FTI-Gründer Dietmar Gunz: „Ein gewisses Restrisiko bleibt“

FTI-Gründer Dietmar Gunz: „Ein gewisses Restrisiko bleibt“

, aktualisiert 04. März 2016, 09:27 Uhr
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Kamele ruhen sich vor den Pyramiden von Gizeh aus: Weniger deutsche Touristen reisen nach Ägypten.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Terroranschläge in Ägypten, strandende Flüchtlinge auf den Ägais-Inseln schlagen sich in den Reisebuchungen nieder. Dieter Gunz, Gründer des Reiseveranstalters FTI, spricht im Interview über Urlaub nach Gefahrenlage.

Nicht erst seit dem Minderheitseinstieg des ägyptischen Hotelinvestors Samih Sawiris setzt FTI-Gründer Dietmar Gunz auf das Reiseland am Nil. Nun zwingt die dortige Krise Deutschlands viertgrößten Reiseveranstalter (2,15 Milliarden Euro Umsatz), woanders zusätzliche Hotelbetten zu finden.

Herr Gunz, FTI fliegt seit vier Monaten keine Urlauber mehr nach Scharm El-Scheich, obwohl Sie dort große Hotels im Angebot haben. Wie trifft Sie der Geschäftsausfall?
Scharm El-Scheich hat bei FTI einen Anteil von rund fünf Prozent des Gästeaufkommens im Land am Roten Meer. Unsere Hauptdestinationen sind Hurghada, Marsa Alam und Luxor. Sie fliegen wir auch weiterhin an.

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Ein Grund für den Flugstopp ist die Anweisung der Bundesregierung, in den Maschinen keine Koffer mehr zu transportieren. War die Maßnahme angemessen?
Die Anweisung, in den Maschinen keine Koffer mehr zu transportieren, war operativ nicht machbar. An den anderen ägyptischen Airports wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wie beispielsweise eine Gepäckidentifikation vorm Verladen ins Flugzeug. Das wäre auch in Scharm El-Scheich wünschenswerter gewesen.

Derzeit gibt es die Fünf-Tage-Nilkreuzfahrt plus eine Woche Hurghada-Badeurlaub für 399 Euro. Können Reiseveranstalter damit noch überleben?
Es geht bei diesen Aktionen vorrangig um den Abverkauf beschränkter Kontingente. Zudem sind das aber auch Maßnahmen, um neue Gäste auf Ägypten aufmerksam zu machen und Mitarbeiter vor Ort weiter zu beschäftigen. Wirklich ertragreich ist das für einen Reiseveranstalter jedoch weniger.

Bei Ihrem Wettbewerber Tui sind auch die Türkei-Buchungen um 40 Prozent eingebrochen. Geht es Ihnen dort besser?
Diesen Trend können wir nicht bestätigen. In der Türkei liegen wir knapp auf Vorjahresniveau und erwarten ein starkes Kurzfristjahr.

Auf Lesbos sollen 90 Prozent weniger Reisen verkauft worden sein, in Samos ging es um 40 Prozent zurück. Gerät jetzt auch Griechenland in den Abwärtsstrudel?
Neben Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wird Griechenland der große Gewinner im Jahr 2016 sein. Das griechische Festland sowie Inseln wie Kreta, Korfu und Rhodos verkaufen sich derzeit sehr gut. Lesbos und Samos sind Nischenmärkte.

Gibt es bei Reiseveranstaltern genügend Kapazitäten in Spanien oder am Persischen Golf, um Urlaubern Alternativen anzubieten?
In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es ausreichend Kapazitäten, die als Alternative dienen. In Spanien gibt es diese definitiv nicht. Wer dort diesen Sommer Urlaub machen will, muss schnell buchen.

Wie wirkt sich das auf die Reisepreise aus?
Im Schnitt sind die Preise gleichbleibend. In Spanien sind sehr hohe Preissteigerungen zu erwarten, Griechenland bleibt stabil, und Ägypten sowie die Türkei sind preislich so attraktiv wie nie. Grund hierfür ist unter anderem das Ausbleiben der russischen Gäste und somit zusätzlich freie Betten.

Werden die durch Terrorismus verursachten Krisen die Reisebranche insgesamt verändern?
Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Reisebranche stark verändern wird. Die Mobilität steigt, das Fliegen ist günstiger als je zuvor und für jeden möglich, und zudem wächst das Angebot. Der Kunde weiß, dass ein gewisses Restrisiko nicht regional oder geografisch eingrenzbar und ausschließbar ist. Darüber hinaus sind – wegen der hohen sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmaßnahmen – die vermeintlich unsicheren Reisegebiete derzeit wohl eher die sichersten.

Herr Gunz, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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