Flughäfen: Chaos bei der Grenzkontrolle

Flughäfen: Chaos bei der Grenzkontrolle

, aktualisiert 30. Juli 2017, 21:12 Uhr
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Die Warteschlangen sollen sich teilweise über mehrere hundert Meter quer durch das ganze Flughafengebäude gezogen haben, berichtet der Airline-Verband A4E.

Quelle:Handelsblatt Online

Eine EU-Verordnung aus dem März sorgt in Madrid, Palma de Mallorca, Paris und anderswo für enorme Schlangen vor den Kontrollschaltern. Viele Länder haben das Thema schlicht verschlafen – hohe Verspätungen sind die Folge.

FrankfurtDie Brüsseler Bürokraten scheinen geahnt zu haben, was ihre am 15. März diesen Jahres publizierte Verordnung zu Grenzkontrollen auslösen könnte. Die Mitgliedsstaaten sollten „für die systematischen Kontrollen geeignetes Personal und geeignete Ressourcen in ausreichendem Umfang einsetzen, um zu verhindern, dass diese Kontrollen unverhältnismäßige Wartezeiten verursachen und den Verkehrsfluss an den Außengrenzen behindern“, heißt es klar und deutlich unter Punkt acht der EU-Verordnung 458/2017.

Doch offensichtlich sind die Verantwortlichen in vielen Mitgliedsstaaten gar nicht erst bis zu diesem Punkt vorgedrungen. Und so erleben Flugreisende zurzeit genau das, was die EU vermeiden wollte: enorme Wartezeiten und Verspätungen bei Flügen.

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Bis zu vier Stunden müssten Reisende etwa am Flughafen von Palma de Mallorca vor den kleinen Kontrollstationen warten, beklagt der Airline-Verband A4E. Die Warteschlangen zögen sich teilweise über mehrere hundert Meter quer durch das ganze Flughafengebäude. An einigen Flughäfen hätten die Flugverspätungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 300 Prozent zugenommen. „Das ist schon grundsätzlich für Flugreisende eine Zumutung, erst recht aber in der Hauptreisezeit, wenn viele Familien samt Kinder unterwegs sind.“

Der Auslöser ist simpel: Die EU will den Missbrauch etwa von gestohlenen Ausweispapieren, zum Beispiel durch Terroristen, in den Griff kriegen. Deshalb werden die Grenzbeamten dazu verpflichtet, jeden Ausweis durch ein Lesegerät zu ziehen, um die Daten mit den Datenbanken abzugleichen, in denen Meldungen über gestohlene Papiere hinterlegt sind.

Das bedeutet: Auch die Papiere von Reisenden aus der EU, die bis jetzt innerhalb der EU von den Beamten lediglich kurz in Augenschein genommen wurden, werden nun gescannt, und man muss warten, bis das System Rückmeldung gibt. Das dauert. Auch Passagiere innerhalb des Schengen-Raums können betroffen sein.

Eigentlich haben die EU-Mitgliedsländer noch bis zum 7. Oktober Zeit, die Vorgaben umzusetzen. Doch in einigen Ländern wurden die Grenzschutzbeamten offensichtlich schon jetzt angewiesen, entsprechend zu handeln, ohne aber eine Vorsorge etwa bei der Personalstärke zu treffen.

Der Airline-Verband A4E fürchtet gar, dass bis Anfang Oktober das Chaos noch größer werden wird, weil bis dahin weitere EU-Länder in eine vergleichbare Falle tappen werden. „Die Mitgliedsstaaten müssen jetzt die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um solchen Störungen vorzubeugen“, fordert Thomas Reynaert, Managing Director des Verbandes A4E.

Die EU verweist in ihrer Verordnung ausdrücklich auf neue Technologien, die solche Kontrollen beschleunigen könnten. „In diesem Zusammenhang könnten automatisierte Grenzkontrollsysteme von Relevanz sein“, heißt es dort. Doch die genervten Passagiere werden über derlei Tipps wohl nur noch lachen können. Sie erleben gerade mal wieder, dass die Realität in den Brüsseler EU-Bürokomplexen von der in vielen EU-Staaten abweicht – und zwar erheblich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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