Gabriel kritisiert Deutsche Bank: „Die Bank, die Spekulantentum zum Geschäftsmodell machte“

Gabriel kritisiert Deutsche Bank: „Die Bank, die Spekulantentum zum Geschäftsmodell machte“

, aktualisiert 03. Oktober 2016, 08:10 Uhr
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Die Verhandlungen über eine US-Strafe sind für die Bank extrem wichtig.

von dpa und Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht zur Ruhe. Massive Forderungen aus den USA, Probleme mit der Technik, ein fallender Aktienkurs und auch noch politischer Gegenwind. Der Wirtschaftsminister greift das Institut an.

FrankfurtBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die angeschlagene Deutsche Bank kritisiert. „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt“, sagte der SPD-Chef und Vizekanzler am Sonntag während seiner Reise in den Iran. „Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind.“

Hintergrund sind Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der Spekulanten für den Absturz des Börsenkurses verantwortlich gemacht hat, die das Vertrauen in das Institut schwächen wollten.

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Die Folgen der Niedrigzinsen und die immer strengeren Regeln der Aufsichtsbehörden lasten schwer auf den Geschäften der Großbank. Auslöser für die große Nervosität der vergangenen Tage ist die Drohung der US-Justiz, der Bank für Vergehen mit Hypothekenpapieren eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar aufzubrummen. Die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt.

Am Freitag war der Aktienkurs erstmals unter die Marke von 10 Euro gesunken. Hintergrund waren Berichte, einige Hedgefonds in den USA hätten Geschäfte mit der Bank zurückgefahren und Geldbestände aus dem Handelsbereich des Instituts abgezogen. Das Bundesfinanzministerium hatte vergangene Wochen einen Bericht der "Zeit" zurückgewiesen, wonach die Regierung an Rettungsplänen für die Deutsche Bank arbeite.

Zu den Gerüchte um Staatshilfen, dem dramatische Kurssturz an der Börse plus anschließender Erholung und dem massiven Angriff von Hedgefonds auf das wichtigste heimische Geldhaus kommt jetzt nach Informationen des Handelsblatts auch noch eine neue IT-Panne. Erst vor anderthalb Wochen gab es stundenlange Verzögerungen im Online-Banking bei der Anzeige der Girokonten-Umsätze und im Juni konnten etliche Kunden kein Geld abheben.

Aus den USA droht der Deutschen Bank derzeit der größte Ärger. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ hatte Aufsichtsratschef Paul Achleitner das Bundeskanzleramt und das Bundesfinanzministerium mit einem spätabendlichen Telefonanruf gewarnt, bevor die Deutsche Bank Mitte September eine Pflichtmitteilung über die drohende Milliardenstrafe in den USA veröffentlichte.

Nach den jüngsten Milliardenstrafen gegen Unternehmen in Europa und den USA wächst einem Zeitungsbericht zufolge in der Union die Sorge vor einem transatlantischen Wirtschaftsstreit. „Was wir derzeit erleben, hat wirtschaftskriegsähnliche Züge“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Peter Ramsauer, der „Welt am Sonntag“ laut Vorabbericht. In den USA gebe es eine lange Tradition, jeden Anlass für handelskriegsähnliche Scharmützel zu nutzen, wenn das der eigenen Wirtschaft nutze.

Damit seien erpresserische Schadensersatzforderungen verbunden, wie das im Fall der Deutschen Bank zu sehen sei. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, Konflikte zwischen den USA und der EU würden wegen der Überprüfung von Steuerdeals - etwa bei Apple, Amazon und McDonald's - schon lange schwelen. Die Strafe gegen die Deutsche Bank mute wie eine Retourkutsche an.

Quelle:  Handelsblatt Online
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