Geldanlage per „Robo Advisor“: Die Roboter kommen

Geldanlage per „Robo Advisor“: Die Roboter kommen

, aktualisiert 25. Januar 2016, 12:37 Uhr
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Die digitale Vermögensverwaltung für Privatanleger funktioniert mit Algorithmen.

von Peter KöhlerQuelle:Handelsblatt Online

Würden Sie einem Roboter ihr Vermögen anvertrauen? Geldanlage-Experten sagen vollautomatischen Anlagemanagern eine glorreiche Zukunft voraus. Sie sollen bald Hunderte Milliarden Dollar verwalten. Doch es gibt Mankos.

FrankfurtFondsmanager stehen oft in der Kritik: Zu teuer seien ihre Dienste und oft schnitten die von ihnen verwalteten Portfolios schlechter ab als etwa der Dax oder andere wichtige Indizes. In der Finanzwelt deutet sich der Durchbruch einer Alternative an: der vollautomatisierte Geldverwalter, in der Fachsprache „Robo Advisor“ genannt, ist auf dem Vormarsch.

Die Newcomer in der Vermögensverwaltung stehen vor gewaltigen Zuwachsraten. „ Ich erwarte hohe Wachstumsraten, 2020 könnten die in Deutschland betreuten Vermögenswerte schon bei 20 bis 30 Milliarden Euro liegen“, sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Weltweit würden es dann sogar ungefähr 500 Milliarden Dollar sein, die Roboter unter ihre Fittiche nehmen.

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Noch steckt das Geschäft in den Kinderschuhen. In Deutschland gibt es aktuell etwa 30 bis 40 Firmen, die dem Bereich „Robo Advice“ zugerechnet werden. Insgesamt verwalten sie schätzungsweise erst rund 100 Millionen Euro.

Doch nahezu monatlich gibt es im Internet neue Angebote. Zu den bekannteren Namen zählen Fintego, Ginmon, Vaamo und Easyfolio. Auch Quirion, der digitale Ableger der Quirin Bank, hat ein entsprechendes Angebot.

Wer sich im Internet einem Robo Adviser anvertraut, der muss zunächst einige Fragen beantworten, beispielsweise nach dem Alter, der Risikoneigung, der Anlagesumme und dem Anlagezeitraum. Meist werden dann standardisierte Anlagestrategien vorgeschlagen. Investiert wird das Geld oft in passiv gehandelte Fonds, sogenannte ETFs, und so indirekt in Tausende von Wertpapieren.

Ein Problem für den Anleger besteht darin, dass die „Robo Advisor“ noch keinen dauerhaften Abschwung an den Börsen mitgemacht haben – wie er momentan vielleicht eingeläutet wird. „Die Robo Advisor müssen erst noch beweisen, dass sie auch in schwierigen Marktphasen funktionieren“, sagt Oliver Mihm, Vorstandschef bei der Beratungsgesellschaft Investors Marketing. Es fehle noch der „Track Record“, also die Erfolgsbilanz über mehrere Jahre.

Außerdem ist noch nicht ausgemacht, wer am Ende von den vielen neuen Spielern – sogenannten Fintech-Unternehmen – im Markt übrig bleibt. „Schon in diesem Jahr wird die Konsolidierung unter den Fintechs Fahrt aufnehmen. Dauerhaft werden in Deutschland wohl nur ein bis zwei Robo Advice-Anbieter überleben können“, glaubt Branchenexperte Hübner.


Roboter ohne Erfahrung mit Börsenkrisen

Noch ist „Robo Advice“ in erster Linie etwas für erfahrene Anleger, die vor allem ihre Risikoneigung richtig einschätzen können. Allerdings wird die Zahl der Anwender schnell wachsen, denn: „Mittlerweile sind es nicht nur junge und besonders technikaffine Anleger, die Robo Advice nutzen. Vielmehr sind die Kunden quer verteilt durch die Alters- und Vermögenspyramide“, sagt Hübner von Oliver Wyman.

Und die Technik werde sich rasant weiterentwickeln, wie etwa beim „Rebalancing“, bei dem die Anlageklassen und die Aufteilung auf diese regelmäßig auf die ursprüngliche Verteilung zurückgesetzt werden. So werden die Anteile beispielsweise an Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Devisen in einer bestimmten Bandbreite gehalten.

Einer der Vorteile der automatischen Vermögensverwaltung ist die Kostenersparnis. Finanzexperte Mihm sieht die Gebühren in der klassischen Vermögensverwaltung der Banken und Sparkassen in der Regel zwischen einem und 1,5 Prozent liegen. Bei den Robo Advisors seien es dagegen im Mittel nur um die 0,4 Prozent.

Die Kern-Zielgruppe veranschlagen Berater derzeit zwischen 100.000 und 250.000 Euro an liquidem Vermögen. Einige Kunden vertrauen aber nur einen kleinen Teil ihres Vermögens dem Online-Berater an, um das Angebot zu testen.

Allerdings dürfte das Thema Robo Advice in den kommenden Jahren die breite Masse der Anleger ansprechen. Dynamik wird vor allem dann in den Markt kommen, wenn ein erster Anbieter massives Marketing betreibt und Millionen in die Werbung steckt. So, wie die ING Diba den Direktbanken zum Durchbruch verholfen habe, werde es auch bei den Anlagemaschinen in den kommenden ein bis zwei Jahren einen Treiber geben, glaubt ein Branchenkenner.

Quellle:  Handelsblatt Online
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