Franken-Schock-Jubiläum: Die Währungsspekulanten zocken weiter

Franken-Schock-Jubiläum: Die Währungsspekulanten zocken weiter

, aktualisiert 15. Januar 2016, 11:48 Uhr
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Schweizer Franken: Als die Notenbank die Kursgrenze zum Euro aufhob, bescherte das Hobbytradern empfindliche Verluste.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Vor einem Jahr hob die Schweiz die Kursgrenze zum Euro auf. Das Beben an den Finanzmärkten bescherte auch Hobby-Händlern empfindliche Verluste. Doch das Geschäft mit den riskanten Finanzwetten boomt noch immer.

FrankfurtDie Worte wirkten wie Sprengstoff. „Die Schweizerische Nationalbank hebt den Mindestkurs von 1,20 Franken pro Euro auf“ teilte die Notenbank am 15. Januar lapidar mit. Die Nachrichten aus Zürich löste an den Finanzmärkten ein Beben aus: Der Franken-Kurs, der sich jahrelang kaum vom Fleck bewegt hatte, legte auf einmal um bis zu 40 Prozent zu. Die Kurse am Schweizer Aktienmarkt gaben drastisch nach.

Nicht nur Anlagestrategen wurden auf dem falschen Fuß erwischt, sondern auch zahlreiche Privatanleger. Die Hobby-Spekulanten hatten mit so genannten Differenzkontrakten (CFD) auf den Franken spekuliert. Ein Jahr nach dem Franken-Schock konnten sich viele Anleger mit den Anbietern der Finanzprodukte einigen; sie mussten nur einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen. Doch manche Hobbytrader geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen überhaupt nicht zahlen.

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Differenzkontrakte sind gehebelte Finanzprodukte, die mit kleinem Einsatz große Summen bewegen. Mit ihnen hatten Anleger auf kleinste Veränderungen des Frankenkurses spekuliert. So stand ein Ingenieur, über dessen Fall auch das Handelsblatt berichtete, schlagartig mit fast 300.000 Euro bei seinem Broker IG in der Kreide. Er hat noch immer nicht gezahlt.

Der junge Mann hatte zwar eine Kursgrenze, genannt Stop-Loss-Order, eingezogen. Doch die Sicherung griff nicht, denn der Verkauf zum Stoppkurs wird nicht garantiert. Bei IG hieß es, die Liquidität im Markt sei bei Aufgabe der Franken-Schwelle „weitestgehend ausgetrocknet“, es habe also niemand Franken verkaufen wollen.

Man habe den nächsten verfügbaren Kurs von 0,9250 Euro zum Franken gehandelt und an die Kunden weitergegeben. Der Kunde sieht das anders: Er glaubt, dass sehr wohl Kurse am Devisenmarkt gestellt worden seien.


Das Geschäft der CFD-Broker boomt

Der Privatanleger sieht sich durch eine Entscheidung des britischen Ombudsmanns für Finanzdienstleistungen bestärkt. Mehrere IG-Kunden hatten sich an die unabhängigen Beschwerdestelle gewandt.

Der Ombudsmann entschied im Fall eines CFD-Nutzers, dass IG zwar grundsätzlich fair gehandelt habe, den Kurs aber anpassen sollte. Die Entscheidung sei zwar unverbindlich, man habe den neuen Kurs aber freiwillig an alle betroffenen Kunden weitergegeben, hieß es bei der deutschen Niederlassung des Brokers.

Durch den Franken-Schock gerieten nicht nur viele Anleger, sondern auch manche CFD-Anbieter selbst in Schieflage. Der Forex-Broker Alpari beantragte die Insolvenz; der Konkurrent FXCM hatte einen 300 Millionen US-Dollar schweren Rettungskredit ziehen müssen.

Obwohl die Franken-Turbulenzen der Branche viele Negativschlagzeilen einbrachten, konnten die Anbieter im vergangenen Jahr dennoch zahlreiche neue Kunden anwerben - auch hierzulande. Im dritten Quartal 2015 zählte eine Studie rund 142 000 CFD-Konten in Deutschland – und damit knapp 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Geschäft für die Anbieter lief auch wegen der stark schwankenden Kurse blendend. Allein im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres machte die britische IG-Gruppe rund 106 Millionen Pfund (140 Mio. Euro) Umsatz – und damit 24 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch beim Konkurrenten CMC Markets brummt das Geschäft. Das Unternehmen kündigte kürzlich einen Börsengang an. Dort will CMC im bis zu 200 Millionen Pfund (266 Millionen Euro) einsammeln. Gemessen am Preis der Aktien wird der Broker mit rund 700 Millionen Pfund (930 Millionen Euro) bewertet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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