Gehaltsverhandlung: Wann ist der perfekte Moment?

Gehaltsverhandlung: Wann ist der perfekte Moment?

, aktualisiert 31. März 2016, 06:37 Uhr
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Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Chef in einer Phase ansprechen, in der er ausreichend Zeit hat und nicht zu stark unter Stress steht.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Die Wirtschaft wächst, das BIP legte 2015 zu, die Prognosen für 2016 sind positiv: Kein Wunder, dass das unsere Lohnerwartungen beflügelt. Beim Timing der Gehaltsverhandlung ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt.

Düsseldorf„Drei Viertel der Angestellten möchten 2016 ein höheres Gehalt“. Na, wer will das nicht? Mit dieser Headline trudelte hier gerade die Mitteilung des Personaldienstleisters Robert Half ein. Demnach beflügelt unsere recht solide aufgestellte und wachsende deutsche Wirtschaft – das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2015 im Schnitt um 1,7 Prozent – die Lohnerwartungen deutscher Arbeitnehmer (zugegeben: meine auch).

So wollen laut einer aktuellen Prognose mehr als drei Viertel (78 Prozent) der befragten Büroangestellten nach einer Gehaltserhöhung fragen. Aber halt! Bevor Sie jetzt zu Ihrem Chef eilen: Die meisten der befragten Mitarbeiter haben da schon mehr vorzuweisen als alleine die Tatsache, dass es mit dem BIP aufwärts geht.

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So ist nämlich für 67 Prozent der Befragten der Grund für die Frage nach einem Gehaltsplus die Übernahme zusätzlicher Aufgaben und damit auch einer höheren Verantwortung, für die sie bisher noch nicht entlohnt wurden (falls Sie bislang kein Interesse an mehr Verantwortung oder einer Beförderung hatten, sollten Sie sich also nicht wundern, wenn Ihr Gehalt in den vergangenen Jahren mehr oder weniger das gleiche geblieben ist). Erst mit deutlichem Abstand werden in der Jobstudie die gestiegenen Kosten für den individuellen Lebensstil (18 Prozent) und die allgemeinen Lebenshaltungskosten (zehn Prozent) als Motive für einen höheren Gehaltswunsch angeführt. Fünf Prozent der Befragten glauben, dass ihr Gehalt nicht dem marktüblichen Niveau entspricht.

So vielfältig aber die Gründe für eine Gehaltsverhandlung sind, so sorgsam sollten Sie den richtigen Zeitpunkt dafür wählen. Dazu haben die Experten von Robert Half 200 CFO befragt und herausgefunden, dass der Beginn eines neuen Projekts oder die Übernahme eines neuen Verantwortungsbereichs besonders geeignet ist (26 Prozent). Für fast ein Viertel der Finanzchefs (24 Prozent) stellt das Mitarbeitergespräch den passenden Rahmen dar.

Der beste Zeitpunkt, um nach einer Gehaltserhöhung zu fragen?

Jederzeit17 Prozent
Während des Mitarbeitergesprächs24 Prozent
Zu Beginn eines größeren Projektes oder bei Übernahme einer neuen Verantwortung26 Prozent
Am Ende eines größeren Projektes17 Prozent
6 Monate nach Übernahme von mehr Verantwortung14 Prozent
Zum Ende des Geschäftsjahres3 Prozent
Nie1 Prozent
Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2016, Befragte: 200 CFOs in Deutschland


Gehaltsbudget: Fachkräftemangel und Mitarbeiterbindung unwichtig

Sven Hennige, Senior Managing Director bei Robert Half, betont: „Gehaltsgespräche bedürfen für beide Seiten – Vorgesetzten und Mitarbeiter – einer guten Vorbereitung. Sie sollten daher nicht spontan vom Mitarbeiter eingefordert werden. Besser ist es, regelmäßige Gespräche zu nutzen oder einen guten Grund, wie ein herausforderndes neues Projekt, zum Anlass zu nehmen.“ Zudem empfiehlt der Experte, einen festen Termin für das Gespräch zu vereinbaren, bei dem schon vorab klar ist, dass das Gehalt thematisiert wird – und zwar für beide Seiten.

Doch nicht nur individuelle Argumente spielen bei der Entscheidung über eine Gehaltserhöhung eine Rolle. Für ein Unternehmen sind auch externe ökonomische Variablen wichtig. So ist für 58 Prozent der befragten Finanzvorstände die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens der entscheidende Faktor dafür, ob zusätzliche Vergütungsbudgets zur Verfügung gestellt werden. Das wirtschaftliche Klima (43 Prozent) spielt im Vergleich eine etwas geringere Rolle.

Bemerkenswert ist, dass der Fachkräftemangel und die Mitarbeiterbindung nur für 19 Prozent der Befragten Gründe sind, die Gehaltsbudgets zu erhöhen.

Welche Faktoren würden zu einem höheren Vergütungsbudget führen?

Unternehmensleistung58 Prozent
Wirtschaftliches Klima43 Prozent
Politisches Klima33 Prozent
Unternehmensexpansion28 Prozent
Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden und zu binden19 Prozent
Quelle: Robert Half, Arbeitsmarktstudie 2016, 200 CFOs D; Mehrfachnennungen mgl

Sven Hennige kommentiert: „Bei Gehaltsverhandlungen achten Arbeitgeber neben externen und internen Faktoren besonders auf die Leistungen und persönliche Entwicklung des Mitarbeiters.“ Wichtig ist also auch Ihr Beitrag zum Unternehmens- oder Teamerfolg. Dies sollten Sie als Mitarbeiter für sich im Vorfeld analysieren und Rückschlüsse auf die Angemessenheit der eigenen Gehaltsforderungen ziehen. Hennige: „Wenn dem Gehaltswunsch aus unternehmerischen Gründen nicht entsprochen werden kann, können andere Benefits, wie Home-Office, berücksichtigt werden.“


Sieben Tipps für erfolgreiche Gehaltsverhandlungen

Der Personaldienstleister gibt sieben Tipps, wie Sie Gehaltsverhandlungen erfolgreicher führen können:

1. Individuelle Erfolge nachweisen

Zeigen Sie auf, wie sich Ihr Verantwortungsbereich erweitert hat oder welche Projekte Sie erfolgreich beendet haben. Hierzu können Sie zur Unterstützung Ihrer Argumente etwa Ihren Arbeitsvertrag, Zielvereinbarungen oder Protokolle von Mitarbeitergesprächen heranziehen.

2. Teamerfolg belegen

Hat Ihre Abteilung ein besonders erfolgreiches Jahr unter Ihrer Leitung oder seit Ihrem Antritt als Teamleiter gehabt? Ziehen Sie messbare Verbesserungen als Argumente heran, beispielsweise gestiegene Kunden-, Umsatz- oder Ertragszahlen.

3. Persönliche Motivation aufzeigen

Intrinsische, also die innerliche, Motivation des Mitarbeiters ist das A und O: Haben Sie konkrete Ziele, die Sie (zum Wohle des Unternehmens) erreichen wollen oder Projekte, die Sie gerne umsetzen würden? Hiermit etablieren Sie sich als Business-Partner Ihres Vorgesetzten und beweisen Ihr Engagement.

4. Gute Vorbereitung

Neben guten Argumenten für eine Gehaltserhöhung sollten Sie ein Gefühl dafür entwickeln, wie hoch ein für Ihre Position angemessenes Gehalt liegt. Hierfür bildet zum Beispiel die Gehaltsübersicht 2016 wertvolle Anhaltspunkte. Neben einem höheren Gehalt können Sie auch andere Zusatzleistungen in die Waagschale werfen, wie mehr Urlaub oder Home-Office.

5. Hartnäckig bleiben

Lassen Sie sich keine Unsicherheit in der Gehaltsverhandlung anmerken. Wenn Sie die Argumente auf Ihrer Seite haben, können Sie diese auch selbstbewusst vertreten. Wenn nach dem Gespräch die ausgehandelte Gehaltserhöhung oder Zusatzleistungen nicht realisiert werden, fragen Sie höflich, aber bestimmt nach, und suchen Sie ein zweites Gespräch.

6. Dont's: Privatausgaben, besser verdienende Kollegen und Kündigung

Führen Sie keine privaten Gründe oder besser verdienende Kollegen in einer Gehaltsverhandlung an – hier geht es ausschließlich um berufliche Aspekte und Ihre persönliche Leistung. Drohen Sie Ihrem Vorgesetzten auch nicht mit einer Kündigung, falls Sie keine Gehaltserhöhung bekommen. Das kann sich negativ auf die Zusammenarbeit und die Stimmung im Team auswirken.

7. Der richtige Zeitpunkt

Generell gilt, einen Termin zur Gehaltsvereinbarung zu vereinbaren, damit beide Parteien sich auf das Gespräch vorbereiten können. Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Chef in einer Phase ansprechen, in der er ausreichend Zeit hat und nicht zu stark unter Stress steht. Der Anlass kann das Jahresgespräch oder die Übernahme eines anspruchsvollen Projekts sein. Auch gibt es in manchen Unternehmen festgelegte Zeitspannen, innerhalb derer Gehaltsrunden stattfinden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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