Fintechs: Eine Milliarde wert – und jetzt?

Fintechs: Eine Milliarde wert – und jetzt?

, aktualisiert 08. September 2016, 11:31 Uhr
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Ende 2014 ging die Kreditplattform in New York an die Börse.

Quelle:Handelsblatt Online

Für junge Unternehmen, mit mehr als eine Milliarde Dollar Firmenwert gibt es den Spitznamen „Einhörner“. Auch für Finanz-Start-ups, die diese Schwelle erreichen, kann der Erfolg zu einem Fluch werden. Die Gründe.

New YorkIn der Mythologie sind Einhörner ein Symbol für das Gute. Bei jungen Technologie-Unternehmen, die vor allem etablierte Bank- und Versicherungsunternehmen angreifen („Fintech“), könnten sie hingegen zunehmend zu einem Anzeichen für Unglück werden.

Das Streben von Fintech-Unternehmen nach einer Bewertung von einer Milliarde Dollar oder mehr ist möglicherweise nicht mehr im besten Interesse eines Startups. Das zumindest legen jüngste Bewertungstrends und Risikokapitalgeber aus dem Bereich nahe.

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Fintechs bereiten Investoren besonderes Kopfzerbrechen, wenn sie für große Unternehmen zu teuer für einen Einstieg werden, zugleich aber noch nicht über Geschäftsmodelle verfügen, die für ein Debüt an den öffentlichen Märkten reichen.

„Was man vermeiden will, ist das Erreichen dieses Stadiums, in dem man so Art halb-schwanger ist - wenn man die Marke, bei der man verdaubar ist, überschritten hat, sich aber noch nicht klar auf einem Pfad für langfristige wirtschaftliche Unabhängigkeit befindet“, sagt Sean Park, Mitbegründer des Risikokapitalgebers Anthemis Group.

Finanzierungsdaten untermauern derartige Sorgen. Laut Marktforscher CB Insights sind die Finanzierungen für Fintechs, die von Risikokapitalgebern unterstützt werden, im zweiten Quartal auf Quartalsbasis um 49 Prozent eingebrochen.


Lending Club: Bewertung mehr als halbiert

Probleme bei recht bekannten Unternehmen wie Lending Club, dessen Bewertung von 5,4 Milliarden Dollar Ende 2015 inzwischen auf 2,1 Milliarden Dollar eingebrochen ist, haben zudem die Nervosität von Investoren in dem Bereich zunehmen lassen.

Die lauwarme Stimmung steht im krassen Gegensatz zur starken Begeisterung für Fintechs im vergangenen Jahr. Damals setzen Investoren alles daran, gegen die veraltete Technologie großer Banken und anderer Finanzunternehmen anzugehen.

Eine Vielzahl von Startups hat die Bewertungsmarke von einer Milliarde Dollar überschritten, darunter die Online-Kredit-Plattformen Social Finance und Lu.com mit vier Milliarden Dollar beziehungsweise 18 Milliarden Dollar.

Andere stehen kurz davor, die Marke zu nehmen. Beispiele sind hier die Robo-Berater Betterment LLC und Wealthfront Inc., jeweils mit einer Bewertung von rund 700 Millionen Dollar.

Mit jeder Zunahme der Bewertung wird die Gruppe potenzieller Käufer kleiner. Und bei großen Unternehmen nimmt die Skepsis zu, ob diese Bewertungen es noch erlauben, einen guten Ertrag mit ihrem Investment zu erzielen.

Nikhil Lele von der Beratungsfirma EY berichtet, dass er von mehreren Kunden gehört hat, dass sie „weniger sicher sind bei Übernahmen, weil sie auch nicht immer so überzeugt sind von den Bewertungen, mit denen bestimmte Unternehmen aufwarten“.


Wenig Erfahrung mit Compliance kann Problem sein

Bei den Übernahmen von Fintechs war es 2015 stark nach oben gegangen. Doch in diesem Jahr hat sich der Trend abgeschwächt. Laut CB Insights gab es im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 22 Übernahmen, verglichen mit nur 16 im Jahr 2016.

Eine Antwort auf die Frage, wer diese Startups mit höheren Bewertungen kaufen könnte, sind Unternehmen außerhalb der Finanzbranche. Zwar haben Konzerne wie Apple und Amazon gut gefüllte Kriegskassen, die ihnen Zukäufe erlauben würden, doch sie könnten davon abgehalten werden.

„Wir warten schon seit einiger Zeit auf den Eintritt aus dem Bereich der Technologie-Unternehmen, und das ist mit Sicherheit eine Möglichkeit“, berichtet Uday Singh, Partner beim Beratungsunternehmen AT Kearney. Doch er weist auf die Hürde hin, dass „Finanzdienstleistungen so stark reguliert sind, dass sie keine Erfahrung mit der Art von Compliance haben, mit der sie es zu tun bekommen würden“.

Das lässt womöglich nur die Option eines Verkaufs zu einem niedrigeren Preis übrig. In anderen Branchen ist das schon passiert. So ging beispielsweise Gilt Groupe Holdings, einst mit rund einer Milliarde Dollar bewertet, später für 250 Millionen Dollar an Hudson’s Bay.

Quelle:  Handelsblatt Online
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