Finanzskandal in Malaysia: Deutscher Starbanker im Visier von US-Behörden

Finanzskandal in Malaysia: Deutscher Starbanker im Visier von US-Behörden

, aktualisiert 08. März 2016, 18:20 Uhr
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Tim Leissner und seine Frau Kimora Lee Simons.

von Mathias PeerQuelle:Handelsblatt Online

Tim Leissners Leben pendelte zwischen Milliardendeals in Asien und der High-Society Kaliforniens. Nun interessieren sich US-Ermittler für den ehemaligen Partner von Goldman Sachs.

BangkokEs ist ein Foto aus besseren Zeiten im Leben des Starbankers Tim Leissner: Für die Kamera posiert er an einem kalifornischen Spätsommertag vor zweieinhalb Jahren in bester Gesellschaft. Neben ihm stehen ein amerikanisches Model, Malaysias Ministerpräsident und der Chef eines Staatsfonds. Prominenz, Macht und Geld – dieses Trio prägte die illustre Karriere des Investmentbankers, der sich in Asien mit lukrativen Geschäften zu einem der wichtigsten Mitarbeiter bei Goldman Sachs hochgearbeitet hatte.

Doch das sorgenfreie Leben des deutschen Finanzprofis, der zwischen Milliardendeals in Kuala Lumpur und der High-Society von Los Angeles hin und her pendelte, scheint vorerst gestoppt.

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Amerikanische Ermittler interessieren sich für die Geschäfte des Bankers. Sie haben eine sogenannte Subpoena, eine gerichtliche Auskunftsanordnung, an Leissner geschickt, wie mehrere US-Medien am Dienstag übereinstimmend berichteten. Die Nachricht überrascht nicht. Denn Leissner hatte sich in den vergangenen Monaten nicht nur einen Platz in Amerikas Klatschspalten gesichert. Er spielt auch eine wichtige Rolle im Drama rund um den unter Untreueverdacht stehenden malaysischen Staatsfonds 1MDB.

Der Fonds steht im Fokus von Ermittlungsbehörden rund um den Globus und löste in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur eine Regierungskrise aus. Die Schweizer Staatsanwaltschaft geht nach Angaben von Ende Januar davon aus, dass aus dem hochverschuldeten Fonds vier Milliarden US-Dollar veruntreut wurden. Zuvor waren mysteriöse Zahlungen im Umfang von hunderten Millionen Dollar bekannt geworden. Sie gingen auf das Konto des Mannes, neben dem sich Leissner in Kalifornien fotografieren ließ: Malaysias Regierungschef Najib Razak.

Das „Wall Street Journal“ berichtete vergangene Woche unter Berufung auf internationale Ermittler, dass über eine Milliarde Dollar auf Najibs Konto gelangten. Ein Großteil des Geldes soll dem Bericht zufolge bei 1MDB seinen Ursprung haben. Die Regierung bestreitet die Vorwürfe.

Unter Leissner als Südostasien-Chef verdiente Goldman Sachs gut an dem inzwischen umstrittenen Fonds: Die Bank verantwortete die Ausgabe von Anleihen mit einem Volumen von 6,5 Milliarden Dollar. Mit dem Geschäft, bei dem Goldman selbst finanzielles Risiko einging, nahm das Investmenthaus mehr als 590 Millionen Dollar ein. Oppositionelle in Malaysia kritisierten den Betrag als ungewöhnlich hoch. Goldman Sachs sieht keine Anzeichen für Fehlverhalten.


Klatschpresse stürzt sich auf Leissner

Dennoch ging die Bank auf Distanz zu ihrem ehemaligen Aushängeschild Leissner, der 1MDB seit seiner Gründung im Jahr 2009 beriet. Zu Jahresbeginn schickte ihn die Zentrale in eine Auszeit. Bereits einen Monat später wurde das Ausscheiden Leissners bekannt, der Anfang der 90er Jahre an der Universität Siegen sein Studium beendet hatte und 2006 in den elitären Kreis der Goldman-Sachs-Partner aufgenommen wurde. Ein offizielles Verabschiedungsschreiben aus der Chefetage an die Belegschaft, das normalerweise üblich ist, wenn Partner im Guten die Bank verlassen, blieb in diesem Fall aus.

Ein angespanntes Verhältnis mit der Zentrale in New York hatte Leissner, der den Großteil seiner Berufslaufbahn in Asien verbrachte, schon länger: Medienberichten zufolge gelang es ihm nicht, einen Umzug nach Los Angeles durchzusetzen. Dort lebt die amerikanische Prominente Kimora Lee Simmons, die als Model, Modedesignerin und Reality-TV-Star bekannt wurde und seit mehr als zwei Jahren mit Leissner verheiratet ist.

Die Klatschpresse begleitete die Beziehung von Anfang an. Erste Paparazzi-Fotos der beiden zeigten das Paar auf einer Yacht, die angeblich 325.000 Dollar Miete pro Woche gekostet hatte. Für ein ausschweifendes Privatleben war Leissner auch in Kuala Lumpur bekannt. Dort habe der 45-Jährige nach Berichten früherer Weggefährten das Leitmotiv der Investmentbanker alter Schule regelmäßig in die Tat umgesetzt: work hard, play hard.

Im Privaten pflegte Leissner gute Kontakte bis in die Spitze der malaysischen Gesellschaft. Wie eng das Verhältnis war, zeigte ein Twitter-Eintrag seiner Frau, in dem sie Malaysias First Lady öffentlich als „meine Freundin“ bezeichnete. Unklare Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem brachten Leissner aber offenbar zuletzt in Bedrängnis.

Eine interne Untersuchung bei Goldman Sachs soll laut einem am Dienstag im „Wall Street Journal“ veröffentlichten Bericht zum Ergebnis gekommen sein, dass Leissner mutmaßlich Richtlinien der Bank verletzt hat. Er soll unter anderem zugestimmt haben, das Kind eines Geschäftspartners als Praktikanten zu Goldman Sachs zu holen.

Mit der von US-Ermittlern erwirkten Auskunftsanordnung an Leissner soll nun offenbar aufgeklärt werden, was er über die ins Zwielicht geratenen Geschäfte von 1MDB weiß. Ihm selbst wird derzeit kein Fehlverhalten angelastet, wie US-Medien berichten. Die vom FBI angeführten Untersuchungen haben das Ziel herauszufinden, ob bei den Transaktionen des Fonds US-Gesetze verletzt wurden.

Details zu dem Verfahren wollten weder die Ermittler noch Leissners Anwalt nennen. Der ehemalige Starbanker könnte indes bereits ein neues Betätigungsfeld gefunden haben: Der Ex-Mann seiner Frau Russell Simmons, der als Mitbegründer des Hip-Hop-Musiklabels Def Jam bekannt wurde, stellte – ohne Einzelheiten zu nennen – Leissner in einem Eintrag auf Instagram vor wenigen Wochen als neuen Geschäftspartner vor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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