Italiens Vorzeigebranchen im Umbruch

Italien im Umbruch: Die Digitalisierung des Luxus

von Sven Prange

Trotz aller Krisen gibt es zwei Branchen, in denen Italien weltweit führend ist: Luxus und Lebensmittel. Beide Branchen waren bisher von der Digitalisierung nicht berührt - doch das ändert sich gerade.

Bild vergrößern

Made in (Dig)Italien.

Die Mode-Gruppe Musetti ist so ein Unternehmen, deren Existenz in Italien man gerne vergisst, und die dennoch sehr prägend für den Norden des Landes sind. Ein Familienunternehmen, 1959 hervorgegangen aus der Tradition des italienischen Mode-Handwerks, das heute Reminiszenzen daran nimmt, aber straff durchindustrialisiert die Welt aus Parma mit Mode beliefert. Eine Erfolgsgeschichte. 40 Mitarbeiter arbeiten am Unternehmenssitz.

Alles könnte so schön sein, wenn sich in der Modewelt nicht einiges ändern würde in diesen Zeiten. Die Digitalisierung wirft auch diese italienische Vorzeigebranche mächtig durcheinander. Und das wird für Unternehmen wie Musetti zur Herausforderung. „Italien“, sagt Musetti-Chef Fabio Pietrella, „liegt in Sachen Digitalisierung auf Platz 25 von 28 EU-Staaten. „Aber im vergangenen Jahr hat Italien immerhin kleine Fortschritte in diesem Bereich gemacht.“

Anzeige

Nun ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone tatsächliche schlecht beleumundet in diesen Zeiten. Die Politik hat sich in Chaos aufgelöst, man liefert sich einen Haushaltsstreit mit der EU-Kommission in Brüssel – und doch dürfte Unternehmern wie dem Musetti-Chef der Optimismus nicht ausgehen.

PremiumDynastien Alter Wein und neue Bräuche

Nirgends wurde die Kunst, Unternehmen über Jahrhunderte zu führen, so perfektioniert wie in Florenz. Antinori etwa stellt seit 1385 Wein her. Und gehört zu den besten Produzenten der Welt. Wie geht das?

Dynamische Dynastie: Mit einem Neubau im Chianti zeigt Antinori Zukunftswille. Quelle: Dario Garofalo für WirtschaftsWoche

Denn jenseits von verschleppten Reformen, gelähmter Bürokratie und überzogenem Staatshaushalt tut sich etwas in Italien: Nicht nur, dass das Wirtschaftswachstum seit einigen Monaten kräftiger anzieht, als in Nordeuropa den Italienern lange zugetraut wurde. Es bilden sich auch drei Branchen heraus, mit denen Italien in der Weltspitze steht: Tourismus, Mode und Ernährung. Venedig und Rom, Gucci und Prada, Prosecco und Parmesan – das sind Worte, die in aller Welt Begeisterung auslösen.

Es sind drei Branchen, die von der Digitalisierung derzeit mehr als andere herausgefordert werden. Und es scheint, als seien Italiens Muster-Branchen wild entschlossen, diese Herausforderung anzunehmen. Derzeit bildet sich eine schlagkräftige Allianz aus Unternehmern, Gründern und Politik, die das italienische Lifestyle-Wunder im digitalen Jahrhundert fortschreiben möchte. Und die Chancen stehen nicht schlecht. Italien will die Chance nun nutzen, seine Vorzeige-Branchen mit vereinten Kräften digitalisieren - und damit auch einen ganz eigenen Weg finden, Tradition und Industrie 4.0 zu vereinen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%