Firmenkunden und Banken: Der Strafzins wird zum Normalfall

Firmenkunden und Banken: Der Strafzins wird zum Normalfall

, aktualisiert 09. Mai 2016, 17:42 Uhr
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„Individuelle Guthabengebühr“ heißt der Strafzins für Firmenkunden der Commerzbank.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Viele Unternehmen müssen Strafzinsen berappen, wenn sie kurzzeitig Geld bei ihrer Bank parken. Dabei geht es um keine Einzelfälle. Laut Bundesbank-Daten ist der Durchschnittszins für Firmeneinlagen erstmals negativ.

FrankfurtFür viele Unternehmen ist es seit einiger Zeit Gewissheit: Es gibt keinen Zins mehr, wenn sie Geld bei der Bank parken. Im Gegenteil: Wenn Firmen kurzfristig hohe Beträge anlegen wollen, müssen sie dafür oftmals Strafzinsen zahlen.
Die Commerzbank beispielsweise berechnet schon seit längerem für mittelständischen Firmenkunden eine „individuelle Guthabengebühr“, falls diese viel überschüssiges Geld bei ihr parken. Auch die Deutsche Bank, Landesbanken und große Sparkassen haben solch negative Einlagenzinsen angekündigt.

Wie weit verbreitet Strafzinsen für Unternehmen mittlerweile sind, zeigen Daten der Deutschen Bundesbank. Im März betrug der Strafzins für frische Einlagen mit maximal einjähriger Laufzeit durchschnittlich 0,03 Prozent – und war damit erstmals negativ. Im Februar lag er Zins noch bei plus 0,08 Prozent, ein Jahr zuvor noch über 0,1 Prozent. Das ermittelte der Berater Barkow Consulting auf Basis von Einlagen in Höhe von insgesamt 15 Milliarden Euro.

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„Negative Einlagenzinsen sind nun wohl kein Einzelfall mehr“, stellt Barkow Consulting fest. Der Berater verweist darauf, dass laut Bundesbank insbesondere großvolumige Transaktionen „zum Ausweis eines negativen Zinses im März“ geführt hätten. Das ist ein Hinweis darauf, dass Banken vor allem hohe Summen mit Strafzinsen belegen.

Grund ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Kreditinstitute, die überschüssiges Kundengeld bei der Notenbank parken, müssen seit kurzem 0,4 Prozent Zinsen an die EZB zahlen, statt für das deponierte Geld etwas zu erhalten. Die Banken versuchen, die Kosten von den Kunden zurückzuholen. Privatkunden sind bislang verschont, bei Unternehmen sieht es anders aus.


Rund 100 Banken zahlen Privatkunden nichts mehr aufs Tagesgeld

Die EZB führte im Sommer 2014 negative Einlagenzinsen für Übernachtgelder von Banken ein. Dass Kreditinstitute ihrerseits Strafzinsen verlangen, ist seit anderthalb Jahren bekannt. Damals aber waren vor allem Großunternehmen und professionelle Investoren wie Fonds und Pensionsfonds betroffen. Die Geldhäuser selbst sprechen lieber von einer „Verwahrgebühr“ oder einer „Guthabengebühr“.

Inzwischen sind Strafzinsen auch bei Sparkassen verbreitet. Wie der „Südkurier“ berichtet, verhandelt die Sparkasse Bodensee derzeit mit Großanlegern derzeit über Negativzinsen auf kurzfristige Einlagen. Demnach sollen Städte oder Firmen, die bei dem Geldhaus mehr als 2,5 Millionen Euro auf Girokonten mit täglicher Verfügbarkeit haben, aktuell 0,4 Prozent Zinsen dafür bezahlen, dass die Sparkasse ihr Guthaben verwahrt.

Die Sparkasse Oberhausen dachte im März sogar laut über Strafzinsen für vermögende Sparer nach. „Wir können Negativzinsen in Zukunft auch für Privatkunden nicht mehr ausschließen“, sagte Sparkassen-Chef Bernhard Uppenkamp.

Strafzinsen für normale Privatkunden gibt es in Deutschland derzeit nicht – noch nicht. Zwar würden die Sparkassen „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen“. Wenn aber die aktuelle Niedrigzinsphase lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden nicht davor bewahren können, sagte selbst Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon vor zwei Wochen. Und er sieht sich zugleich als "Schutzmacht" der Sparer.
Immerhin: Schon jetzt bieten etwa 100 Banken - darunter die Commerzbank, viele Sparkassen und Volksbanken – gar keine Zinsen mehr für Tagesgeld. Und noch etwas spüren die Bankkunden: Viele Kreditinstitute haben zuletzt die Gebühren für Kontoführung, Karten oder Überweisungen erhöht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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