Geldpolitik: Ifo-Chef empfiehlt Draghi mehr Zurückhaltung

Geldpolitik: Ifo-Chef empfiehlt Draghi mehr Zurückhaltung

, aktualisiert 17. Mai 2016, 12:08 Uhr
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Dass die Sparer derzeit unter den niedrigen Zinsen leiden, könne nicht allein der EZB in die Schuhe geschoben werden, räumt der Chef des Münchener Ifo-Instituts ein.

Quelle:Handelsblatt Online

Der neue Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, kritisiert die Politik der Europäischen Zentralbank. Bei der jüngsten Zinssenkung überwiegen aus seiner Sicht die Nachteile.

BerlinIfo-Chef Clemens Fuest hat die jüngste Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) als ungerechtfertigt kritisiert. „Bei diesem Schritt überwiegen meines Erachtens die Nachteile“, sagte der Chef des Münchener Wirtschaftsforschungs-Instituts den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagausgaben). „Auch die Entscheidung, nun Unternehmensanleihen am Primärmarkt zu kaufen, ist fragwürdig, eine Einladung, Kredite an marode Unternehmen der EZB anzudrehen. Etwas mehr Zurückhaltung täte gut.“

Im März hat die EZB ihre Geldpolitik gelockert. Sie senkte den Leitzins auf null Prozent. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehören auch mehr monatliche Anleihekäufe der EZB, ein höherer Strafzins für Banken und eine Prämie für Institute, die mehr Kredite vergeben. Zudem will die Notenbank ab Juni auch Unternehmensanleihen kaufen. All das soll die langfristigen Zinsen noch weiter drücken und die Inflation im Euro-Raum anfachen.

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Im April waren die Verbraucherpreise im Euro-Raum um 0,2 Prozent gefallen - die Notenbank strebt aber eine Preissteigerung von mittelfristig knapp zwei Prozent an. Dieses Ziel verfehlt sie jedoch schon seit drei Jahren, was die Sorge vor Deflation nährt, also einer Spirale aus fallenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft. Die Niedrigzinspolitik der EZB steht in Deutschland massiv in der Kritik. Bundesfinanzminister Schäuble hatte die Geldpolitik der EZB und ihres Chefs Mario Draghi jüngst sogar für das Erstarken der rechtspopulistischen AfD mitverantwortlich gemacht. Mehrere Unionspolitiker forderten außerdem eine Intervention der Bundesregierung gegen die EZB-Politik.

Aus Sicht von Ifo-Chef Fuest können die niedrigen Zinsen jedoch nicht allein der EZB in die Schuhe geschoben werden. „Die niedrigen Zinsen reflektieren die wirtschaftliche Situation der Euro-Zone, die schwache Konjunktur und die geringe Inflation,“ sagte er. Die Geldpolitik müsse daher expansiv sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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