Geldanlage und Aktien: Das sind die größten Kapitalvernichter an der Börse

Geldanlage und Aktien: Das sind die größten Kapitalvernichter an der Börse

, aktualisiert 23. März 2016, 14:35 Uhr
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Der Energiekonzern ist als einziges Dax-Unternehmen in den Top Ten der größten Kapitalvernichter.

von Ulf SommerQuelle:Handelsblatt Online

Wer sein Geld an der Börse anlegt, hofft auch Gewinne. Doch manchmal passiert genau das Gegenteil: Die Kurse brechen über Jahre ein. Meistens trifft es kleine Unternehmen, doch auch ein Dax-Konzern ist in den Top 10.

DüsseldorfSpieglein, Spieglein, wer ist die schlechteste Aktie im ganzen Land? Niemand möchte sie besitzen, umso größer ist die Sorge vieler Anleger, eine der nun erwähnten Unternehmen im Depot zu haben.

Die gute Nachricht: Anleger, die das ganz hohe Risiko scheuen, auf Nummer sicher und deshalb nur auf Schwergewichte im Dax setzen, trifft das Schicksal eher selten. Denn mit RWE findet sich „nur“ ein Dax-Konzern unter den zehn schlechtesten Aktien. In den vergangenen zwölf Monaten verlor der Versorger über die Hälfte an Wert. Auf Sicht von drei und fünf Jahren sieht die Bilanz mit Minus 62,5 und Minus 76,5 Prozent noch schlechter aus. Auch für Langfristanleger hat sich Geduld nicht ausgezahlt. Immerhin, RWE-Kleinanleger wissen sich in illustrer Gesellschaft: viele Kommunen, darunter auffallend viele klamme Städte aus dem Ruhrgebiet, setzen seit Jahren beharrlich auf RWE – und damit ausgerechnet auf das schlechteste unter 30 großen Unternehmen im Dax.

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Einmal im Jahr kürt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Liste der 50 größten Wertvernichter. Am Mittwoch war es wieder soweit. Dabei schauen sich die Anlegerschützer alle im Prime Standard der Deutschen Börsen notierten Werte an und verteilen für die Kursentwicklung innerhalb von einem Jahr, drei Jahren und fünf Jahren Punkte. Die höchste Punktzahl führt dann zum Spitzenplatz des Negativrankings.

Auf Platz eins schaffte es Vtion Wireless Technology. Die Firma sieht sich selbst als einen führenden Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten. Eine Aktie kostet noch 52 Cents. Vor fünf Jahren waren es knapp fünf Euro. Das kleine Unternehmen mit Sitz in Frankfurt gehört zu einer ganzen Reihe von chinesischen Firmen, die vor gut fünf Jahren in Deutschland an die Börse gingen - und seitdem nur noch durch eine außerordentlich rasante Wertvernichtung auffallen.

Vtion musste seinen Börsengang mangels Interesse zunächst absagen und nahm dann auch nur ein Drittel des geplanten Erlöses ein. Das Schema der chinesischen Börsenneulinge, wozu auch der Müllverbrenner Zhongde Waste Technology gehört, ist immer gleich: Die Firmen gehören dem Gründer und seiner Familie, das Kerngeschäft wird weiterhin in China betrieben und alle Unternehmen sehen sich stets als „führend“ in ihrem Geschäft. Den Vorwurf, sie gingen nur deshalb in Deutschland an die Börse, weil sie in China keine Investoren finden, werden die Unternehmen nicht los.


Hohe Kursverluste bei Technologie-Aktien

Doch mit Singulus, Solarword und Aixtron finden sich auch prominente Vertreter unter den Top 10 der größten Wertvernichter. Die einstigen Stars am „Neuen Markt“ während der Euphorie um Technologie-Aktien haben zwar bis heute überlebt. Doch noch immer bescheren sie ihren verbliebenen oder neuen Aktionären hohe Kursverluste – genauso wie schon beim Platzen der Technologieblase vor 15 Jahren.

Die Anlegerschützer haben in diesem Jahr ihren Betrachtungshorizont erweitert und Dividendenzahlungen mit in die Wertung einbezogen. Da macht Sinn. Denn in Zeiten der historischen Niedrigzinsen schauen Anleger immer mehr auf Dividenden – und hoffen auf regelmäßige Zahlungen. Und die Quote der Dividendenzahler ist auf der Negativliste auch gar nicht schlecht – obwohl es sich ja um die größten Kursvernichter handelt. „Immerhin 31 der 50 größten Wertvernichter haben in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal Gewinne an ihre Aktionäre ausgeschüttet“, sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Aber die Daten zeigen eindrucksvoll: Auch mehrjährige Ausschüttungen, die die DSW in ihrem Gesamt-Performance-Ranking eingerechnet haben, konnten die negative Bilanz der allermeisten Unternehmen nur in homöopathischen Dosen mindern.

Das verdeutlicht ein Beispiel: Mit RWE haben Anleger seit Jahren eine hohe Dividendenrendite von vier und mehr Prozent erzielt. Stets zählte RWE zu den Renditekönigen im Dax. Doch vier oder fünf Prozent Jahresrendite auf Basis des jeweils aktuellen Aktienkurses trösten kaum über einen Kursverlust von 50 und mehr Prozent hinweg. Wer dennoch beharrlich auf die regelmäßige Dividende bei RWE vertraute und sie wie viele Städte sogar in die jährliche Finanzplanung einbuchte, wird in diesem Jahr enttäuscht – und muss sich neue Einnahmequellen suchen: RWE hat seine Dividende gestrichen.    

Quelle:  Handelsblatt Online
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