Fitness-Gadget A360 von Polar im Test: Smarter Motivator

Fitness-Gadget A360 von Polar im Test: Smarter Motivator

, aktualisiert 02. März 2016, 12:31 Uhr
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Der wasserdichte A360 ist praktisch, smart und unkompliziert und gerade für Fitness-Einsteiger ein nützliches Gadget, um Trainingserfolge zu sammeln und sich zu motivieren.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Er klingt nach einem Jumbo-Jet und verleiht der Motivation Flügel: Der Fitness-Tracker A360 von Polar misst zahlreiche Aktivitäten - und macht so selbst den Abwasch zur Übung. In einer Disziplin schwächelt die Uhr aber.

Köln„Sag mal, du testest doch ständig diese Fitness-Tracker, kannst du mir nicht einen empfehlen, mit dem ich endlich mal mein überschüssiges Fett loswerde?” Neben mir steht meine Kollegin und schaut mir mit einem zerknautschen Gesichtsausdruck erwartungsvoll in die Augen. Ja, die Fastenzeit hat mal wieder begonnen und es ist vorbei mit dem lustigen Treiben. Doch wie heißt es so schön in einem mexikanischem Sprichwort: „Der gute Vorsatz ist ein Gaul, der oft gesattelt, aber selten geritten wird.“

Oder wie läuft es bei Ihnen gerade mit den Neujahrsvorsätzen? Untersuchungen zeigen, dass wir die meisten von ihnen ziemlich schnell wieder über Bord werfen. So knicken 25 Prozent bereits nach einer Woche ein, die andren 65 Prozent tun es dann innerhalb der ersten sechs Monate. Laut einer repräsentativen Forsa-Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit verzichten die meisten Deutschen in der Fastenzeit auf Alkohol, Süßigkeiten oder Fleisch. Und alle wollen natürlich mal wieder „mehr Sport treiben“...

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Fitness-Tracker können Sportmuffeln dabei helfen und weil wir gerade das neueste Wearable von Polar unter die Lupe nehmen, stelle ich meiner Kollegin den A360 vor, der eigentlich klingt wie die Typbezeichnung eines Jumbo-Jets, aber viel mehr kann, als der Motivation nur Flügel zu verleihen.

Punkten will Polar nämlich mit der Pulsmessung direkt am Handgelenk und einem „qualitativ hochwertigen Lifestyle-Produkt, dass 24/7 getragen werden kann“. Das finnische Unternehmen weiß, dass es damit längst nicht mehr das erste im Markt ist. Man habe sich, so heißt es, stattdessen die Zeit genommen, eigene Algorithmen zu entwickeln, um die vom Sensor übermittelten Daten zu verwalten und interpretieren. Polar betont explizit, dass man dazu eine ganz eigene Technologie verwendet - zwei grüne LEDs und einen lichtempfindlichen Sensor.

Nun kann auch die Apple Watch den Puls am Handgelenk messen. Daher stellt sich die Frage: Wie funktioniert das beim Modell A360? Was kann es? Bringt mir das was beim Training? Wie groß sind die Abweichungen zum Training mit Pulsgurt und ist es das überhaupt wert für den Preis - immerhin rund 200 Euro?


Selbst der Abwasch zählt

Ein paar Worte zur technischen Einrichtung. Für Menschen, die wie Sie und ich gerade die „Vergadgetisierung“ der Gesellschaft erleben, ist das denkbar einfach und in wenigen Minuten erledigt. Meiner bald 70-jährigen Schwiegermutter Resi würde ich das Prozedere allerdings nicht mehr zumuten wollen; wobei Bewegung als Investition in körperliche und psychische Gesundheit natürlich keine Altersgrenze kennt.

Auf dem Handy die App „Polar Flow“ runterladen. Wenn der A360 dann per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist, geht es direkt los. Wer kein Handy hat, kann den Tracker übrigens auch per Micro-USB-Anschluss, der gleichzeitig zum Akku-Aufladen dient, über den Computer mit der entsprechenden Software und einem obligatorischen Polar-Account einrichten.

Kaum aktiviert, beginnt das Gerät damit, alle meine Aktivitäten rund um die Uhr zu verfolgen. Zumindest in den ersten Tagen trage ich den Tracker auch in der Nacht. Der Tragekomfort des Silikonarmbandes, dass es in drei verschiedenen Größen gibt, ist nämlich super. Wer mag, kann den A360 außerdem mit dem Handy koppeln, um Mitteilungen über eingehende Anrufe, Nachrichten und Kalendereinträge auf dem Handgelenk anzuzeigen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Ich mag’s nicht. Stichwort: Dauer-Reizüberflutung. Möglich ist es jedenfalls.

Das Ergebnis nach einigen Wochen im Test-Betrieb: Ob ich schlafe, sitze, gehe oder ein knallhartes Workout im Fitnessstudio absolviere, das überwacht der A360 ganz ordentlich. Zumindest überwiegend. Der Tracker zählt die Schritte, die ich gelaufen bin, und teilt mir die zurückgelegte Distanz und auch meinen Kalorienverbrauch mit. Aus den gesammelten Daten wird mir jeden Tag ein neues Aktivitätsziel vorgegeben. Über den Touchscreen, der übrigens auch Farben darstellt, kann ich den Fortschritt beim Erreichen meines Tagesziels verfolgen.

Für Bewegungsmuffel, die trotz guter Vorsätze nicht aus dem Quark kommen, gibt es immer ein paar Tipps, wie man sein Tagesziel noch erreichen kann. Etwa mit 59 Minuten Tennis oder 3 Stunden und 16 Minuten leichtem Tanzen. Wer das nicht mag, könnte auch 38 Minuten Seilspringen oder sich für 4 Stunden und 7 Minuten im Garten beschäftigen. Das Angebot ist ist so groß, dass es wirklich schwer ist, noch eine Ausrede für Bewegung zu finden. Man könnte für sein Tagesziel sogar 7 Stunden und 26 Minuten lang Abwaschen und sich damit an sein Leistungs-Limit pushen. Muss man mögen.


Mahnung an die Büronomaden

Ein weiterer Pluspunkt: Der Touchscreen (Auflösung: 80x160 Pixel, Größe: 13x27 mm) funktioniert makellos und man braucht einfach nur nach oben oder nach unten zu wischen, um im Menü zu blättern. Auch nett: Man kann das Display samt Anzeige der Uhrzeit durch eine einfache Handgelenkbewegung einschalten, wie es bei anderen Smartwatches üblich ist; ansonsten ist es in einer Art Schlummermodus, um Strom zu sparen. Immerhin macht der Akku so erst nach 14 Tagen schlapp. Ich persönlich fand es mit der Zeit dann allerdings doch etwas nervig, immer erst mein Handgelenk schütteln zu müssen für die Uhrzeit - da lobe ich mir meine analoge Uhr, die die Uhrzeit ohne Rumfuchteln immer parat hat.

Besonders nützlich finde ich den Inaktivitätsalarm für Büronomaden wie ich eine bin, der durch sanftes Vibrieren darauf aufmerksam macht, wenn es Zeit für Bewegung ist. Mich spornt sowas an. Wussten Sie, dass wir 1470 Stunden im Jahr am Schreibtisch sitzen? Kein Wunder, dass Rückenschmerzen für viele zur Tagesordnung gehören...zur Schadensbegrenzung ist so ein Alarm also ganz gut, wenn man ihn nicht stoisch ignoriert und stattdessen kurz aufsteht (bitte nicht, um eine Zigarette zu rauchen!), nach ein paar Schritten vielleicht noch die Bauch- und Gesäßmuskeln anspannt und sich dann mit geradem Rücken wieder hinsetzt.

Und jetzt gibt es auch noch gute Nachrichten für die echten Hantelmonster unter uns, die bei vielen Trackern schlicht vernachlässigt werden, weil sie im Fitnesstudio an der Bank keine messbaren Marathonläufe absolvieren. Wer Kondition auf- und Fett abbauen will, der kann über das Menü eingeben, dass er ein Krafttraining absolviert und sich entsprechend in einen Pulsbereich bringen, im dem der Kreislauf auf Touren gehalten wird (beim reinen Muskelaufbau spielt die Pulskontrolle eher keine große Rolle).

Luft nach oben hat der A360 allerdings beim Thema Genauigkeit, denn Polar hat auf die Integration von GPS verzichtet. So schön es ist, als Trainingseinheit eine Runde auf dem Fahrrad zu verbringen - was nützt es mir, wenn die Strecke nicht aufgezeichnet wird. Das haben wir Sportler ja dann doch ganz gerne - übrigens auch beim Joggen, wo die zurückgelegte Distanz aber immerhin ziemlich genau gemessen wird über die Schrittzählung. Ebenfalls nur halb gelungen finde ich die Option, den Tracker beim Schwimmtraining zu tragen: Auch hier wird mir nur der Puls angezeigt, und nicht, wie viele Bahnen ich in welcher Zeit absolviert habe - zumindest für ambitionierte Schwimmer und leidgeplagte Kachelzähler verliert der A360 hier an Reiz.


Fazit

Der Polar A380 hält, was er verspricht: Im Alltag ist er ein smarter Begleiter, der mich überzeugt, wenn ich ihn nicht nach meinen Ansprüchen als Leistungssportlerin, sondern als Ottonormalverbraucher bewerte. Funktion, Handhabung und Auswertung der Trainingsergebnisse über die App oder am Computer sind denkbar einfach und die Pulsmessung während der Sports kann sogar Bewegungsmuffel beim Fettstoffwechseltraining unterstützen.

Übrigens funktioniert die Pulsmessung im Vergleich mit einem Brustgurt (im Test war das einer von Garmin in Kombination mit der Fenix 3, einer High-End-Sportuhr für Triathleten) überraschend genau. Wer trotzdem auf eine EKG-genaue Messung nicht verzichten will, kann seinen A360 damit koppeln (erforderlich ist der Polar H7-Sensor, den man separat für 69,95 Euro kaufen kann).

Ein wichtiger Hinweis noch: Hersteller Polar hat darüber informiert, dass es zu allergischen Reaktionen kommen kann. Bisher seien nur wenige Fälle bekannt, es sei auch nur ein kleiner Teil der Geräte betroffen, Nutzer sollen dennoch ihre Haut beobachten. Wer Probleme hat, sollte sich mit dem Kundendienst in Verbindung setzen.

Auf dem Weg zu einem gesunden Leben ist Kontinuität meiner Meinung nach aber viel wichtiger als Intensität. Aber nehmen Sie sich dabei bitte nicht zu viel vor, sondern lieber ein oder zwei Dinge, die sie wirklich verändern wollen. Und seien Sie nicht allzu streng mit sich und ungeduldig. Wissenschaftler haben ausgerechnet, dass es mindestens 30 Tage braucht, um eine Gewohnheit ändern zu können.

Quelle:  Handelsblatt Online
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