Folgen des China-Crashs: Angst vor dem Währungskrieg

Folgen des China-Crashs: Angst vor dem Währungskrieg

, aktualisiert 11. Januar 2016, 06:18 Uhr
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Die chinesische Währung Yuan hat zu Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar abgewertet.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Angesichts des Crashs an den Aktienmärkten könnte China seine Währung abwerten. Ziehen andere Länder nach, droht ein Abwertungswettlauf. Für viele Länder wäre das ein gefährliches Spiel.

Frankfurt 

Star-Investor George Soros ist für dunkle Prognosen berüchtigt. Nicht selten lag er damit richtig. Angesichts der Talfahrt am chinesischen Aktienmarkt sagte er jetzt: Das aktuelle Marktumfeld erinnere ihn an die weltweite Finanzkrise 2008.

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Innerhalb weniger Tage wurden weltweit fast 2,5 Billionen Dollar an Aktienwerten vernichtet. Nicht nur der Einbruch bei den chinesischen Aktien bereitet Sorgen - auch die chinesische Währung Yuan. Seit Beginn des neuen Jahres hat die chinesische Notenbank den Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar um 1,4 Prozent heruntergesetzt. Das erscheint im Vergleich zu den Verlusten am Aktienmarkt eher marginal. Dennoch glauben viele, dass China seine Währung noch deutlich stärker abwerten könnte. Sie fürchten die Gefahr eines Währungskrieges. Der schwache Yuan drohe einen Abwertungswettlauf auszulösen, sagt etwa der mexikanische Finanzminister Luis Videgaray. Sprich: Eine deutliche Yuan-Abwertung könnte dazu führen, dass auch andere Schwellenländer den Wechselkurs ihrer Währungen drücken. Damit jedoch wären neue Probleme verbunden.   

Tatsächlich rechnen viele Ökonomen damit, dass der Yuan abwerten wird. „China steht vor wirtschaftlich schwierigen Jahren“, sagt etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Land leide unter einem Überhang unverkaufter Immobilien und unter der hohen Verschuldung seiner Unternehmen. Das Wirtschaftswachstum werde weiter nachlassen und die Kapitalflucht befeuern. „Der Yuan sollte gegenüber dem Dollar weiter merklich abwerten.“

Der ökonomische Effekt: Chinesische Exporte werden im Ausland billiger – und ausländische Importe werden in China teurer. Das würde wichtige Handelspartner vor allem aus asiatischen Schwellenländern, die ebenfalls mit wirtschaftlichen Problemen kämpfen, unter Druck setzen. Ihre Absatzchancen verschlechterten sich. Deshalb könnten sie den Wechselkurs ihrer  Währungen im Gefolge Chinas ebenfalls schwächen. Das Ergebnis wäre eine Abwertung auf breiter Front.


Parallelen zur Asienkrise 1997/98

Problematisch wird dies immer dann, wenn sich die abwertenden Länder stark in fremder Währung verschuldet haben. Denn dann steigt mit jedem Prozent, um das die heimische Währung nachgibt, die Schuldenlast. So war es zum Beispiel in der Asienkrise 1997/98. Das Problem betrifft mal den Staat, mal die Unternehmen oder auch die privaten Haushalte.  

Seit der Finanzkrise 2007/08 ist die private Schuldenquote in den Schwellenländern massiv gestiegen. Sie liegt inzwischen bei rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung - und damit deutlich höher als vor dem Ausbruch der Schwellenländer-Krise 1997/98. Gerade auch die Anleiheemissionen in US-Dollar sind  kräftig gestiegen. Denn lange waren Fremdwährungskredite für Unternehmen in Schwellenländern wegen der niedrigeren Zinsen höchst attraktiv. Das Spiel geht aber nur so lange gut, wie der Wechselkurs der heimischen Währung aufwertet oder stabil bleibt. Das war lange auch der Fall. Doch durch die US-Zinswende hat sich der Wind gedreht.

Das pikante ist: China selbst hat kein großes Problem mit Fremdwährungskrediten. „Die Dollar-Verschuldung der chinesischen Unternehmen ist zwar stark gestiegen, sie macht aber nur rund 5 Prozent aller Unternehmensschulden aus und ist damit nicht das Hauptproblem“, sagt Commerzbank-Chefökonom Krämer.

Für China wäre eine Währungsabwertung deshalb weniger problematisch. Daher könnte die Verlockung dazu groß sein. Andere Schwellenländer würde ein Abwertungswettlauf hingegen härter treffen.   

 

Quellle:  Handelsblatt Online
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