Gastbeitrag zu Lebensversicherungen: Das Altersvorsorge-Roulette

Gastbeitrag zu Lebensversicherungen: Das Altersvorsorge-Roulette

, aktualisiert 25. März 2016, 15:06 Uhr
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Roulette ist ein Glücksspiel. Das sollte die private Altersvorsorge nicht sein.

Quelle:Handelsblatt Online

Nicht nur das Zinstief macht Lebenpolicen unattraktiv. Es hapert auch an der Verlässlichkeit für die Altersvorsorge, erklärt Gastautor Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten. Der Erfolg hängt immer mehr vom Zufall ab.

BerlinVerlässlichkeit, Sicherheit, Zuverlässigkeit. Alles Attribute, die notwendig sind, damit Altersvorsorge klappt. Schwinden diese und machen der Zufälligkeit Platz, dann läuft etwas schief. Eigentlich sollten sich gerade die Lebensversicherer ganz stark daran orientieren, dass diese Attribute gerade auf ihre Produkte zutreffen. Tun sie aber nicht. Der Erfolg der Altersvorsorge mit einer Lebensversicherung ist mehr und mehr zufällig.

Bei Zufall denkt jeder Statistiker an Roulette. Denn an diesen Spieltischen haben große Mathematiker die Grundlagen für die Wahrscheinlichkeitstheorie geschaffen. Und die ist wiederum Grundlage für das moderne Versicherungswesen. Und überraschenderweise ist es leider sogar so, dass das Roulette-Spiel unterm Strich lukrativer ist als der Abschluss einer Lebensversicherung, da schließt sich der Kreis. Und wenn das Roulette-Spiel lukrativer ist als der Vertragsabschluss, dann fehlt der Lebensversicherung sogar mehr Verlässlichkeit als der Roulettekugel.

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„Das kann doch nicht sein, dass Roulette rentabler wäre als eine Lebensversicherung!“, höre ich so manchen Versicherungslobbyisten jetzt schimpfen. Ist es aber doch, wenn man bedenkt wie viele Kunden im Schnitt ihren Vertrag stornieren und bei der Kündigung oder Beitragsfreistellung noch mal richtig auf Geld verzichten müssen. Der Erwartungswert ist beim Roulette-Spiel höher als bei der Lebensversicherung.

Hinzu kommt bei der Lebensversicherung die Ungewissheit der Überschussbeteiligung. Die ist nämlich nicht nur von den Kapitalmärkten abhängig, sondern auch von den Managern des Versicherungsunternehmens. Die entscheiden nämlich wieviel Überschüsse die Kunden dann tatsächlich bekommen sollen. Das hat nicht „gerecht“ zu erfolgen, sondern nur „verursachungsorientiert“, was auch immer das heißen mag. Zuverlässigkeit lässt sich jedenfalls nicht ableiten.

Und dann ist die Überschussbeteiligung auch noch von der Politik abhängig, die den Managern regelmäßig neue Gesetze an die Hand gibt, die es erlauben die Überschussbeteiligung zu kürzen – zuletzt beim Lebensversicherungsreformgesetz. Seit dem gibt es deutlich weniger Geld aus den Bewertungsreserven.


Nur auf die Pflicht zum Zahlen ist Verlass

Und damit jemand im Rentenbezug zumindest das bis zur Rente Angesparte in Form von Renten herausbekommt, dafür muss man zudem schon sehr alt werden. Da ist dann womöglich erst im Alter von 120 Jahren der „Break-Even“ erreicht. Das Alter erreicht aber in echt eben keiner. Die Verlässlichkeit zumindest das Angesparte auch als Rente herauszubekommen ist demnach sehr gering.

Die Unzuverlässigkeit zeigt sich aber auch daran, mit wem die Versicherten den Vertrag eingehen. Beim Pakt mit dem Teufel ist es zumindest klar, dass man stets dem Beelzebub etwas schuldet. Bei der Versicherung ist das nicht mehr so eindeutig. Denn der eigene Vertrag kann ja von dem Lebensversicherer sofort an einen anderen verkauft werden!

Wer heute bei der A-Z-Lebensversicherung versichert ist, muss nächstes Jahr vielleicht schon die Prämie an die XYZ-Versicherung zahlen und muss darauf hoffen, dass die dann später auch gute Renten zahlen. Ein verlässlicher Partner auf Dauer? Sieht anders aus als so mancher Lebensversicherer!

Das einzig verlässliche bei einem solchen Lebensversicherungsvertrag ist die Pflicht zu zahlen. Es ist zwar unklar wofür, es ist unklar an wen, aber es ist sicher, dass gezahlt werden muss. Die einzige Verlässlichkeit liegt in der Zahlungspflicht. Alles andere ist mehr oder weniger Zufall.

PS: Dass ich mir die Verlässlichkeit der Versicherer genauer anschaue, habe ich einer jungen Dame zu verdanken, die maßgeblich für dieses Lebensversicherungsreformgesetz verantwortlich ist. Frau Karliczek im Bundestag war schließlich für die Unionsfraktion für dieses Gesetz in Verantwortung. Dennoch hat sie just dieser Tage in unserem BdV-Blog diese Verlässlichkeit der Altersvorsorge angemahnt.

Die Versicherer müssen jetzt also endlich liefern. Sonst verliert womöglich bald auch die Union ihren Glauben an die Zuverlässigkeit der Deutschen Lebensversicherer! Und einen verlässlicheren Partner als die CDU/CSU können sich die Versicherer kaum wünschen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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