Frankfurt im Fintech-Fieber: „Die Anpassungsfähigsten werden überleben“

Frankfurt im Fintech-Fieber: „Die Anpassungsfähigsten werden überleben“

, aktualisiert 12. Mai 2016, 18:56 Uhr
Bild vergrößern

Am Donnerstag traf sich die Branche beim „Frankfurt Finance Summit“.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Beim Branchentreff „Frankfurt Finance Summit“ zählten Finanztechnologie-Firmen und Blockchain am Donnerstag zu den wichtigsten Themen. Neuigkeiten gab es auch zum Start des Fintech-Zentrums in der Mainmetropole.

FrankfurtJetzt soll alles ganz schnell gehen. In vier Monaten soll das Frankfurter Fintech-Zentrum eröffnet werden, das kündigte am Donnerstag der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf der Konferenz „Frankfurt Finance Summit“ an. Der genaue Standort steht noch nicht fest. Zwei Immobilien seien derzeit in der engeren Auswahl und Ende Juni solle der Mietvertrag unterschrieben werden, so der Minister.

Den Anstoß für dieses Zentrum hatte die hessische Landesregierung im vergangenen Dezember mit einer Ausschreibung gegeben. Darin rief sie Interessierte dazu auf, Konzepte für ein Fintech-Zentrum in Frankfurt einzureichen, um die Stadt, wie es hieß, „als innovativen Standort für IT-getriebene Start-ups im Finanzsektor zu positionieren“.

Anzeige

„In Frankfurt hatten wir das Aufkommen der Fintechs schon ein bisschen verschlafen, aber jetzt sind wir mit voller Kraft dabei“, sagte Lutz Raettig, Präsidiumssprecher der Finanzplatz-Initiative Frankfurt Main Finance am Donnerstag. „Das Fintech-Zentrum wird die Kommunikation zwischen Start-ups, Banken und den Regulierern weiter verbessern.“ Gemeinsam mit der hessischen Landesregierung will die Initiative das Zentrum zum Laufen bringen, es jedoch nicht dauerhaft leiten. „Unser Ziel ist es, Kontakte herzustellen, Investoren anzuwerben und zwischen verschiedenen Interessen zu vermitteln“, so Raettig.

Ähnliches machen bereits die Deutsche Börse mit einem eigenen Fintech-Hub und die Commerzbank mit dem Mainincubator. Kürzlich hat zudem die Deutsche Bank ihre sogenannte Digitalfabrik vorgestellt, in der 400 IT- und Bankexperten zusammenkommen, um an neuen Produkten und Dienstleistungen zu arbeiten und es Platz für für externe Fintech-Kooperationspartner gibt. Zusätzlich betreiben einige Banken Innovation Labs, in denen sie selbst an neuen Technologien arbeiten.

Finanztechnologie-Start-ups haben sich in den vergangenen Jahren zum festen Bestandteil der Finanzbranche entwickelt. Viele sehen sich als Angreifer auf die etablierten Institute, werben mit einem besseren Kundenservice und vereinfachten Prozessen wie schneller Kreditvergabe, einfachen Bezahlmethoden oder automatisierter Vermögensverwaltung.

Weniger sichtbar für den Bankkunden sind dagegen sie kooperativen Fintechs, die dafür sorgen, dass die Kommunikation zwischen der Bank und ihren Kunden einfacher wird – etwa durch Online-Identifikationsverfahren, vereinfachte Überweisung oder indem sie es ermöglichen, das der Kunde mit nur einer Smartphone-App auf alle seiner persönlichen Konten zugreifen kann.


Blockchain könnte für Banken gefährlich werden

„Fintechs werden Banken nicht vernichten, aber sie werden ihre Erscheinungsform verändern“, sagte auch Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, während des Summits in Frankfurt. Aufgabe der Regulierer sei es, sie nicht zu hindern, sondern Raum für Innovationen zu schaffen. „Die Zeit ist reif für einen offenen Dialog über digitale Transformation“, so der Politiker. Zu diesem Punkt hat André Bajorat, Chef des Fintechs Figo, bereits ein wachsendes Verständnis beobachtet – auf beiden Seiten: „Vor drei Jahren wussten viele Fintechs nichts über Regulierung, das ist heute anders. Aber auch die Bafin hat inzwischen mehr Verständnis für die Branche.“

Das Aufkommen der Fintechs wird häufig mit dem Entstehen der Direktbanken in den 1990er Jahren verglichen. Damals hatten viele Geldinstitute nur zögerlich auf die neue Konkurrenz reagiert. Heute zeigt sich die Branche in Bezug auf die neuen Technologieanbieter offener. „Banken nutzen den Service von Fintechs und so bekommt der Kunde das Beste aus beiden Welten“, sagte Gottfried Leibbrandt, Chef von Swift. Über das Netzwerk der Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication (Swift) werden grenzüberschreitende Überweisungen abgewickelt.

Noch größere Veränderungen könnten sich für die Branche aber durch die Blockchain-Technologie ergeben, auf der Digitalwährung Bitcoin basiert. Bafin-Chef Felix Hufeld beschrieb den Handlungsbedarf für traditionelle Banken während der Konferenz etwa so: „Sie müssen etwas tun, sonst stecken sie tief im Schlamassel.“ Einen möglichen Anwendungsbereich nannte Leibbrandt: Aktien könnten mittels der Blockchain-Technologie zugeteilt werden, was Broker überflüssig machen würde. „Blockchain kann Banken effizienter machen, aber es kann sie auch disruptieren“, sagt er.

Um die Zukunftsaussichten der traditionellen Banken angesichts der Fintech-Konkurrenz und der Blockchain-Technologie zusammenzufassen bemühte Deutsche Börse-Vorstand Hauke Stars die Lehre von Charles Darwin: „Nicht die Intelligentesten oder Stärksten werden überleben, sondern die Anpassungsfähigsten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%