Fintech Number 26: Auf dem Weg zur normalen Bank

Fintech Number 26: Auf dem Weg zur normalen Bank

, aktualisiert 11. Juli 2016, 19:37 Uhr
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Number-26-Kunden, die oft Geld abheben, müssen dafür zahlen. Künftig verlangt die Smartphone-Bank auch Gebühren für Kunden mit schlechter Kreditwürdigkeit.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Smartphone-Bank Number 26 hat gerade neuen Gebühren angekündigt. Jetzt folgt ein Konto für Kunden mit schlechter Bonität. Kein ungewöhnlicher Schritt in einer Branche, in der Geringverdiener oft mehr zahlen müssen.

Frankfurt Das Berliner Start-up Number 26 zählt zu den Stars unter den jungen Finanztechnologiefirmen, kurz Fintechs. Number 26 bietet über seinen Partner Wirecard kostenlose Girokonten an, die über das Smartphone verwaltet werden. Nach eigenen Angaben hat Number 26 rund 160.000 Kunden und wächst weiter.

Das Unternehmen gehört damit zu Herausforderern der etablierten Banken, die den Erfolg der Berliner genau beäugen. Doch je mehr Aufmerksamkeit Number 26 auf sich zieht, desto klar ist auch: In manchen Punkten unterscheidet sich die Firma gar nicht so sehr von den traditionellen Wettbewerbern. So kündigte Number 26 Ende vergangener Woche Gebühren für das häufige Geld abheben an.

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Demnach kann der Kunde in Deutschland, der Number 26 als Hauptkonto nutzt, fünfmal pro Monat gratis an Bargeld kommen. Ab der sechsten Abhebung zahlt er jeweils zwei Euro. Wer sein Hauptkonto woanders hat, zahlt schon ab der vierten Abhebung.

Zuvor hatte Number 26 rund 500 Kunden die Kontoverbindung gekündigt, vor allem weil sie aus Sicht der Smartphone-Bank zu häufig Bargeld abgehoben hatten. Der Anbieter muss selbst 1,50 bis zwei Euro berappen, wenn ein Kunde Geld abhebt. Schließlich hat Number 26 selbst kein Automatennetz.

Jetzt folgt ein Extra-Konto für bonitätsschwache Kunden, das Flex Konto. Dafür verlangt Number 26 sechs Euro pro Monat, jede Bargeldabhebung kostet zwei Euro. Es ist für neue Kunden gedacht, die „momentan die Bonitätsanforderungen nicht erfüllen“, wie Number 26 am Montag mitteilte. Komplett gratis sind die Konten von Number 26 damit also keinesfalls mehr.

Die Firma hat, wie sie auf Nachfrage sagte, eigenes System zur Bonitätsprüfung mit verschiedenen Faktoren aufgesetzt. Ein Teil davon sind, ganz klassisch, die Schufa-Angaben. Man habe dabei nicht mit versteckten Kosten arbeiten, sondern eine transparente Lösung bieten wollen, begründete Number 26 den Schritt.


Gratis-Konten für Arme gibt es so gut wie nicht

Dabei stellt Number 26 auch fest, dass es sich bei dem Flex Konto nicht um so genannten Jedermann-Konto handle. Seit kurzem müssen deutsche Banken jedem Bürger ein Konto zur Verfügung stellen. Dieses Basiskonten sollen sicherstellen, dass auch Bürger mit kleinem Einkommen oder mit Schulden Zugang zu einem Konto haben. Das Berliner Fintech braucht diese Vorgabe aber nicht zu befolgen: „Da Number26 keine Banklizenz hat, sondern mit einer Partnerbank zusammenarbeitet, müssen wir kein Jedermann-Konto anbieten“, so eine Sprecherin der Firma.

Naheliegend wäre, dass die Smartphone-Bank ihr Gratis-Konto nur zahlungskräftigen Kunden anbieten will, die in der Zukunft auch andere Finanzdienstleistungen in Anspruch nehmen. Darauf jedenfalls zielt das Fintech ab: Man werde künftig „alle Bereiche einer traditionellen Bank wie Finanzierung, Sparen, Investieren und Versicherungen anbieten“, sagte Number-26-Gründer Valentin Stalf kürzlich dem Handelsblatt. Bisher macht Number 26 Verluste. Das soll der Verkauf anderer Finanzdienstleistungen ändern.

Höhere Gebühren für Kunden mit schlechter Bonität oder geringem Einkommen sind dabei durchaus üblich. Gratis-Konten für Arme gibt es nämlich so gut wie nicht, zeigte kürzlich eine Auswertung der FMH Finanzberatung unter 62 Banken. Bei 33 Gratis-Konten verlangen die Institute einen monatlichen Gehalts- oder zumindest Geldeingang. So sind beispielsweise die Gratis-Konten der Commerzbank und der Postbank daran gebunden, dass 1000 Euro beziehungsweise 1200 Euro im Monat eingehen. Andernfalls verlangt die Postbank 5,90 Euro und die Commerzbank gar 9,90 Euro.

Auch bei Sparkassen, die allerdings fast keine Gratis-Konten bieten, gibt es ähnliche Modelle – wenn der monatliche Geldeingang unterhalb einer bestimmten Schwelle liegt, ist das Konto teurer. Die Geldhäuser begründen die Verknüpfung von kostenlosem Konto und Mindesteingang meist damit, dass sie keine Zweit- oder Drittkonten von Kunden gratis führen wollen. Das will Number 26 wahrscheinlich auch nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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