Fintechs : Smartphone-Konto der Sparkassen startet jetzt

Fintechs : Smartphone-Konto der Sparkassen startet jetzt

, aktualisiert 28. Juni 2017, 17:37 Uhr
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Zehn große Sparkasse starten nächste Woche das Smartphone-Konto "Yomo". Doch ein interner Wettbewerber war schneller.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Ab Juli können Kunden ein „Yomo“-Konto per App eröffnen. Damit wollen die Sparkassen dem Start-up N26 Paroli bieten. Nur: Eine Sparkasse ist vorgeprescht und bietet bereits jetzt ein eigenes Smartphone-Konto.

FrankfurtGetestet und geprobt wurde eine ganze Weile. Kommende Woche können Bankkunden ein reines Smartphone-Konto bei den Sparkassen eröffnen. Die „Yomo“-App – Yomo für „Your Money“ – steht ab Anfang Juli, also ab kommender Woche, für iPhones und Android-Handys zum Herunterladen bereit. Das teilte die Münchner Stadtsparkasse, die bei Yomo federführend ist, auf Anfrage mit.

Zehn große Sparkassen, darunter die Münchner Stadtparkasse, haben Yomo finanziert und starten die App, die das Gemeinschaftsunternehmen Starfinanz entwickelt hat. Die neue Girokonto-App können aber auch alle andere knapp 400 Sparkassen in ihr Angebot aufnehmen. Sie würden Yomo per Lizenz nutzen können. Erhofft worden war allerdings, dass gleich zu Beginn mehr Sparkassen dabei sind.

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Yomo ist ein Versuch der Sparkassen, zu verhindern, dass junge Kunden zu anderen Banken abwandern. Zudem wollen sie dem Berliner Finanz-Start-up N26 Paroli bieten, dessen Angebot Yomo ähnelt. N26 zählt zu den so genannten Fintechs, die etablierte Banken direkt angreifen. Mit Erfolg: Die Smartphone-Bank zählt rund 300.000 Kunden und will weiter schnell wachsen. Noch 2017 will Firmengründer Valentin Stalf bis zu 800.000 Kunden erreichen.

Höchste Zeit also für die Sparkassen, gemeinsam gegenzuhalten. Nur: Eine große Sparkasse, die Frankfurter, ist vorgeprescht. Seit wenigen Tagen bietet ihre Onlinetochter 1822direkt bereits ein Smartphone-Konto an, das 1822mobile. Sie hat die App vor zwei Wochen an den Markt gebracht, gab Frankfurter Sparkasse auf Anfrage an.

Die 1822direkt ist als Onlinebank ohnehin ein Sonderfall unter den Sparkassen, die Onlinebanken, die kaum oder keine Filialen haben, eigentlich als Wettbewerber betrachten. Man sei schon seit mehr als 20 Jahren im Direktbanking unterwegs, so die Frankfurter Sparkasse. „Schnelle und flexible Lösungen sind wichtige Erfolgsfaktoren der 1822direkt. Deshalb haben wir schon sehr frühzeitig die Entwicklung eines eigenen mobilen Bankangebotes für jüngere und technik-affine Bankkunden aufgegriffen und vorangetrieben.“ Damit begründet das Geldhaus auch, warum es nicht bei Yomo mitgezogen hat.

Das „IT Finanzmagazin“, das das neue Angebot getestet hat, lobt: Unterm Strich habe die 1822direkt eine gute App vorgelegt, die allerdings noch eine Menge Potenzial zur Weiterentwicklung habe.


Gratis-Konten für junge Leute

Immerhin: Sowohl bei Yomo als auch 1822mobile ist das Konto kostenlos – wie auch die Girokarte. Im Fall von Yomo legen die einzelnen Sparkassen Gebühren für Zusatzleistungen jeweils selbst fest. Auch das N26-Girokonto ist gratis. Das Angebot richtet sich besonders an junge Leute zwischen 18 und 35 Jahren.

Sollte der Großteil der deutschen Sparkassen rasch bei Yomo nachziehen, würde das für die S-Finanzgruppe ein Problem lösen: Eigentlich hält sie das sogenannte Regionalprinzip hoch. Das heißt, eine Sparkasse bedient grundsätzlich Privat- und Firmenkunden in ihrer Region, wildert aber nicht in Nachbargefilden. Ein Girokonto für das Smartphone gefährdet dieses Prinzip, weil Kunden von überall auf die App zugreifen können – womöglich aus einer Region, die eben nicht von den zehn Yomo-Initiatoren bedient wird. Die Kunden, die sich bei Yomo registrieren, werden über ihre Postleitzahl der nächsten oder einer der nächsten Sparkassen zugeordnet.

Yomo soll allerdings kein Ersatz für die bereits bestehende und viel genutzte Sparkassen-App für das klassische Girokonto sein. Das Girokonto kostet bei den allermeisten Sparkassen eine monatliche Gebühr. Zuletzt haben etliche Sparkassen, aber auch private Banken und Volksbanken die Preise angehoben oder dies angekündigt. Kunden müssen dabei zusehends auch einzelne Dienstleistungen etwas bezahlen.

Dabei eint N26, Yomo und 1822mobile die Herausforderung, ob das Geschäftsmodell auch Geld abwirft. Schließlich fällt es den Banken schwer, mit dem klassischen Zinsgeschäft – dem Geschäft mit Krediten und Einlagen – etwas zu verdienen. Mit Girokonten allein machen viele Banken Verluste. Gerade, wenn sie auf Kontoführungsgebühren verzichten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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