Forderungsmanagement: Schnell zum Cash

Forderungsmanagement: Schnell zum Cash

, aktualisiert 20. Mai 2016, 12:00 Uhr
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Handwerker: Auch Kleinbetriebe verkaufen ihre Forderungen.

Quelle: Hugh Sitton/Corbis

Quelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Mittelständler entdecken Factoring als Finanzierungsalternative zum Bankkredit. Das Geld steht meist einen Tag später zur Verfügung. Factoring-Anbieter aus dem Ausland drängen nun auf den deutschen Markt.

DüsseldorfDeutsche Unternehmen setzen bei ihrer Finanzierung zunehmend auf Factoring. Das geht aus den Branchenzahlen des Deutschen Factoring-Verbandes für 2015 hervor. Demnach stiegen die kumulierten Umsätze aller Verbandsmitglieder gegenüber dem Jahr zuvor um 10,1 Prozent auf 209 Milliarden Euro. Auch die Zahl der Kunden wuchs auf über 20.300 – ein Plus von 7,6 Prozent. Die Mitglieder des Verbandes repräsentieren gemessen am Umsatz über 98 Prozent des verbandlich organisierten Factoring-Marktes in Deutschland.

Als Wachstumstreiber für die Branche gilt der deutsche Mittelstand. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) verkaufen immer häufiger ihre Forderungen an eine darauf spezialisierte Factoring-Gesellschaft, anstatt ihre laufende Kreditlinie in Anspruch zu nehmen, bis der Kunde gezahlt hat. „Factoring wird immer stärker vom Mittelstand genutzt wegen der sofort zur Verfügung stehenden Liquidität. Und es sorgt für eine verlässliche und sichere Finanzplanung“, sagt Alexander M. Moseschus, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbandes. „Mittlerweile befinden sich bereits über 88 Prozent der Factoring-Kunden im Segment bis zehn Millionen Euro Factoring-Umsatz.“

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Dass immer mehr mittelständische Firmen Factoring nutzen, belegen auch Zahlen des BFM Bundesverband Factoring für den Mittelstand, in dem sich 29 Factoring-Gesellschaften zusammengeschlossen haben, die rund 5700 kleine und mittelgroße Unternehmen betreuen. Ihr Ankaufvolumen wuchs 2015 um 8,5 Prozent, nachdem es im Jahr zuvor lediglich um 3,9 Prozent zugelegt hatte.

„Generell haben die Unternehmen das Thema Factoring entdeckt, weil es ein transparentes und leicht zu realisierendes Finanzierungsprodukt ist“, sagt Volker Ernst, Vorstandsvorsitzender des BFM. „Zudem nehmen viele Unternehmen Factoring auch als frische und moderne Finanzierungsform wahr“, ergänzt Joachim Secker, CEO von GE Capital Germany. Anders als bei einem Bankkredit, der mit einem großen Zeitaufwand und vielen Dokumenten beantragt werden muss, ist Factoring dank moderner Informationstechnologie sehr einfach und effizient zu nutzen.


Einfach und effizient

Nach der Rechnungsstellung übermittelt das Unternehmen seine Umsätze an die Factoring-Gesellschaft. Die ermittelt die Finanzierungssumme der Forderungen und stellt das Geld meist 24 Stunden später zur Verfügung. „Meist geht die Auszahlung noch schneller“, so Secker, „zudem kann der Kunde in Echtzeit seine Summen und Umsätze über ein Web-Portal oder sogar per App abrufen, die er über sein Smartphone oder sein iPad bedienen kann.“

Die Factoring-Gesellschaft übernimmt das Inkasso der Rechnungen. Sie übernimmt auch oft das Risiko des Zahlungsausfalls beziehungsweise das Bonitätsrisiko. Auf diese Weise muss das Unternehmen keine eigene Überprüfung der Kreditwürdigkeit seiner Kunden vornehmen. Zudem kann es durch die kurzen Prozesslaufzeiten mit festen Einnahmen planen und so seine Liquidität genau steuern. Gleichzeitig verkürzt sich mit dem Verkauf der Forderung die Bilanz, was zu einer verbesserten Eigenkapitalquote führt. „Durch die Bilanzsummenreduktion ergibt sich eventuell sogar eine Ratingverbesserung“, weiß Joachim Rupp, Referent Unternehmensfinanzierung bei der IHK Ulm. Er prognostiziert vor diesem Hintergrund einen weiteren Aufwärtstrend beim Factoring. „Infolge der Auswirkungen von Basel III auf die Kreditfinanzierung der Banken wird der Nutzen des Factoring als alternative Finanzierungsform steigen.“ Zumal mit den neuen Eigenkapitalregeln und dem Regulierungsdruck die Verwaltungskosten eines Kredites für die Banken stark gestiegen sind.

Teurer als ein Kontokorrentkredit

Viele Institute haben vor diesem Hintergrund gar kein großes Interesse mehr daran, Kreditlinien unter 100.000 Euro bereitzustellen. „Die Finanzkrise hat den Unternehmen außerdem vor Augen geführt, dass es nicht gut ist, im Bereich der Finanzierung zu starke Abhängigkeiten zu kreieren, also auf zu wenige Partner zu setzen“, so Secker. „Dagegen hat sich Factoring durch die Krise hindurch als sehr robustes und berechenbares Finanzierungsinstrument erwiesen.“

Allerdings ist Factoring teurer als ein Kontokorrentkredit. Doch dieser Nachteil schrumpft. Denn in der Branche herrscht starker Wettbewerbsdruck und die niedrigen Zinsen drücken auf die Margen. Davon profitieren die Kunden, weil Preise sinken. „Die Unternehmen bekommen das Produkt Factoring heute sicherlich um etwa die Hälfte günstiger als vor zehn Jahren“, beobachtet BFM-Chef Ernst. „Und dieser Preisdruck wird anhalten, weil immer größere Factoring-Gesellschaften – auch aus dem Ausland – auf den deutschen Markt drängen und die Nutzung des Produktes verbreitern wollen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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