Digitalisierung: Vergessen Sie Ihre Mitarbeiter nicht!

GastbeitragDigitalisierung: Vergessen Sie Ihre Mitarbeiter nicht!

Wenn Unternehmen durch die Digitalisierung unter Druck geraten, sind oft radikale Schritte vonnöten. So gelingen sie.

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Multiaufsichtsrätin und Innogy-Managerin Martina Sanfleber.

Bei Innogy haben wir vor etwa drei Jahren ein internes Forschungslabor gegründet: Rund 100 Spezialisten in Essen, Berlin, London, Tel Aviv und dem Silicon Valley ergründen in eigenen Start-ups seither Geschäftsfelder der Zukunft für uns. Bislang steht diesem Hub ein jährliches Budget von etwa 100 Millionen Euro zur Verfügung, von 2020 an soll er sich aus eigenen Mitteln finanzieren. Das Interesse an der Innovation ist aber nicht rein finanziell. Vielmehr suchen wir nach Beteiligungen, von denen der Konzern auch etwas lernen kann, von dem wir bisher alle nichts wussten. Denn unsere Branche steht vor dem radikalsten Umbruch, den sie je erlebt hat.

Die Energiewende in Deutschland und die Digitalisierung haben Unternehmen wie Innogy vor Fragen und Herausforderungen gestellt, die wir so bislang nicht kannten: Bewährte Geschäftsmodelle funktionieren plötzlich nicht mehr. RWE und Innogy haben sich daraufhin aufgespalten: Die konventionelle Stromerzeugung und der Energiehandel verblieben bei der RWE, die Geschäftsfelder Netz & Infrastruktur, Vertrieb und Erneuerbare Energie wurden in der neu gegründeten Tochtergesellschaft Innogy ausgegründet.

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Wie finden wir jetzt Antworten auf die Frage nach den Geschäftsfeldern der Zukunft? Indem wir ständig ausprobieren. Es ist dabei ein bisschen wie mit einer Pralinenschachtel: Manche Köstlichkeiten darin schmecken, andere nicht. Das Testen lohnt sich: Ucair, eine Beteiligung, ist die weltweit erste Plattform für Drohneninspektionen aller Art und bringt professionelle Drohnenpiloten mit Betreibern von Fotovoltaikanlagen zusammen. Kiwigrid wiederum betreibt Europas führende Plattform für intelligentes Energiemanagement.

Digital or dead: So überleben Sie die digitale Zukunft

  • Digitalisierung muss oberste Priorität haben

    Die Digitalisierung wird mittelfristig das Kerngeschäft der meisten Unternehmen beeinflussen. Führungskräfte müssen analysieren (lassen), wie sich die Spielregeln für ihre Branche verändern und die einzelnen Herausforderungen zu ihrer persönlichen Agenda machen.

     

    Quelle: Digital or dead von Serhan Ili und Ulrich Lichtenthaler

  • Finden Sie die Mitte zwischen Effizienz und Innovation

    Viele Firmen konzentrieren sich darauf, vor allem die Effizienz ihrer Produktion durch neue Technologien zu stärken. Wer sich aber ausschließlich auf technologiegetriebene Effizienzsteigerung konzentriert, verschenkt in Zukunft Wachstumschancen. Denn diese entstehen durch digitale und analoge Innovationen.

  • Probieren Sie verschiedene Apps aus

    Führungskräfte müssen besonders vielversprechende digitale Lösungen für ihr Unternehmen identifizieren. Wenn sie ein oder mehrere Tools in der engeren Auswahl haben, sollten sie das Ausprobieren der Software im Unternehmen fördern.

  • Entwickeln Sie eine langfristige Lösung

    Neben dem kurzfristigen Ausprobieren müssen Unternehmen auch langfristig für ihre IT-Zukunft planen. Schließlich sollen die neuen Softwarelösungen, die zum Geschäftsmodell passen, auch in die bestehende Unternehmens-IT integriert werden.

  • Entwerfen Sie ein passendes Geschäftsmodell

    Der Ausgangspunkt der Digitalisierungsinitiative sollte keinesfalls die IT sein. Vielmehr sollten die damit befassten Entscheider zunächst ein klares Bild davon haben, welchen Nutzen die Digitalisierung dem Unternehmen bringen sollte. Auf dieser Grundlage sollte alsdann zunächst ein passendes Geschäftsmodell für die digitalen Aktivitäten entwickelt werden, bevor dieses dann innerhalb der IT tatsächlich umgesetzt wird.

  • Bedenken Sie mögliche Gefahren durch IT-Dienstleister

    Eine zentrale Gefahr für Industrieunternehmen ist das Auftreten neuer Komplettlösungsanbieter wie Uber, die direkt an der Schnittstelle zum Kunden arbeiten und diese besetzen. Umgehen kann man diese Gefahr mit der Entscheidung für eine interne Digitalisierungslösung.

  • Statten Sie den Chief Digital Officer mit mehr Macht aus

    Eine Stelle wie die des CDO zu schaffen, der die Digitalisierungsbemühungen koordiniert, ist sehr hilfreich. Der Chief Digital Officer braucht aber auch genügend Macht und Einfluss innerhalb des Unternehmens. Wenn sein Posten nur eine Alibifunktion innehat, nützt das wenig.

  • Begreifen Sie die Digitalisierung an Chance

    Über die koordinierende Funktion des Chief Digital Officers hinaus beinhaltet die Digitalisierung eines Unternehmens üblicherweise weitere, größere Veränderungen, die ein gewisses Maß an Beteiligung des ganzen Unternehmens erfordert. Die Unternehmenslenker müssen eine überzeugende Digitalisierungsgeschichte entwickeln, um die Einsatzbereitschaft aller Beteiligten sicherzustellen.

  • Verankern Sie bewegliche Innovationsprozesse im Unternehmen

    Unternehmen müssen bewegliche und flexible Innovationsprozesse anstoßen und weiterentwickeln - zumindest als Ergänzung für traditionellere, systematische Prozesse. Darüber hinaus ist es unabdingbar, ganze Produktlösungen innerhalb des geschäftlichen Umfelds zu optimieren, anstatt nur einzelne Produktspezifika zu verändern.

  • Nutzen Sie externe Innovationskatalysatoren

    Digitalisierung erfordert neue Kompetenzen und beinhaltet oft die Veränderung bekannter und bewährter Geschäftsmodelle. Daraus folgt, dass Unternehmen offen für Hilfe von außen, nämlich von Digitalisierungsexperten, sein sollten, um den größtmöglichen Nutzen aus Innovation und den dazugehörigen Kompetenzen ziehen zu können.

Digitalisierung und das Erfinden neuer Geschäftsmodelle können aber nur über einen umfassenden Kulturwandel funktionieren. Die größte Herausforderung deshalb ist, dass sich auch die Mitarbeiter von Innogy selbst ändern und dabei anders zu arbeiten verstehen. Dieser Wandel ist komplex und benötigt besonders viel Energie. Denn es geht darum, alte Denkmuster aufzubrechen.

Schnelle Prototypen helfen uns jetzt, statt lange zu planen, schnell neue Geschäftsmodelle auszutesten. Mitarbeiter gründen dafür sogar Unternehmen, die von Innogy unterstützt werden, um digitale Themen weiterzuentwickeln und als konkrete Produkte auf die Straße zu bringen. Und wir haben uns auch um die vermeintlich kleinen Dinge gekümmert: Ein neues Führungskräftetraining unterscheidet sich grundlegend von der jahrzehntelangen Ausbildungspraxis. Dort wird nicht nur Führungstheorie gelehrt, es geht auch um Aspekte wie „Mindfulness“. Und um gesunde Ernährung. Es mag banal klingen: Aber jeder weiß jetzt bei Innogy, dass Nüsse und Bitterschokolade mehr Energie geben als Chips.

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