„Finanztest“-Bericht: Touristen-Falle Geldautomat

„Finanztest“-Bericht: Touristen-Falle Geldautomat

, aktualisiert 13. Mai 2016, 14:00 Uhr
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Die Umrechnung von bar abgehobenen Fremdwährungsbeträgen in Euro sollten Kunden ihrer Hausbank oder dem Kreditkarteninstitut überlassen.

von Jakob BlumeQuelle:Handelsblatt Online

Wer außerhalb des Euroraumes Bargeld am Automaten abheben will, muss genau hinschauen – beim Umrechnungskurs ist eine Abzock-Masche verbreitet. Die Automatenbetreiber lassen dabei keine Tricks aus.

FrankfurtEin Geldautomat in der polnischen Hafenstadt Stettin: Wer hier mit einer deutschen Giro- oder Kreditkarte Bargeld abheben möchte, dem erscheint eine kryptische Frage auf dem Monitor. „Lieber Kunde, die Kurse von Fremdwährungstransaktionen unterliegen stetigen Schwankungen.  Möchten Sie einen fixen Kurs wählen?“ Wer nun den vermeintlich sicheren Fixkurs wählt, hat einen teuren Fehler gemacht – und in diesem Fall knapp 10 Prozent zu viel fürs Abheben im Ausland bezahlt.

Die Verbraucherschützer von „Finanztest“ haben die Masche von Automatenbetreibern dokumentiert, die sich „Dynamic Currency Conversion“ (DCC) nennt. Dafür schickte  „Finanztest“ Testpersonen in 13 europäische Länder, die nicht Mitglied der Eurozone sind, darunter Großbritannien, Dänemark und die Schweiz.  In 11 Ländern wurde den Testern beim Abheben von Bargeld mit einer Giro- oder Kreditkarte eine direkte Umwandlung des abgehobenen Betrages von Fremdwährung in Euro angeboten.

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DCC funktioniert so: Der Kunde kann wählen, ob sein Konto durch die Bargeldabhebung im Ausland in Fremdwährung oder in Euro belastet werden soll. Entscheidet er sich für die Belastung in ausländischer Währung, rechnet die Hausbank oder das Kreditkartenunternehmen den Betrag in Euro um, meist zu fairen Konditionen. Auf der Abrechnung sind dann der Betrag in ausländischer Währung, der Umrechnungskurs und der umgerechnete Euro-Betrag aufgeführt.

Entscheidet sich der Kunde für die direkte Umrechnung des abgehobenen Betrages, wird das Konto in Euro belastet. Die Umrechnung führt dann der Automatenbetreiber durch – zu deutlich schlechteren Konditionen wie „Finanztest“ zeigt. „Bei dieser Umrechnung bekommt man immer einen schlechteren Kurs“, so das Fazit der Verbraucherschützer. Der Verlust für Bankkunden liegt zwischen moderaten drei Prozent bei einer türkischen Bank bis zu 12 Prozent bei einem Automaten in Prag. Lohnen tut es sich jedoch nie.

Die Automatenbetreiber gehen mitunter äußerst trickreich vor, um die Kunden zur teuren Direkt-Umrechnung zu bewegen. Anzeigen in krudem Deutsch, kaum lesbares Kleingedrucktes zu Gebühren und verwirrende Schaltflächen sind laut „Finanztest“ üblich.

Auch beim Bezahlen mit Giro- oder Kreditkarte in Geschäften ist die DCC-Masche verbreitet. Dort erfährt der Kunde meist erst auf der Quittung von dem saftigen Kursaufschlag.

Zudem zeigt „Finanztest“: Touristen aus Nicht-Euroländern riskieren auch in Deutschland, in die DCC-Falle zu tappen. Zwar verzichten Sparkassen, Volksbanken, Deutsche Bank oder Commerzbank auf die umstrittene Praxis. Doch Betreiber wie Euronet oder Reisebank, deren Automaten vor allem an Bahnhöfen und Flughäfen stehen, langen kräftig zu.

Quelle:  Handelsblatt Online
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