Geldpolitik und Globalisierung: „Wir haben das Ungleichheitsproblem unterschätzt“

Geldpolitik und Globalisierung: „Wir haben das Ungleichheitsproblem unterschätzt“

, aktualisiert 14. Juni 2017, 17:12 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, fürchtet politische Risiken durch größere Ungleichheit. Um das Problem anzugehen, müssten Politik und Notenbanken zusammenarbeiten.

FrankfurtIWF-Chefin Christin Lagarde sieht die wachsende Ungleichheit in den Industrieländern als eine wichtige Ursache für den Wahlerfolg populistischer Bewegungen. „Wir haben das Ungleichheitsproblem unterschätzt“, sagte sie bei einer Veranstaltung der Bundesbank in Frankfurt. Eines der größten Risiken für die Weltwirtschaft bestehe darin, dass dieses Problem durch technologische Umbrüche noch verstärkt werden könnte.

Die Politik müsse das Ungleichheitsproblem stärker angehen. Wichtig sei dabei ein Austausch zwischen Politik und Notenbanken. Die Notenbanken müssten abschätzen, welche Auswirkungen ihre geldpolitischen Instrumente auf die Verteilung hätten. Aufgabe der Politik sei es dann, daraus Konsequenzen zu ziehen.

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Der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS und frühere Bundesbank-Präsident, Axel Weber, betonte, dass die unkonventionelle Geldpolitik „starke Auswirkungen auf die Verteilung“ habe. Im Euroraum hat die Europäische Zentralbank (EZB) nicht nur den Leitzins auf null Prozent gesenkt, sondern nutzt seit der Krise auch so genannte unkonventionelle Mittel. So verlangt sie etwa von Banken, die über Nacht Geld bei ihr parken, einen Strafzins von minus 0,4 Prozent. Außerdem kauft sie für monatlich 60 Milliarden Euro Staatsanleihen der Euro-Länder.

Wenn es nach Axel Weber ginge, sollte die EZB nun möglichst schnell die unkonventionelle Geldpolitik beenden. „Ich denke, es ist Zeit für den Ausstieg.“ Ähnlich äußerte sich auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Er warnte, dass sich die EZB bei der näher rückenden Abkehr vom Kurs des billigen Geldes nicht von der Politik ausbremsen lassen dürfe. Er erneuerte zudem seine Kritik an den Staatsanleihenkäufen der EZB. „Im Kontext dieser Wertpapierkäufe beeinflussen Veränderungen der Geldpolitik die Finanzierungskosten der Regierungen direkter als Zinsbewegungen", sagte er. Die wichtige Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik werde durch die Transaktionen verwischt.

Einen ersten Mini-Schritt hin in Richtung Kurswende hatte die EZB in der vergangenen Woche gewagt. Sie strich in ihrem Ausblick den bislang stets bekräftigten Hinweis auf die Option noch niedrigerer Zinsen. Zudem beschrieb sie erstmals seit Jahren die Konjunkturrisiken für die Euro-Zone als weitgehend ausgeglichen.

Die EZB pumpt bereits seit März 2015 über den Erwerb von vor allem Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem der Euro-Zone. Dies führte unter anderem dazu, dass die Risikoaufschläge für Staatstitel schuldengeplagter Euro-Länder vergleichsweise niedrig geblieben sind. Experten machen schon länger darauf aufmerksam, dass diese Staaten deutlich höhere Zinslasten stemmen müssen, sollte die EZB aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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