Frankreich verkauft Engie-Aktien: Macron läutet den Ausverkauf ein

Frankreich verkauft Engie-Aktien: Macron läutet den Ausverkauf ein

, aktualisiert 06. September 2017, 12:32 Uhr
von Tanja KuchenbeckerQuelle:Handelsblatt Online

Frankreichs Präsident Macron lässt seiner Ankündigung Taten folgen: Seine Regierung beginnt mit dem Abverkauf von Staatsbeteiligungen und schlägt Aktien des Energieversorgers Engie los. Weitere Anteile sollen folgen.

ParisVorgewarnt hatte Finanzminister Bruno Le Maire schon im Juli: Staatsanteile an französischen Unternehmen sollen abgestoßen werden. Nun beginnt der Ausverkauf. Es wurden 4,5 Prozent der Anteile des Versorgers Engie verkauft, was rund 1,53 Milliarden Euro entspricht. Insgesamt sollen zehn Milliarden zusammenkommen, die in einen Fonds für Innovationsprojekte fließen. Le Maire betonte Engie sei „die erste Etappe“. Namen der anderen Unternehmen, in denen der Staat abspecken will, wurden bisher nicht genannt.

Präsident Emmanuel Macron löst damit ein Wahlversprechen ein, Minderheitsanteile an Unternehmen zu veräußern. Gefördert werden sollen damit Industrie- und Forschungsprojekte. Es sei eine Investition in die Zukunft, versprach er.

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Der Verkauf der Staatsbeteiligungen ist ein zaghafter Anfang, um Geld für Investitionen einzunehmen. Aber immerhin der Beginn eines Umdenkens in Frankreich, weg vom Vater Staat als allmächtigem Versorger, hin zu mehr Privatinitiative. Bisher wurde Wirtschaftsprotektionismus in Frankreich groß geschrieben.

Analysten hatten schon das Energie-Unternehmen mit den 155.000 Mitarbeitern an erster Stelle der Verkaufsliste gesehen. Der Anteil an Engie, entstanden 2008 aus einer Fusion von Gaz de France und Suez, ist auf 24,1 Prozent zusammengeschrumpft. Der Staat hat allerdings immer noch 27,6 Prozent Stimmrechte, also mehr als ein Viertel.

Der Börsenwert von Engie beträgt 34 Milliarden Euro, innerhalb eines Jahres ist der Wert um 4,88 Prozent gefallen. Die Börse reagierte eher positiv auf den Verkauf des Staates, die Engie-Aktie stieg am Mittwoch zeitweilig um fast ein Prozent, was darauf hinweist, dass die Anleger nicht verunsichert wurden, wie es sonst oft bei Staatsverkäufen der Fall ist. Bei Engie hatte man schon damit gerechnet, der Verkauf wurde nicht besorgt aufgenommen.

Recht schnell könnten weitere Verkäufe folgen. Spekuliert wird darüber, dass Aktien von Renault mit einem Staatsanteil von 19,74 Prozent, Air France –KLM (17,58 Prozent), Flughafenbetreiber ADP (50,63 Prozent) und Telekom-Konzern Orange (13,45 Prozent) als nächstes an der Reihe sein könnten. Premierminister Edouard Philippe kündigte an: „Die Verkäufe werden zu Bedingungen stattfinden, die für den Staat am interessantesten sind.“ Insofern ist es auch schwierig eine Verkaufsliste vorher festzulegen.

Der französische Staat hält über die staatliche Behörde Agence des Participations de l´Etat Anlagen im Wert von rund 90 Milliarden Euro an 81 Unternehmen, davon börsennotiert an zwölf Unternehmen rund 65 Milliarden Euro. Innerhalb eines Jahres ist der Gesamtwert der börsennotierten Anlagen um rund zehn Prozent gestiegen.

Der Staat engagiert sich in den Bereichen Transport, Energie, Service und Finanzen, sowie Industrie. Frankreich hat unter anderem auch noch Anteile an Airbus, dem Atomkonzern Areva, am Versorger EDF, am Technologie-Konzern Safran, dem Sicherheitsspezialisten Thales und am Bergbau-Unternehmen Eramet.

Durch den Verkauf kommt Geld in die leere Staatskasse, auch Macrons Vorgänger François Hollande hatte diese Quelle angezapft. Der schwerfällige französische Staatsapparat mit einer Staatsquote von fast 57 Prozent soll unter Macron zurückgefahren werden, um das Defizit zu reduzieren. Doch das braucht Zeit. Zehn Milliarden, die wieder neu in Zukunftsprojekte investiert werden, sind ein zaghafter Anfang.

Von linken Politikern gibt es an diesen als „Ausverkauf“ bezeichneten Staatsverkäufen immer wieder Kritik. Die Kritik hielt sich aber in Grenzen, weil das Projekt nicht nur ein Wahlversprechen war, sondern auch seit zwei Monaten offen darüber kommuniziert wird, dass Verkäufe geplant sind. Das Prinzip wird ohnehin seit Jahrzehnten angewandt, wenn die Schulden zu sehr drücken. Da es sich um Minderheitsbeteiligungen handelt, ändert sich der strategische Ansatz im Bezug auf die Unternehmen nicht wesentlich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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