Forschungsstandort Singapur: „Wettbewerb der besten Köpfe“

Forschungsstandort Singapur: „Wettbewerb der besten Köpfe“

, aktualisiert 10. November 2011, 14:04 Uhr
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Der Campus der National University of Singapore.

von Urs WälterlinQuelle:Handelsblatt Online

Klein und ohne natürliche Ressourcen pumpt Singapur viel Geld in Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Eine deutsche Universität ist an vorderster Front dabei im „Wettbewerb der besten Köpfe“.

SingapurEine Stadt wie in einem Science-Fiction-Film: die Häuser im Gebiet „Central Exchange Green“ in Singapur könnten aus der Kulissenwerkstatt eines Hollywood-Streifens stammen, der das Leben in 200 Jahren zeigt. Ultramoderne Architektur, Nachhaltigkeit wo man hinschaut, manikürierte Gärten. Es fehlen nur noch die futuristischen Autos, die lautlos durch die Luft schweben, angetrieben von einer Energieform - natürlich 100 Prozent sauber und erneuerbar - von der man heute noch nicht mal weiß, dass es sie gibt.

Es könnte aber gut sein, dass sie dereinst hier in Singapur entdeckt wird, vielleicht sogar von deutschen Wissenschaftlern. „Wir befinden uns in einem Wettbewerb der besten Köpfe“, sagt Dr. Markus Wächter, Direktor von TUM Asia, dem Singapurer Arm der Technischen Universität München. Die 1868 von König Ludwig II gegründet Eliteuniversität hilft Singapur, die besten Studenten und Akademiker der Welt in den Stadtstaat zu locken. Die von TUM Asia gemeinsam mit National University of Singapore (NUS) und Nanyang Technological University (NTU) geführten Master of Science – Programme sind äußerst beliebt unter Top-Studenten. Wächter: „Im Gegensatz zu reinen Universitätsprogrammen bringen wir Experten von Top-Universitäten aus der ganzen Welt zusammen, um eine Brücke zu bauen zwischen Theorie, Industriekenntnissen und Forschung“.

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Damit seien junge Studierende besser gewappnet „für die Herausforderungen und für technologieorientierte Führungsrollen in einer wettbewerbsgetriebenen globalen Wirtschaft.“ Eine weitere zentrale Aufgabe für TUM Asia ist die Zusammenführung und Koordinierung von Wissenschaftlern aus Deutschland und aus Singapur mit dem Ziel, Wissenschaft und Technologie weiter zu bringen. So arbeiten Experten in einem deutschen Forschungscluster an Projekten, die alle ein Ziel haben: die Mobilität der Menschen der Zukunft zu sichern. Elektromobilität, Netzwerkbatterien, Anwendungen – neue Methoden werden erforscht und entwickelt, alte verbessert. Und das immer in Zusammenarbeit mit der Industrie. Deutsche Unternehmen - etwa BMW - sind an vorderster Front dabei.

Weiteres Standbein

Seit mehreren Jahren ist Singapur bestrebt, sich in Südostasien als internationalen Standort für Forschung und Entwicklung zu etablieren – für Research & Development (R&D). Um die Entwicklung voran zu treiben, rief der Premierminister 2004 ein Komitee ins Leben. Für die Regierung war klar, dass Singapur als Land ohne jegliche natürliche Rohstoffe nebst den bestehenden Industrien wie Logistik und Dienstleistungen ein weiteres Standbein brauchte, das langfristig Arbeitsplätze und Einkommen garantiert. Heute investiert der Stadtstaat 3,0 Prozent des BIP in die Förderung von R&D; 1990 waren es erst 1,9 Prozent. Es ist ein erklärtes Ziel der Regierung, die Forschungsergebnisse zu kommerzialisieren. Markus Wächter: „Singapur will ein ‚Return on Investment‘ für das Geld seiner Steuerzahler“.


Städteentwicklung und Mobilität

Ein wesentlicher Teil der Investitionen geht in den Bereich Städteentwicklung und Mobilität. Singapur ist eine Art „Testplattform“ für eine Vielzahl von Technologien, die zum Ziel haben, die Lebensqualität in Städten zu verbessern und die Mobilität in den Mega-Städten der Zukunft nachhaltig zu garantieren. Das 2010 gegründete Forschungszentrum IUM-Create Centre for Electromobility ist ein wichtiger Puzzlestein in diesem Programm, in dem es technisches Knowhow deutscher Unternehmen und Experten nutzen kann, um Lösungen zur Befriedigung der Bedürfnisse einer urbanisierten Gesellschaft der Zukunft zu finden. Ambitiöse Ziele hat Singapur auch für die Verbesserung der Lebensqualität. So gibt es ein Programm, in der Stadt, in der es chronisch an Platz fehlt, die Zahl „grüner“ Dächer bis 2030 um 50 Hektaren zu erweitern - Parkanlagen auf Hochhäusern sozusagen, grüner Erholungsraum über dem Büro.

Medizin und Pharma

Medizintechnologie und Pharma-Forschung sind weitere R&D-Sektoren, in denen Singapur signifikante Möglichkeiten sieht, sich zu etablieren. Etwa 4.300 Wissenschaftler arbeiten derzeit in 30 spezialisieren Forschungsinstituten. Auch in diesem Sektor spielt die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eine zentrale Rolle. Unternehmen wie Bayer Schering Pharma, Pfizer, GlaxoSmithKline, Roche, Merck und Novartis sind maßgeblich an den Forschungsprojekten beteiligt. Die Stadt hat mit der Anlage Biopolis ein eigenes Forschungs-Cluster für Medizintechnologie geschaffen. 2.000 Forscher, Techniker und Verwalter arbeiten derzeit in der Anlage, die mit den besten verfügbaren technischen Mitteln ausgerüstet ist.

Nachfrage nach Solarenergie

Der Bereich Saubere Technologien steht ebenfalls im Zentrum der Anstrengungen der Singapurer. 680 Millionen Singapur-Dollar will das Land bis 2015 in die Erforschung und die Entwicklung neuer, sauberer Technologien  investieren. Auch in diesem Bereich sind deutsche Unternehmen aktiv, unterstützt von der Deutsch-Singapurischen Handelskammer unter ihrem Chef Dr. Tim Philippi. Ein weiteres Feld sind erneuerbare Energien. Singapur erwartet, dass die Nachfrage nach Solarenergie in den kommenden Jahren deutlich steigen wird. Deshalb hat die Regierung namhafte Unternehmen aus diesem Sektor nach Singapur geholt. Internationale Firmen wie Conergy und Solar World haben ihre regionalen Stützpunkte in Singapur eröffnet. Wie immer will das Land auch hier Maßstäbe setzen: so soll die 10 Quadratkilometer große Insel Pulau Ubin vor der Küste von Singapur komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Gesuchte Absolventen

Für den Wissenschaftler Markus Wächter ist klar, dass Singapur auf dem besten Weg ist, das Ziel zu erreichen, ein R&D – Zentrum der Superlative zu werden. Attraktiv sei die Destination nicht nur für deutsche Studenten, die einen starken globalen Fokus suchen. 80 Prozent der Studierenden an seinem Institut kommen aus dem benachbarten China und Indien. Und sie sind gefragt: „Firmen rekrutieren unsere Absolventen noch von der Uni weg. Sie sind besonders beliebt, weil sie im Durchschnitt zwischen 5 und 6 Jahre an derselben Arbeitsstelle bleiben“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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