Geldpolitik: „Die EZB braucht noch Zeit“

Geldpolitik: „Die EZB braucht noch Zeit“

, aktualisiert 11. April 2017, 09:47 Uhr
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Der Chef der Europäischen Investmentbank befürchtet, ein zu frühes Anziehen der geldpolitischen Zügel könnte die wirtschaftliche Entwicklung abwürgen.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach Ansicht von Werner Hoyer, Chef der Europäischen Investmentbank, wäre die EZB schlecht beraten, zu früh die Zügel anzuziehen. Er befürchtet, dass die Geldpolitik im deutschen Wahlkampf eine große Rolle spielen wird.

New YorkWerner Hoyer hat Verständnis für die Sorgen der deutschen Sparer, die keine Zinsen mehr bekommen, und für die Versicherer, die nichts mehr verdienen. „Die Geldpolitik wird auch im deutschen Wahlkampf eine wichtige Rolle spielen“, sagt er. Aber von der Sache her gibt er Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Recht. „Es wäre falsch, sofort dem Beispiel Amerikas zu folgen und die Geldpolitik zu normalisieren“, erklärte er auf einer Veranstaltung an der Columbia Universität in New York. „Der europäische Investitionszyklus stimmt nicht mit dem amerikanischen überein.“

Er befürchtet, ein zu frühes Anziehen der geldpolitischen Zügel könnte die wirtschaftliche Entwicklung abwürgen. Zugleich räumt er ein, dass die EZB inzwischen die Wirtschaft kaum noch unterstützten kann – aber eine zu schnelle Kehrtwende würde trotzdem eine Menge Schaden anrichten.

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Hoyer, vielen in Deutschland noch als langjähriger FDP-Politiker auf Bundesebene bekannt, kennt sich mit Investitionen aus. Er leitet heute die Europäische Investitionsbank (EIB) in Luxemburg, die mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro zu den wichtigsten Geldgebern gerade auch für mittelständische Unternehmen gehört und an zahlreichen Infrastrukturprojekten beteiligt ist. Sie wird von den Ländern der EU getragen, aber finanziert sich selbstständig über den Kapitalmarkt.

„Hoffnung macht mir, dass zurzeit an jedem Wochenende in vielen Städten junge Leute für den Zusammenhalt in Europa demonstrieren“, sagt Hoyer. Auf politischer Ebene stellt er hingegen fest, dass „alles, was in den Europa funktioniert, der Brillanz der nationalen Politiker zugeschrieben wird, und alles was nicht funktioniert, der Bürokratie in Brüssel“.

Dennoch hofft er, dass nach dem „schrecklichen Jahr 2016“ jetzt wieder die Wende zu einer besseren Politik eintritt, und nennt als Beispiel die glimpflich verlaufene Wahl in den Niederlanden. Bisher investiert die EIB zu über 90 Prozent in Europa. Hoyer macht aber deutlich, dass er mehr für die wirtschaftliche Entwicklung in Nachbarregionen, etwa im Nahen Osten, oder in Afrika, tun möchte.

„Ich hasse es, Entwicklungszusammenarbeit nur im Zusammenhang dem Flüchtlingsproblem zu sehen“, sagt er. „Aber wenn es hilft, die Aufmerksamkeit auf dieses Gebiet zu lenken, dann soll es meinetwegen so sein“, fügt er hinzu. Seiner Meinung muss hier ein Umdenken stattfinden, von einer karitativen Haltung hin zu einer echten Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in den schwierigen Regionen. „In dem Punkt begegne ich immer noch Unverständnis, zum Teil auch von den Kirchen“, sagt er.

Er glaubt an eine Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. „Als überzeugter Marktwirtschaftler muss ich feststellen, dass der Markt alleine nicht alle Probleme lösen kann“, sagt er. Und begründet damit natürlich auch die Bedeutung seiner eigenen Organisation.

An die Amerikaner gerichtet lautet seine Botschaft, sich nicht von der internationalen Zusammenarbeit abzuwenden. Er sieht die EIB auch als mögliches Vorbild für eine US-Investitionsbank – ein viel diskutiertes Projekt, das bisher nicht umgesetzt ist. Zugleich räumt er ein, dass Europa im Vergleich zu den USA großen Nachholbedarf bei der Finanzierung neuer Unternehmen hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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