Folgen des Klimawandels: Eisbären auf dem Laufband

Folgen des Klimawandels: Eisbären auf dem Laufband

, aktualisiert 12. Juni 2017, 15:29 Uhr
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Der Klimawandel zwingt die Tiere dazu, immer in Bewegung zu bleiben.

Quelle:Handelsblatt Online

Wegen der Erderwärmung bewegt sich das Packeis vor Alaska immer schneller. Das macht den ohnehin bedrohten Eisbären zusätzlich zu schaffen. Denn sie müssen gegen die Drift laufen, um in ihrer kalten Heimat zu bleiben.

AnchorageDer Umweltwissenschaftler George Durner vergleicht die Lage der Eisbären am Nordpol mit einem immer schneller werdenden Laufband. Die Geschwindigkeit nehme zu, da das Meereis infolge des Klimawandels dünner und brüchiger werde und sich schneller bewege, erklärt der Forscher vom Geologischen Dienst der USA.

In einer Studie beschäftigte sich Durner mit den Folgen für die Eisbären. Das Ergebnis: Die ohnehin gefährdeten Raubtiere zahlen einen hohen Preis.

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„Die erhöhte Driftfrequenz des Meereises verschärft vermutlich den physiologischen Stress, unter dem viele Eisbären wegen der erschwerten Nahrungssuche in der wärmer werdenden Arktis leiden“, sagt Durner. Ein Großteil des Packeises vor den Küsten von Alaska drifte das ganze Jahr über. Daher seien auch die Eisbären gezwungen, ständig in Bewegung zu sein, um in ihrem bevorzugten Lebensraum zu bleiben.

In einem im Januar veröffentlichten US-Bericht zur Lage der Tiere hieß es, ohne Schritte gegen den Klimawandel als Hauptursache für das Schwinden des Packeises könnten die Eisbären vermutlich nicht gerettet werden. Die Autoren verwiesen auf positive Zeichen wie die Emissionsziele des Pariser Klimaschutzabkommens.

Doch US-Präsident Donald Trump hat jüngst den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet und erklärt, dieses benachteilige die USA „zum exklusiven Vorteil anderer Länder“. Amerikanische Unternehmen und Steuerzahler seien die Leidtragenden. Trump rief auch zu einem Ausbau der Erdölförderung im Lebensraum der Eisbären auf, darunter in Gewässern vor der Küste Alaskas und im nördlichsten Naturschutzgebiet der USA, dem Arctic National Wildlife Refuge.

Dabei geht es den Eisbären ohnehin schon zunehmend schlechter. Die neue Studie des Geologischen Dienstes und der Universität von Wyoming zeigt, dass die mächtigen Tiere heute mehr Energie aufwenden müssen, um in ihrem Lebensraum zu bleiben. Um die höhere Driftgeschwindigkeit des Packeises auszugleichen, müssten sie laut konservativen Schätzungen von Forschern pro Jahr bis zu drei Seehunde mehr als bisher töten. Angesichts der ohnehin schrumpfenden Jagdmöglichkeiten ist das keine leichte Aufgabe.


Teurer Lebensraum Arktis

Durner vergleicht ihr Schicksal mit dem von Menschen, die in einer Stadt mit hoher Inflation und zugleich steigender Arbeitslosigkeit leben. „Für die Eisbären wird die Arktis ein immer teurerer Lebensraum“, sagt der Wissenschaftler.

Die Tiere können zwar längere Phasen ohne Fressen überstehen. Einen Großteil ihrer Beute suchen sie sich im Frühjahr und Frühsommer, wenn Ringelrobben ihren Nachwuchs bekommen. Mit ihrem ausgeprägten Geruchssinn spüren sie die Geburtshöhlen der Robben auf.

Der Rückgang des Meereises hat aber den Zugang zur Beute in der südlichen Beaufortsee vor der Nordküste Alaskas aber erschwert. Forscher stellten bei den dort lebenden Eisbären bereits Verschlechterungen beim körperlichen Zustand, bei der Fortpflanzung und den Überlebenschancen fest.

Die Autoren der neuen Studie untersuchten Daten von Eisbärenweibchen in der Beaufort- und der Tschuktschensee während zweier verschiedener Zeiträume: von 1987 bis 1998 und von 1999 bis 2013. In der zweiten Periode veränderten sich infolge längerer Schmelzphasen die Menge, Dicke und Zusammensetzung des Meereises.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass die Bären zwei bis sechs Prozent mehr Seehunde erbeuten müssen, um ihren erhöhten Kalorienbedarf wegen der vielen Lauferei auf dem beweglicheren Packeis zu decken. Ob die Tiere schneller laufen oder mehr Zeit in Bewegung verbringen, um mit dem Eis Schritt zu halten, ging aus der Untersuchung nicht hervor.

Die Eisbären in der Tschuktschensee vor der Nordwestküste Alaskas müssen noch weiter laufen und mehr Kalorien verbrennen als ihre Artgenossen in der Beaufortsee, wie Durner erklärt. Dennoch sind sie in einem besseren Allgemeinzustand, da in ihrem Gebiet mehr Nahrung zur Verfügung steht.

Amy Cutting vom Zoo in Oregon hält die neue Studie für einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Eisbären. Der Geologische Dienst mit seiner Jahrzehnte umfassenden Datensammlung über die Aufenthaltsorte und Bewegungen von Polarbären habe einzigartige Möglichkeiten, die Veränderungen des Meereises zu beurteilen und messen, sagt die Tierkuratorin: „Diese Art der Forschung ist entscheidend, um die spezifischen Mechanismen zu verstehen, durch die der Klimawandel die Eisbären trifft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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