Frankreich-Wahl: Macron und Le Pen – überraschend im Nahkampf

Frankreich-Wahl: Macron und Le Pen – überraschend im Nahkampf

, aktualisiert 26. April 2017, 17:04 Uhr
Bild vergrößern

Aufgebracht ist die Stimmung unter den Mitarbeitern des Whirlpool-Werks, als Emmanuel Macron bei ihnen eintrifft.

von Thomas HankeQuelle:Handelsblatt Online

Während Macron mit von Entlassung bedrohten Arbeitnehmern eines Whirlpool-Werks in Amiens verhandelt, fährt Le Pen vor das Werkstor. Plötzlich stehen 290 Mitarbeiter im Mittelpunkt des Wahlkampfs. Ein Stimmungsbericht.

Der Frankreich-Wahlkampf zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron ist zur direkten Auseinandersetzung am selben Ort geworden: Macron war am Mittwoch in seine Heimatstadt Amiens gekommen, um mit den Vertretern der von Entlassung bedrohten Arbeitnehmern eines Whirlpool-Werks zu verhandelnd. Noch während er die Gespräche führte, fuhr kurzerhand Le Pen vor das Werkstor. Während eines kurzen Auftritts vor laufenden Kameras versprach die rechtsextreme Kandidatin: „Falls ich gewählt werde, wird das Werk nicht geschlossen.“ Macron kam später auch zu den Streikenden, wurde ausgebuht, schaffte aber dann doch noch eine vergleichsweise ruhige Diskussion mit einigen von ihnen – umringt von einer Traube von Kameras.

Der Wahlkampf erfährt nun elf Tage vor der Stichwahl am 7.Mai eine seltsame Wendung: Plötzlich steht das Schicksal eines lediglich 290 Arbeitnehmer betreffenden Werks im Mittelpunkt der Kampagne. Le Pen nutzt den Streit für ihre Botschaft: Macron sei der Kandidat der reichen Globalisierer, der hinter verschlossenen Türen Gespräche führe, während sie an der Seite der Arbeiter stehe.

Anzeige

Nach seinen Verhandlungen mit den Gewerkschaften trat Macron zunächst vor die Presse und sagte, er würde sich für „eine faire Übernahme des Werkes durch einen anderen Investor und für echte Verhandlungen zwischen der Unternehmensleitung von Whirlpool und den Arbeitnehmern“ einsetzen. Die Resultate des Werkes rechtfertigten keine Schließung. Er werde sich für eine Übernahme durch einen seriösen Investor einsetzen.

Nach der Wahl in Frankreich Macron muss um Unterstützung bangen

Die Wahl von Emmanuel Macron zum neuen französischen Präsidenten erscheint vor allem im Ausland als Formalie. Doch zu Hause muss er kämpfen. Viele Franzosen wollen bei der Stichwahl einen leeren Wahlzettel abgeben.

Frankreich-Wahl: Macron oder Le Pen. Quelle: dpa Picture-Alliance

Dann sprach er sogar eine direkte Warnung oder auch Drohung an die Adresse des Unternehmens aus: „Wenn die Firma eine Lösung verweigert, wird das Image von Whirlpool in Frankreich Schaden nehmen und man wird sie nicht mehr wie einen guten Bürger behandeln können, sollte ich Präsident werden, werde ich diese Konsequenzen dann unterstützen.“ Das Management verweigere jeden Dialog, die Arbeitnehmer hätten sich sehr verantwortungsvoll verhalten und Opfer gebracht.

Die Gewerkschaften sind sich untereinander nicht eins, was die Bewertung des Auftritts von Macron und Le Pen angeht. Cécile Delpirou von der gemäßigten CFE/CGC wertet die Zusagen von Macron als ein Hoffnungszeichen, Le Pen dagegen habe lediglich eine Show für ihre Kampagne abgezogen. Patrice Sinoquet von der linken Gewerkschaft CGT dagegen negativer: „Wir haben keine Garantie, nur Zusagen von Macron.“ Beiden gehe es vor allem darum, die Wahl zu gewinnen.

Die Diskussion mit den Vertretern der Streikenden Arbeitnehmer des Whirlpool-Werkes kann für den sozialliberalen Kandidaten entscheidenden Einfluss auf seinen Wahlkampf haben. Nichtstun würde ihm als Kaltherzigkeit und Arroganz ausgelegt; doch eine zu intensive Beschäftigung mit dem Werk würde die Frage aufwerfen, warum er in den alten Fehler der Politiker verfällt, Einzelfälle zu nationalen Angelegenheiten hochzuschaukeln.

Le Pen versucht seit der Vorwahl vom vergangenen Sonntag, Macron als den Vertreter der reichen Eliten zu diskreditieren. Vor zwei Wochen hatte ihn ein Mitglied der linksextremen Bewegung „Die Aufsässigen“ im französischen Fernsehen herausgefordert. „Herr Macron, warum kommen sie nicht nach Amiens, in ihre Heimat, um den Arbeitern von Whirlpool Werkes Rede und Antwort zu stehen?“ Damals antwortet Macron noch, er werde sich nicht „auf einen Lastwagen stellen und Zusagen machen, die sich nicht einhalten lassen.“ Nun hat er sich umentschieden – vielleicht auch wegen der Vorwürfe, er habe am Sonntagabend in einem Restaurant bereits seien Sieg gefeiert und lasse den Wahlkampf schleifen.

Um jedes Risiko ungünstiger Bilder von wütenden Arbeitern auszuschließen, traf er sich mit den Gewerkschaftern aber in der Handelskammer von Amiens und nicht im Werk. Vor dem großen Gittertor stand massives Polizeiaufgebot, aber kein einziger Gewerkschafter war zu sehen.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%