Fintech in Deutschland: Wer seid ihr und wenn ja, wie viele?

Fintech in Deutschland: Wer seid ihr und wenn ja, wie viele?

, aktualisiert 03. März 2016, 15:16 Uhr
Bild vergrößern

Neue Unternehmen in der Finanztechnologiebranche werden gerne „Fintechs“ genannt.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Mit Statistiken zur Finanztechnologie-Branche ist das so eine Sache. Die Firmen schießen wie Pilze aus dem Boden und sind mit einer Definition schwer zu greifen. Und selbst wer viele Jahre alt ist, kann dazu zählen.

FrankfurtZumindest in einem Punkt sind sich zwei aktuelle Studien zum deutschen Fintech-Markt zweifellos einig: Die Branche wächst. Darüber hinaus gibt es in den Marktübersichten aber etliche Unterschiede. Die Ursache dafür ist schnell gefunden. Über die jungen Finanztechnologie-Unternehmen, die das Geschäft der etablierten Finanzinstitute aufmischen, wird zwar viel gesprochen, doch es gibt keine allgemein anerkannte Definition dafür, was ein Fintech eigentlich ist.

Die Unternehmensberatung Barkow Consulting zählt nach ihrem Verständnis derzeit 405 Fintechs in Deutschland. Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) kommt dagegen nur auf 250. Barkow definiert so: „Fintech: Nutzung moderner Technologie zur Bereitstellung finanzieller Dienstleistungen durch Unternehmen, die (ursprünglich) aus dem Nichtbankenbereich stammen.“ Bei EY heißt es: „Unternehmen, die innovative Geschäftsmodelle mit Technologie kombinieren, um Finanzdienstleistungen zu unterstützen, zu verbessern und anzugreifen.“

Anzeige

Beide Definitionen lassen viel Raum für Interpretationen. „Letztlich treffen wir im Team für jedes Unternehmen immer eine Einzelentscheidung und es gilt das Prinzip ‚you know it, when you see it’”, sagt Berater Peter Barkow. Und im Vergleich zum Vorjahr sieht er nun stolze 142 Fintechs mehr. Neuerdings hat er die Augen jedoch auch für sogenannte Proptechs geöffnet. Das sind Fintechs, die sich in der Immobilienbranche tummeln – Englisch „property“. Aktuelle Anzahl: 79. „Für uns gehören zum Finanzbereich nicht nur Banken, sondern auch die Immobilien- und Versicherungsbranche“, so Barkow. Er bevorzugt einen breiten Marktüberblick.

Bei EY hat man die Grenzen bedeutend enger gezogen. Der Bereich Proptech wurde nicht mitgezählt, ebenso wenig reine Vermittlerportale und reine Technologieanbieter. Damit dürfte schon ein Großteil der Differenz erklärt sein. „Wir haben bei jedem Unternehmen geprüft, ob es tatsächlich Teil der Wertschöpfungskette in der Finanzbranche ist“, sagt Jan-Erik Behrens, der die EY-Studie mit verfasst hat.

Weniger streng waren die EY-Berater dagegen bei der Herkunft der Unternehmen. Gelistet seien alle Fintechs, die in Deutschland aktiv sind, auch wenn sie ihren Ursprung in einem anderen Land haben. So finden sich auch der aus Schweden stammende Bezahldienst iZettle und das österreichische Unternehmen Wikifolio in der Liste. Diese wiederum hat Barkow ausgeschlossen. Er habe nur Fintechs mit deutschem Ursprung gezählt.


Schwierig in eine Schublade zu stecken

Unterschiedliche Ansichten bestehen auch zur Frage, ob Fintechs zwingend Start-ups sein müssen. „Manchmal werden die Begriffe synonym verwendet“, sagt André Bajorat, Fintech-Experte und Gründer des Unternehmens Figo. „Bei Fintechs eine konkrete Altersgrenze zu ziehen, halte ich nicht für sinnvoll, allerdings würde ich auch sehr große und langjährig etablierte Unternehmen wie Paypal nicht mehr dazu zählen.“ Solche Unternehmen hat auch EY ausgeschlossen. Barkow sagt dagegen über Paypal: „Als die gegründet wurden, gab es den Begriff ‚Fintech‘ noch gar nicht, dennoch entspricht ihr Geschäftsmodell der Definition.“ Auf internationaler Ebene zählt er es deshalb mit.

Ein weiterer Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse ist zudem er gewählte Betrachtungszeitraum. Stichtag bei EY war der 31. Dezember 2015. Barkow dagegen hat auch im Januar und Februar noch Neulinge in seine Liste aufgenommen.

Der Versuch, die Fintechs in Kategorien einzuteilen, führt ebenfalls zu unterschiedlichen Ergebnissen. „Junge Finanztechnologie-Unternehmen lassen sich nicht einfach den traditionellen Geschäftsfeldern der Finanzinstitute zuordnen“, sagt Bajorat. Deshalb werden häufig neue Kategorien definiert. Die heißen mal „Payment“, mal „Payment and Lending“, mal „Investtech“ oder auch schlicht „Geldanlage“.

Damit nicht genug, sind viele junge Unternehmen häufig zugleich in mehreren Bereichen aktiv. So zum Beispiel Number26, das Bajorat wegen des Girokontos in seiner eigenen Auflistung der Kategorie Banking zuordnet. Wegen der Möglichkeit, in Echtzeit Geld an Freunde zu schicken, listet er es aber auch im Bereich p2p-Payment. „Eine abschließende Einordnung, mit der alle zufrieden sind, ist nicht möglich“, sagt Bajorat. Wichtig sei jedoch: „Der Markt in Deutschland ist schon sehr transparent.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%