Gavin Rochussen: „Investoren ziehen derzeit Cash vor“

Gavin Rochussen: „Investoren ziehen derzeit Cash vor“

, aktualisiert 22. Juni 2016, 12:54 Uhr
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Der Chef der britischen Fondsgesellschaft JO Hambro Investment Management, Gavin Rochussen, erklärt seine Notfallpläne im Falle es Brexits.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Chef der britischen Fondsgesellschaft JO Hambro Investment Management erklärt im Interview die Folgen für die Fondsbranche, sollte es am Donnerstag zu einem Brexit kommen.

London20 Milliarden Pfund Vermögen verwaltet die britische Fondsgesellschaft JO Hambro Investment Management. Im Interview erklärt er seine Umzugspläne für das Management, sollten die Briten am Donnerstag für einen Abschied aus der Europäischen Union plädieren.

Handelsblatt: Die Angst vor dem Austritt Großbritanniens hat in den vergangenen Wochen die Finanzmärkte dominiert – wie hoch schätzen sie das Risiko ein?
Gavin Rochussen: Ein Brexit ist das derzeit größte Risiko. Denn der Austritt Großbritanniens hätte nicht nur Auswirkungen auf Großbritannien selbst, sondern könnte dazu führen, dass die gesamte Europäische Union aus den Fugen gerät. Und die Folge davon wiederum wären viele, viele Jahre voller Unsicherheit und hoher Volatilität. Ein Brexit würde sich auf das Wirtschaftswachstum in Großbritannien und in ganz Europa auswirken.

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Wie reagieren ihre Kunden auf das Risiko?
Wir sehen seit etwa zwei Monaten, dass Investoren sich aus britischen und europäischen Aktien zurückziehen. Sie ziehen derzeit Cash vor. Für die, die noch nicht reagiert haben, ist es jetzt natürlich zu spät. Die müssen jetzt ausharren und schauen, wie das Referendum ausgeht.

In der vergangenen Woche hatten die Brexit-Befürworter ziemlichen Aufwind in Umfragen, das scheint sich jetzt wieder zu ändern.
Meinungsforscher lagen mit ihren Umfragen in der Vergangenheit teilweise komplett falsch – etwa bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr. Eine deutlich bessere Orientierung gibt der Blick auf die Wetten bei den Buchmachern. Und da sieht es derzeit doch sehr danach aus, als ob Großbritannien in der EU bleibt. Meiner Meinung nach wäre es ohnehin total irrsinnig, sich aus der EU zu verabschieden. Da hätte Großbritannien und auch die Unternehmen hier nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen.

Einige ihrer Konkurrenten würden Ihnen widersprechen und sagen, dass die Branche durchaus etwas zu gewinnen hätten durch einen Brexit: weniger Regulierung.
Das ist für mich kein Argument für einen Brexit.

Sie haben also kein Problem mit dem Brüsseler Paragrafenmonster Mifid, das den Finanzmarkt transparenter und effizienter machen soll.
Ja, Mifid II ist schon eine Pein, aber es gibt den Investoren ein besseres Gefühl und mehr Vertrauen in die Branche. Die Struktur und die Vorgaben für Ucits-Fonds …

… die klassischen Fonds für Privatinvestoren in Europa …
… sind dagegen toll. Ich hab jüngst mit US-Kollegen gesprochen und einige von ihnen versuchen um jeden Preis, einen Fuß in den Ucits-Markt reinzubekommen, weil das ein wachsendes Geschäft ist. Die Ucits-Vorgaben sind keineswegs ein überzeugender Grund, um die EU zu verlassen.

Wie würde sich ein Brexit auf JO Hambro auswirken?
Wir verwalten ein Vermögen von mehr als 20 Milliarden Pfund und ein Drittel der Summe steckt in Ucits-Fonds. Und mit diesen Fonds bekommen wir ein Problem, wenn es zu einem Brexit kommt. Denn dann könnten die Manager dieser Fonds nicht in Großbritannien sitzen, sie müssten irgendwo in der Europäischen Union ihren Sitz haben. Das ist grundsätzlich ein lösbares Problem, würde aber natürlich Kosten verursachen.

Wie konkret sind ihre Notfallpläne für den Brexit-Fall? Wo in der EU würden die Manager der europäischen Fonds für Privatinvestoren ansiedeln?
In Dublin, weil dort schon die Abwicklung stattfindet. Dorthin würden wir dann auch das Management der Ucits-Fonds outsourcen.

Die Fragen stellte Katharina Slodczyk.

Quelle:  Handelsblatt Online
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