Flugreisen im Subkontinent: In Indien boomt der Luftverkehr

Flugreisen im Subkontinent: In Indien boomt der Luftverkehr

, aktualisiert 28. Februar 2016, 10:28 Uhr
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Der Billigflieger war 2006 die erste private Fluglinie, die den abgelegenen Nordosten Indiens anflog. Mittlerweile boomt dort der Luftverkehr.

Quelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Inder entdecken die Vorteile von Flugreisen. Aufgrund der großen Konkurrenz unter den Airlines sind die Preise niedrig. Auch sparen Reisende viel Zeit. Doch die Luftfahrtbranche kämpft mit Problemen.

Neu DelhiLightson Ngashangva erinnert sich ungern an die endlos langen Fahrten mit Zügen und Bussen jeden Sommer, wenn er sich von Neu Delhi zu einem Besuch in seinem Heimatdorf im abgelegenen Nordosten Indiens aufmachte.

Inzwischen braucht der 26 Jahre alte Biotechnologiestudent für die Reise in das Dorf im Unionsstaat Manipur statt drei Tagen nur noch vier Flugstunden. Eine schnell wachsende Wirtschaft und eine größer werdende Mittelschicht haben Indien zum weltweit am rasantesten wachsenden Markt für Flugreisen gemacht.

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Die Zahl der Passagiere stieg im vergangenen Jahr um 20 Prozent, und Fluggesellschaften erweitern ihr Streckennetz fast wöchentlich um neue Ziele. Dennoch sind indische Fluglinien in Bedrängnis. Experten zufolge explodierte der Markt im vergangenen Jahrzehnt trotz Hindernissen wie hohen Kerosinpreisen, mangelnder Wartungsinfrastruktur, überlasteten Flughäfen und einem Preiskrieg, der viele Anbieter rote Zahlen schreiben lässt.

Doch ungeachtet der großen Probleme lockt das Potenzial des indischen Marktes immer neue Anbieter an, darunter auch ausländische Fluglinien. Von den 1,2 Milliarden Einwohnern nutzen pro Jahr lediglich 70 Millionen Inlandsflüge.

Das entspricht nur etwa einem Viertel des Marktes in China, wo ähnlich viele Menschen leben. Der Flugverkehr in Indien verzeichne zweistellige Zuwachsraten und werde in den nächsten zehn bis 15 Jahren weiterhin zweistellig wachsen, sagt Kapil Kaul, Regionalchef des Zentrums für asiatisch-pazifische Luftfahrt.


Flugreisen waren früher ein Luxus

Indigo, Indiens größte und profitabelste Fluggesellschaft, bestellte im August bei Airbus für 26,6 Milliarden Dollar (23,9 Milliarden Euro) 250 neue Flugzeuge des Typs A320neo. Auf der Luftfahrtshow in Dubai im November gab der US-Flugzeughersteller Boeing einen Auftrag von Jet Airways über 75 Maschinen des Typs 737 für acht Milliarden Dollar (7,2 Milliarden Euro) bekannt. Insgesamt erwartet Boeing in den kommenden 20 Jahren in Indien eine Nachfrage nach 1740 Flugzeugen.

Das rasante Wachstum der Branche nutzt den Millionen Indern, die auf dem Subkontinent weite Strecken zurücklegen müssen. Der Billigflieger Indigo war 2006 die erste private Fluglinie, die den abgelegenen Nordosten des Landes anflog. „Immer mehr Fluggesellschaften haben Flüge in meinen Heimartort aufgenommen“, sagt Student Ngashangva. „Der Wettbewerb unter den Fluggesellschaften führt dazu, dass die Tickets billiger werden.“

Linksgerichtete Politiker hätten Flugreisen in der Vergangenheit als Luxus betrachtet, nicht als Wegbereiter wirtschaftlichen Wachstums, sagen Experten. Deshalb seien hohe Steuern auf Kerosin erhoben worden, wodurch Flugbenzin fast 60 Prozent teurer als in Singapur oder Dubai sei. Dennoch wird Indien Prognosen zufolge bis 2020 zum drittgrößten Luftverkehrsmarkt werden. Die Zahl der Inlandspassagiere wird demnach von gegenwärtig 70 Millionen auf 300 Millionen bis 2022 und 500 Millionen bis 2027 steigen.

Um die Wachstumsprobleme der Boombranche abzumildern, legte die Regierung im Oktober den Entwurf einer Luftverkehrsstrategie vor. Vorgesehen ist darin der Bau einfacher Flughäfen an mehr als 400 Flugpisten im Land, von denen einige noch aus der britischen Kolonialzeit stammen und die zuletzt nicht mehr genutzt wurden. Die Regierung kündigte an, die Pisten mit jeweils bis zu 500 Millionen Rupien (6,5 Millionen Euro) wieder nutzbar zu machen.

Eine weitere Hürde für die Branche ist der massive Mangel an erfahrenen Piloten und Technikern. Die Einstellungsanforderungen für Piloten wurden bereits gesenkt, ebenso die von Flugkapitänen geforderte Zahl von Flugstunden.


Gefälschte Pilotenlizenzen

Die hohe Nachfrage nach Piloten mit der nötigen Flugerfahrung führte zu Fällen von Korruption und Betrug. Vor einigen Jahren entdeckte die Luftfahrtbehörde gefälschte Pilotenlizenzen, eine ungenehmigte Flugschule, die Lizenzen erteilte, sowie Schwarzhändler, die unqualifizierten Bewerbern gegen ein Schmiergeld eine Lizenz ausstellten.

Diese Probleme hat die Regierung inzwischen eingedämmt. Doch der Mangel an Piloten hält an. In der vergangenen Woche saßen mehr als 250 Passagiere eines Jet-Airways-Flugs nach Toronto neun Stunden lang fest, weil nach einer Verzögerung wegen technischer Probleme kein Pilot das Flugzeug übernehmen konnte.

Das Fliegen jedenfalls wird immer beliebter. Vor allem die Zeitersparnis sei ein großer Pluspunkt, sagt Lisa James, eine Innenarchitektin aus dem südlichsten Unionsstaat Kerala. Zweimal jährlich fuhr sie mit dem Zug von Neu Delhi nach Hause, und für die einfache Strecke brauchte sie jeweils fast zwei Tage.

„Es war anstrengend, und außerdem gingen für die Fahrt zwei Tage drauf“, sagt James. „Jetzt, da mein Geschäft immer besser läuft, kann ich es mir nicht leisten, meine Zeit mit Reisen zu verbringen. Das Fliegen spart mir einfach viel Zeit. Und Geld.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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