Pro: Sollen die Maschinen doch unsere Arbeit erledigen

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Pro: Sollen die Maschinen doch unsere Arbeit erledigen

von Varinia Bernau

Maschinen erleichtern uns die Arbeit – aber nur, wenn wir endlich die Angst vor ihnen ablegen.

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Eine computergesteuerte Greifhand und ein Mensch schütteln sich die Hand.

Noch weiß niemand mit Sicherheit zu sagen, wie viele Berufe durch die voranschreitende Automatisierung aussterben werden. Doch allein die Aussicht, dass eine Maschine bald schon der billigere
und womöglich auch bessere Lkw-Fahrer oder Callcenter­Mitarbeiter ist, bereitet den Deutschen große Sorgen.

Dabei zeigt ein Blick zurück: Für Pessimismus gibt es wenig Anlass. In der Autoindustrie ­etwa, aber auch im Maschinenbau hat die Automatisierung
für enorme Effizienz gesorgt – und dafür, dass sich die hiesigen Hersteller im weltweiten Wettbewerb behaupten konnten.

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Nun erobern die Maschinen den Dienstleistungssektor. Sie werden immer klüger. Als Assistenten in der Verwaltung oder im Krankenhaus durchforsten sie enorme Mengen an Wissen in viel kürzerer Zeit als Menschen – und leiten so die richtigen Antworten ab. Sie werden auch dort die Effizienz steigern.

Contra Uns droht eine gesellschaftliche Spaltung

Maschinen sollen Menschen dienen. Ihren Konstrukteuren fehlt aber das Verantwortungsbewusstsein.

Wer ist Schuld, wenn in Zukunft ein Computermodell versagt und ein Schaden entsteht? Quelle: obs

Auf den ersten Blick scheint es absurd, dass Menschen protestieren, weil eine Maschine ihren kräftezehrenden oder langweiligen Job übernimmt. Auf den zweiten Blick aber wird das Dilemma deutlich: Die meisten Menschen definieren sich über ihren Job, so anstrengend und öde er auch sein mag. Und nicht jeder traut sich zu, jene Fähigkeiten zu erwerben, die in einer automatisierten Arbeitswelt noch gefragt sind. Zumal sich noch nicht ganz genau sagen lässt, welche Fähigkeiten das sein werden. Nicht jeder, so viel Ehrlichkeit muss sein, kann eine Umschulung zum Data Scientist machen.

Statt in Angststarre zu verharren, sollten wir aber akzeptieren, dass Maschinen manches besser machen – und uns auf unsere Stärken besinnen. Kreativität wird Menschen vorbehalten bleiben. Empathie ebenfalls. Gewiss, die Grenze zwischen einem kreativen und einem Routinejob ist fließend. Im Strategiespiel Go schlägt der Computer den Menschen bereits. Bald könnte es auch bei der Diagnose von Krankheiten so weit sein. Damit wird Bildung immer wichtiger – und zwar ein Leben lang.

Diese Jobs sind durch die Digitalisierung entstanden

  • Data Engineer

    Der Data Engineer sorgt dafür, dass Data Analysten und Data Scientisten erfolgreich arbeiten können. Denn die Data Engineers sammeln, generieren und säubern die Daten und bereiten sie auf, um sie dann den Analysten und Scientists zur Verfügung zu stellen. Sie stehen in der Wertschöpfungskette quasi ganz am Anfang aber gleichzeitig in enger Abstimmung mit den Fachbereichen und konkreten Inhalten. Eine Herausforderung, mit der sich Data Engineers immer stärker beschäftigen, ist das Thema Big Data und die damit verbundene Komplexität der Daten.


    Quelle: Telefónica

  • Data Scientist

    Neben der Anwendung klassischer Analysemodelle zur Generierung von Business-Insights (Job des bisherigen „Data Analyst“), wendet der Data Scientist komplexere statische Methoden an, hat Kenntnisse im Bereich maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Außerdem spielt beim Data Scientist am Ende eines Projekts die Visualisierung der Ergebnisse und das sogenannte Storytelling eine große Rolle. Das heißt, er muss nicht nur gut mit Zahlen jonglieren, sondern auch kommunikative Fähigkeiten besitzen.

  • Data Protection & Data Security Consultant

    Bei der Arbeit mit Daten kommen die Spezialisten mit Themen wie Datensicherheit und Datenschutz in Kontakt, wodurch wiederrum neue Berufsprofile entstehen. So sucht Telefónica aktuell nach einem Data Protection & Data Security Consultant, der sich als erster Ansprechpartner und Berater um alle internen Themen rund um den Datenschutz bei der neuen Tochtergesellschaft Telefónica NEXT kümmert.

  • Take-to-Market Analyst

    Der Take-to-Market Analyst ist Bindeglied und Übersetzter zwischen Analysten und externen Partnern. Wenn die Mitarbeiter anonymisierte Bewegungsdaten der Kunden nutzen wollen, um ihren Service zu verbessern, übersetzt der TTM Analyst die Anforderung jeweils in die Sprache des anderen. Dafür muss er – wie alle anderen Rollen auch – beide Parteien verstehen können. Er benötigt dazu ein gewisses technisch-analytisches Know-how und zugleich ein unternehmerisches Verständnis. Der TTM Analyst ist ein Allrounder, denn er schreibt ebenso Verträge und begleitet die Produktmanager zum Kundentermin. Anschließend erklärt er den Analysten, was genau zu tun ist.

  • Data Strategist

    Er gibt die Leitlinien für den Umgang mit Daten vor. Welche Informationen können bedenkenlos in welchem Zusammenhang verwendet werden? Wo liegen rechtliche Grauzonen bei der Auswertung von Daten? Wo ethische Barrieren? Seine Position ist meist nah am Vorstand angesiedelt, da eine Fehlentscheidung schnell ernsthafte Probleme verursachen kann.
    Sowohl Mathematiker und Informatiker als auch Physiker sind für die Tätigkeit des Data Strategist besonders geeignet. Denn hohes technisches Verständnis ist Grundvoraussetzung, um nachvollziehen zu können, wie die Daten überhaupt erhoben werden.

  • Chef Digital Officer (CDO)

    Der CDO ist der oberste Digitalisierungsbeauftragte eines Unternehmens – oftmals sogar auf Vorstandsebene. Er gibt die Leitlinien für die Digitalisierung vor: entwickelt neue Geschäftsmodelle, führt innovative Technologien ein und fördert vernetztes Arbeiten in seinem Konzern. In seiner Position muss er die zukünftige Richtung vorgeben, Mitarbeiter und Anteilseigner in die digitale Transformation mitnehmen. Dazu braucht er neben fachlichen Qualifikationen vor allem Überzeugungskraft, Risikobereitschaft und Neugier.

  • Mobile Developer

    Dieser Entwickler kümmert sich um neue Programme für Smartphones und Tablets. Bei kleineren Unternehmen ist er nicht nur Ideengeber, sondern programmiert die Anwendungen auch selbst.

    Die meisten Mobile Developer sind entweder auf das Apple-Betriebssystem iOs oder Googles Konkurrenzprodukt Android spezialisiert. Früher ein Feld für Autodidakten, ist dieser Job heutzutage am besten für Informatiker geeignet – egal, ob studiert oder mit Berufsausbildung zum Fachinformatiker.

  • SEM-Manager

    Der SEO-Manager – die Abkürzung steht für Search Engine Optimization, zu Deutsch: Suchmaschinen-Optimierung – ist der wohl bekannteste Performance Marketing Manager. Er ist dafür verantwortlich, Inhalte von Web-Seiten so zu optimieren, dass sie von Suchmaschinen möglichst gut gefunden werden.

    Ebenfalls dazu gehören der SEM- und der SEA-Manager. Sie sind für Search Engine Marketing beziehungsweise Search Engine Advertising zuständig. Das heißt, sie entscheiden unter anderem, bei welchen Suchbegriffen eine Anzeige ihres Arbeitgebers erscheint, und kontrollieren den Erfolg solcher Maßnahmen. Ebenfalls in den Aufgabenbereich von Performance Marketing Managern fallen Direktmarketingaktionen zum Beispiel via E-Mail oder die Schaltung von Werbebannern.

Zur Besinnung auf die eigenen Stärken gehört aber auch dies: Lehrerinnen und Altenpfleger müssen besser bezahlt werden. Und als wertvolles Mitglied der Gesellschaft darf nicht länger nur gelten, wer einen
Job hat. Wir müssen stattdessen auch den Einsatz all jener Menschen anerkennen, die ehrenamtlich Nachhilfe geben, Zuwanderern beim Einleben helfen oder eine Kunstausstellung auf die Beine stellen.

Sollen die Maschinen doch unsere Arbeit erledigen. Für uns Menschen bleibt ganz gewiss noch genug zu tun.

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