KI-Zentrum Kaiserslautern: Im Trainingscamp für Roboter

KI-Zentrum Kaiserslautern: Im Trainingscamp für Roboter

von Andreas Menn

Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz machen Wissenschaftler Maschinen schlau. Wie gut das gelingt, entscheidet mit über das Wohl Deutschlands als Industrienation.

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Am DFKI in Kaiserslautern funktioniert manches schon besser als bei Google.

Wer unter Telearbeit bloß versteht, im Homeoffice am Laptop zu sitzen, der sollte mal nach Bremen fahren. Dort, im Robotics Innovation Center, einem Neubau voller Labore und Büros, erproben Forscher den Telearbeiter des 21. Jahrhunderts. ­Wichtigstes Werkzeug: Aila, eine humanoide Roboterfrau. Ihr weißer Körper ist aus Metall und Kunststoff, ihre schwarzen Augen sind Kameras, ihre Muskeln Motoren.

Vor ein paar Monaten zeigte Aila in einem Versuch ihre Fähigkeiten: Sie kann die Bewegungen von Menschen imitieren wie ein Pantomime. Ein Forscher in der russischen Stadt Magnitogorsk streifte sich Armgerüste aus Metall über, ein Exoskelett, stellte eine Internetverbindung nach Bremen her und begann, seine Arme zu bewegen. Und Aila, 3300 Kilometer entfernt, machte seine Bewegungen hochpräzise nach.

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Was die Forscher am Bremer Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künst­liche Intelligenz (DFKI) da präsentierten, könnte die Zukunft vieler Arbeitsplätze sein: Gelernte Arbeiter schlüpfen via Funk in die Haut eines Roboters, ähnlich wie im Film „Avatar“. Und dann reparieren sie aus der ­Ferne auf Roboterschiffen Maschinen oder leiten Experimente auf dem Mond.

Dass Mensch und Maschine bald immer enger zusammenarbeiten, davon ist plötzlich fast überall die Rede. Und zunehmend sind sich Trendforscher, Unternehmer und Forscher einig: Künstliche Intelligenz (KI) wird die wichtigste Technologie des Jahrhunderts. Am DFKI arbeiten Spitzenforscher schon seit 1988 an dieser Technologie, mit 800 Wissenschaftlern und studentischen Hilfskräften ist es eines der größten KI-Forschungszentren der Welt.

Und darum ist das Institut, das seinen Hauptsitz in Kaiserslautern hat, mit einem Mal sehr gefragt: Vor zwei Jahren stieg Google als Gesellschafter ein, vergangenes Jahr Volkswagen, und kürzlich eröffnete der amerikanische Spracherkennungsspezialist Nuance ein Büro am DFKI-Standort Saarbrücken. Zu den 17 Gesellschaftern, die regelmäßig Forschungsprojekte in Auftrag geben, zählen auch Microsoft, Intel, BMW, die Deutsche Telekom und SAP. „Die Forschung, die wir betreiben, ist von einer Nische zu einem gesellschaftlichen Fokusthema geworden“, sagt Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung am DFKI und damit so etwas wie Deutschlands KI-Guru. „Darum führen wir heute mehr Projekte mit mehr Mitarbeitern durch denn je.“

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Für den Standort Deutschland, der sich historisch stärker auf Hardware spezialisiert hat als auf Software, ist das DFKI ein wichtiges Gegengewicht zum Silicon Valley – und damit so etwas wie der Nukleus für die Zukunft der Industrie. Das DFKI habe sich „international einen herausragend guten Ruf erworben“, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom. Es sei „zweifellos eine der weltweit führenden Forschungsinstitutionen“ im Bereich der künst­lichen Intelligenz.

Zu den Stärken der Kaiserslauterer zählen Hunderte erfolgreiche Forschungsprojekte, enge Verbindungen in die Industrie und mehr als 60 Ausgründungen. Als Zeugnis seiner Spitzenforschung wertet das DFKI auch, dass fast 100 ehemalige Mitarbeiter inzwischen weltweit Professuren an Hochschulen innehaben.

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