneapolis.

Die Banken selber und ihre Vorstände haben naturgemäß hingegen wenig Interesse an einer Aufspaltung. Der bekannteste Gegner des Konzepts ist Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan. Er betont immer wieder, dass Größe auch für die Kunden der Bank vor Vorteil ist. „Was wir können, kann keine kleine Bank“, sagte er etwa im Interview mit dem Handelsblatt.

Richtig ist sicher, dass die Größe oft den Kunden nützt. Aber Kashkari sagt nach Meinung vieler Börsianer zu Recht, dass große Konzerne auch mit Tausenden von Zulieferern zusammenarbeiten. Die Herausforderung, mit mehr Banken als bisher Geschäft zu machen, sollte sie daher nicht überfordern.

Die Frage lautet daher: Wie könnte eine Aufspaltung in der Praxis aussehen? Der einzige bisherige Versuch in dieser Richtung ist die so genannte Volcker Rule. Sie soll verhindern, dass Banken mit dem Geld von Sparern spekulieren. Deswegen dürfen dir keinen Handel an den Kapitalmärkten auf eigene Faust betreiben, sondern nur auf Verlangen ihrer Kunden. Sie müssen sich auch aus anderen besonders risikoreichen Geschäften zurückziehen.


Volcker-Rule ist umstritten

In der Praxis ist die Volcker-Rule jedoch mehr umstritten als jede andere der neuen gesetzlichen Vorgaben. Es ist schwierig genau abzugrenzen, was erlaubt ist und was nicht. Man kann zudem auf eigene Rechnung handeln, dabei das Risiko aber sehr gut eingrenzen, indem bestimmte Limits gesetzt werden. Jeder Händler sollte eine Vorgabe bekommen, wie viel offene Positionen er eingehen darf, und innerhalb von welchem Zeitraum er sie, notfalls auch unter Verlust, jeweils schließen muss.

Umgekehrt ist es sehr wohl möglich, auch im Kundengeschäft an den Kapitalmärkten hohe Risiken einzugehen. Etwa, indem die Bank offene Positionen des Kunden abdeckt und damit zögert, sich selber dafür abzusichern. Die Wirkung der Volcker-Rule in der Praxis ist daher schwer einzuschätzen.

Warren und McCain streben daher eine Wiedereinführung der alten Trennung zwischen Investmentbanken und Geschäftsbanken an. Das würde bedeuten, dass die Geldhäuser sich entscheiden müssen, ob sie traditionelles Kredit- und Einlagengeschäft machen oder im Wertpapierbereich tätig werden.

Häufig wird dagegen eingewandt, dass diese Trennung die letzte Finanzkrise nicht verhindert hätte. Denn die Pleitebank Lehman Brothers war ein reines Investmenthaus. Dieses Argument ist aber fad. Einmal geht es gar nicht darum, ein absolut sicheres Rezept gegen Finanzkrisen zu finden – das gibt es ohnehin nicht. Es kann nur darum gehen die Wahrscheinlichkeit und die Gefährlichkeit dieser Krisen zu mindern. Vor dem Hintergrund lautet die richtige Fragestellung: Was wäre denn, wenn Lehman außer dem Investmentbanking auch noch in großem Umfang traditionelles Geschäft betrieben hätte? Sicher kein besseres Szenario als das, was wir hatten

Es gibt auch weitere Vorschläge, Banken aufzuspalten. Etwa ist vorstellbar, das Privatkundengeschäft abzutrennen. Denkbar wäre auch, statt einer generellen Trenn-Regel für die gesamte Branche nur Banken ab einer bestimmten Größe einzubeziehen. Allheilmittel sind alle diese Vorschläge nicht. Aber es sollten doch Ideen willkommen sein, die die Finanzbranche transparenter machen und die Zusammenballung von Risiken in einzelnen Großkonzernen verhindern.

Was bisher fehlt, ist eine ernsthafte Diskussion über das Thema. Im Vordergrund stehen eher pauschale, politisch motivierte Konzepte. Als Gegenargumente kommen dann Einwände, die aus Sicht einer einzelnen Bank plausibel sind, aber nicht das gesamte Finanzsystem ins Auge fassen. Und dadurch ist ja auch schon die letzte Finanzkrise entstanden, dass die Branche keine Verantwortung für das gesamte System übernommen hat, das sie selber geschaffen hat.

Die USA haben eine Unmenge neuer Vorschriften für die Finanzbranche erlassen. Der Mut oder die Kraft zu echten Reformen fehlt – anders als in früheren Perioden der Geschichte. Bisher jedenfalls.

Quelle:  Handelsblatt Online
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