Gebühren fürs Geldabheben: Die Ausnahme wird zur Regel

Gebühren fürs Geldabheben: Die Ausnahme wird zur Regel

, aktualisiert 03. April 2017, 13:22 Uhr
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Wie hier im Baden-Württembergischen Gersbach betreiben Volksbanken und Sparkassen teilweise schon gemeinsame Geldautomaten, um Kosten zu sparen.

von Felix HoltermannQuelle:Handelsblatt Online

Immer mehr Sparkassen und Volksbanken erheben Gebühren fürs Geldabheben. Damit droht das Ende der Umsonstkultur. Weitere Banken könnten die Automatennutzung verteuern – Kunden droht ein böses Erwachen.

DüsseldorfEs war der Aufreger der vergangenen Tage: Rund 40 von 400 deutschen Sparkassen verlangen – je nach Kontomodell – Gebühren fürs Geldabheben. Und auch bei den Volksbanken drohen für immer mehr Kunden Entgelte am Automaten. Laut dem Internet-Finanzportal biallo.de haben bereits mehr als 150 von rund 1.000 deutschen Genossenschaftsbanken Kontomodelle mit Automatengebühren eingeführt.

Viele Bankkunden sind verunsichert. So hatte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon noch im Herbst gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärt: „Abhebungen an unseren Geldautomaten sind für Sparkassenkunden kostenlos – und das wird auch so bleiben.“ Jetzt muss sein Verband zurückrudern. Auf Twitter erklärt der Deutsche Sparkassen- und Giroverband: „Je nach Kontomodell können bei einzelnen (Sparkassen) Entgelte bei Überschreitung einer (bestimmten) Anzahl an Buchungsvorgängen entstehen.“ Das wiederum geht bei günstigen Kontomodellen sehr schnell.

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Beobachter glauben, dass Gebühren für's Geldabheben in Deutschland von der Ausnahme zur Regel werden könnten. So rechnet Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret mit steigenden Bankgebühren. „Wir sehen ein Ende der Umsonstkultur“, sagte er der Zeitung „Die Welt“, gibt aber zu bedenken: „Allerdings müssen diese Produkte auch attraktiv sein, sonst werden Banken und Sparkassen dafür diese Preise nicht am Markt durchsetzen können“.

Ursprünglich hätten die Banken und Sparkassen an den Kundenguthaben Geld verdient – allein durch die Unterschiede zwischen kurz- und langfristigen Zinsen. Doch das sei heute nicht mehr möglich: „Der Bankensektor kann da nur Kosten senken oder Provisionen und Gebühren erhöhen“, sagte Dombret, im Bundesbank-Vorstand für die Bankenaufsicht zuständig. Ob die Gebühren mit steigenden Zinsen auch wieder verschwinden würden, sei offen. „Das ist eine Frage des Wettbewerbs.“

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat höhere Gebühren gegenüber dem Handelsblatt schon befürwortet: „Über Girokonten, Depots oder Kreditkarten zum Nulltarif mögen sich Kunden freuen. Mangels alternativer Ertragsquellen lässt sich dieses Angebot aber nicht auf die Dauer aufrechterhalten“, urteilte Bafin-Präsident Felix Hufeld bereits Ende vergangenen Jahres.

Professor Dirk Schiereck, Bankenprofessor an der Technischen Universität Darmstadt, rechnet mit weiteren Nachahmern. Ihm zufolge drohen den Bankkunden auf breiter Front neue Gebühren am Automaten – auch, um das Bezahlen per Bargeld zu verteuern: „Geldauszahlungen sind teuer aus Sicht der Banken. Deshalb ist es für sie attraktiv, die Kunden dazu zu bewegen, mehr mit Karte oder online zu zahlen.“ Das Handelsblatt hat bereits Ende 2016 über die Praxis berichtet, dass das Abheben am Automaten immer häufiger Geld kostet – nicht mehr nur bei reinen Onlinebanken wie N26, sondern auch an Automaten der Hausbank oder einer Bankengruppe.

Nach der neuen Erhebung des Finanzportals biallo.de bitten mehr als 150 der knapp 1000 Volks- und Raiffeisenbanken und rund 40 der rund 400 Sparkassen ihre Kunden für das Geldabheben am Automaten bei bestimmten, günstigen Kontomodellen zur Kasse. Insbesondere Finanzinstitute im ländlichen Raum haben entsprechende Entgelte eingeführt – dort ist der Konkurrenzdruck durch andere Anbieter niedrig. Während viele Sparkassen ihren Kunden die Gebühren für bis zu fünf Abhebungen noch erlassen, greifen zwei Drittel der untersuchten VR-Banken laut der Erhebung gleich beim ersten Mal zu. Die Spanne reicht dabei von 29 Cent bis zu einem Euro für einmal Geld abholen.

Zinserträge sind die wichtigste Einnahmequelle der deutschen Banken, rund drei Viertel aller Einnahmen stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken liegt die Quote sogar noch höher. Durch die anhaltende Niedrigzinsphase gerät ihr Geschäftsmodell zunehmend unter Druck.

Quelle:  Handelsblatt Online
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