Ford: Fitnesskur für die Zukunft

Ford: Fitnesskur für die Zukunft

, aktualisiert 02. November 2017, 13:42 Uhr
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Er sei gern ins Stammland der deutschen Industrie gekommen, sagte er. Es gebe derzeit viel Wandel und neue Herausforderungen in der Branche, und Ford will ganz vorne mitspielen.

von Axel Höpner und Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Der US-Autobauer will seine Gewinne in zukunftsträchtige Technik investieren. Ford-Europa-Chef Steven Armstrong kündigte auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel ein neues Denken bei Ford an.

New York, StuttgartSteven Armstrong hatte die Lacher auf seiner Seite. Der Ford-Europa-Chef lud die Teilnehmer des Auto-Gipfels zu einem Blick in die Zukunft ein. Jeder hatte dazu eine Virtual-Reality-Brille bekommen. Die Szene: Ein Paar in einer Großstadt will eine Pizza essen - doch ihr Mercedes streikt. Nachdem sie Pizza und Bier mit modernster Technik bestellt haben, wird die Lieferung von einem - fahrbereiten - autonomen Elektro-Ford gebracht. Mit einer Drohne schwebt der Karton dann hinauf ins oberste Stockwerk.

Nach Monaten des Schwächelns tritt der US-Traditionshersteller wieder selbstbewusster auf. Anlass dazu geben auch die neuesten Quartalsergebnisse: Der Umsatz stieg um ein Prozent auf 36,5 Milliarden Dollar (31 Milliarden Euro), Analysten hatten nur knapp 33 Milliarden Dollar erwartet. Der Nettogewinn schnellte von einer auf 1,6 Milliarden Dollar hoch. Das ließ die Aktie um ein Prozent steigen. „Unser Augenmerk auf Fitness zeigt erste Früchte“", sagte Vorstandschef Jim Hackett.

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Fitness - das ist das neue Schlagwort bei Ford. Im Frühjahr musste Vorstandschef Mark Fields gehen, weil er zukunftsträchtige Gebiete wie intelligent vernetzte Fahrzeuge, Elektromobilität und autonomes Fahren vernachlässigt hatte. Nachfolger Hackett verkündete vor wenigen Tagen vor Analysten nun das Rezept für mehr Fitness: weniger Kosten, mehr Zukunftsinvestitionen.

Die gleiche Linie vertritt auch Ford-Europa-Chef Armstrong. Er sei gern ins Stammland der deutschen Industrie gekommen, sagte er. Es gebe derzeit viel Wandel und neue Herausforderungen in der Branche, und Ford will ganz vorne mitspielen. „Smart vehicles for a smart world“ wolle man bauen, kündigte Armstrong an: „Intelligente Fahrzeuge für eine intelligente Welt.“

Um den Wandel zu beschleunigen, warf Hackett große Teile des Vorstands raus - zuletzt vor wenigen Tagen Strategiechef John Casesa. Zugleich beförderte er viele Frauen, wie die neue Mobilitätschefin Marcy Klevorn oder Qualitätschefin Linda Cash. „Eine erfreuliche Entwicklung“, sagte Analystin Michelle Krebs vom Branchendienst Autotrader, „zuvor sind nicht viele Frauen in die höheren Etagen von Ford aufgestiegen.“

An den früheren Ford-Chef Fields berichteten 18 Manager. Unter Hackett gibt es nur noch acht sogenannte „direct reports“. Der Leitgedanke: mehr Macht nach unten delegieren. „Die Geschwindigkeit in der Welt und bei unserer Konkurrenz nimmt zu“, sagte Hackett beim Amtsantritt, „wir müssen Entscheidungen schneller fällen.“ Vorbei sei die Zeit des „Befehlens und Gehorchens“: „Wir müssen unseren Mitarbeitern vertrauen.“ Auch Europa-Chef Armstrong ist ein Gewinner der Umwälzung. So verantwortet der frühere Europa-Chef Jim Farley nun die globalen Geschäfte. Armstrong rückte vor wenigen Monaten nach.

Auf Zukunftsthemen setzen Konkurrenten teilweise schon seit längerer Zeit. Man müsse nicht der Erste sein, sagte Armstrong, man könne auch planen, der Beste zu sein. Doch schon 2021 könnten die ersten autonomen Autos von Ford auf den Markt kommen. Es gebe eine Reihe von Pionieren - und Ford sei mit dabei. Der US-Konzern investiere signifikante Summen. Es sei aber vor allem wichtig, klug zu investieren. Der Blick in die Zukunft beim Auto-Gipfel zeigte, dass sich das lohnen kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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