Flüchtlinge bei Lufthansa und Air Berlin: Wie Airlines mit Abschiebungen umgehen

Flüchtlinge bei Lufthansa und Air Berlin: Wie Airlines mit Abschiebungen umgehen

, aktualisiert 05. Februar 2016, 10:16 Uhr
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„Rückführungen geschehen meist problemlos ohne irgendein Aufsehen zu erregen.“

von Jens KoenenQuelle:Handelsblatt Online

Die Bundesregierung will abgelehnte Asylbewerber konsequenter abschieben – unter anderem per Flugzeug. Die Airlines bereiten schon darauf vor. Müssen Fluggäste künftig mit unschönen Szenen an Bord rechnen?

FrankfurtDie Vorstellung ist unangenehm. Da hat man es sich im Flugzeug nach dem „Boarding“ bequem gemacht und dann nehmen ein Vollzugsbeamter und ein abgeschobener Flüchtling nebenan Platz. Ein Bild, an das wir uns künftig besser gewöhnen sollten?

Eher nicht. Zwar will die Bundesregierung künftig Flüchtlinge ohne Aussicht auf ein Bleiberecht zügiger und konsequenter in ihre Heimat „rückführen“, wie es so schön heißt. Auch wird das sicherlich häufig mit dem Flugzeug geschehen. Doch die Erfahrungen der zurückliegenden Monate zeigen: Die Abschiebungen laufen in der Regel reibungslos, finden üblicherweise sogar völlig unbemerkt von den anderen Passagieren statt. „In der weit überwiegenden Zahl der Fälle – über 90 Prozent – geschieht eine solche Rückführung unbegleitet und problemlos ohne irgendein Aufsehen zu erregen“, heißt es bei der Lufthansa.

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Nach Medienberichten wurden im vergangenen Jahr fast 21.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2014. Angaben, wie viele davon per Flugzeug in ihre Heimat zurückreisten, gibt es bislang nicht. 2014 wurden 8557 Abschiebungen per Flugzeug durchgeführt – also die große Mehrheit der insgesamt 10.844 Rückführungen.

Für die Fluggesellschaften bedeutet das zwar zusätzliche Passagiere und damit auch Einnahmen. Aber zumindest bei Abschiebungen per Linienflug verdienen sie damit keine Extra-Prämie. „Für alle Passagiere, die im Rahmen einer Personenrückführung mit uns fliegen, gilt der reguläre Ticketpreis“, erklärt ein Sprecher von Lufthansa.

Anders sieht es bei speziell von der öffentlichen Hand für Abschiebungen gecharterten Flügen aus. Lufthansa bietet solche Flüge nicht an, wohl aber Air Berlin. Wie teuer ein solcher Sammeltransport ist, ist zwar nicht bekannt. Aber man darf davon ausgehen, dass sich die Fluggesellschaften eine solche Dienstleistung angemessen vergüten lassen.

Grundsätzlich wird eine Airline darüber informiert, ob sich unter den Passagieren abgeschobene Flüchtlinge befinden. Doch reisen Asylsuchende vor einer Abschiebung freiwillig zurück, ist das nicht zwingend der Fall. Denn die Airline weiß in der Regel nichts über die Gründe eines Passagiers für seinen Trip. Deshalb können Lufthansa und Air Berlin auch keine detaillierten Angaben darüber machen, wie viele Flüchtlinge sie in den zurückliegenden Monaten befördert haben.


Pilot kann Passagier im Flieger „fixieren“ lassen

Fluggesellschaften haben grundsätzlich eine Beförderungspflicht. Wer ein gültiges und bezahltes Ticket sowie die entsprechenden Reisedokumente vorweisen kann, muss mitgenommen werden. Allerdings gibt es Ausnahmen. Die Fluggesellschaft und der Pilot nehmen vor jedem Flug eine Risikobewertung der Passagiere vor. Dabei spielt etwa das Gewaltpotential eines Fluggastes eine Rolle, natürlich nur sofern dazu Daten von den zuständigen Behörden vorliegen.

Das gilt allerdings für jeden Fluggast, nicht nur für Flüchtlinge. Wer hier eine gewisse Historie hat, dem kann der Flug verweigert werden. Tatsächlich kommt das immer wieder vor, auch im Fall von abgeschobenen Flüchtlingen. Die Behörden können in solchen Fällen nichts machen. Der Pilot ist für die Sicherheit des Fluges verantwortlich und hat hier die entsprechenden Handlungsspielräume.

Sowieso weigern sich Airlines grundsätzlich, Flüchtlinge gegen ihren eigenen Willen mit an Bord eines Linienfluges zu nehmen. „Wir können trotz der gesetzlichen Beförderungspflicht Passagiere vom Flug ausschließen, wenn unter anderem zu befürchten ist, dass sie aufgrund ihres Verhaltens oder Zustands eine konkrete Gefahr für die Sicherheit und Ordnung an Bord darstellen, sich oder andere gefährden“, erklärt ein Sprecher von Lufthansa. Das gelte auch, wenn ein solcher Transport eine unzumutbare Belastung für die anderen Passagiere oder die Crew darstelle.

Tritt eine solche Situation erst während des Fluges auf, ist der Pilot gefragt. Er kann entscheiden, einen widerspenstigen Fluggast zu isolieren oder auch ihn zu fixieren. Ein solcher Einsatz gehört zur Ausbildung von Stewards und Stewardessen. Auch kann der Pilot über eine außerordentliche Landung entscheiden. Aber auch das gilt generell für besonders renitente Fluggäste, nicht speziell für Flüchtlinge.

Quellle:  Handelsblatt Online
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