General-Electric-Vize John Rice: „Wir sind im Iran im Nachteil“

General-Electric-Vize John Rice: „Wir sind im Iran im Nachteil“

, aktualisiert 23. Januar 2016, 13:49 Uhr
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„Unsere Kalkulationen sind sicher komplizierter geworden.“

von Torsten RieckeQuelle:Handelsblatt Online

John Rice, Vize-Chef von General Electric, ist Optimist. Im Interview spricht er über Chancen westlicher Unternehmer im Iran, Pläne für die „neue Seidenstraße“ und über Stellenabbau in Frankreich.

Herr Rice, sie gehören zu den wenigen Optimisten hier in Davos. Selbst für China sind Sie zuversichtlich. Warum?
Auch wir glauben nicht, dass in China alles glatt verläuft. Es wird Rückschläge geben. Aber unsere langfristige Einschätzung für China hat sich nicht geändert und die ist positiv.

Selbst wenn das Land weniger in Infrastruktur investiert und dafür sich mehr um den privaten Konsum kümmert?
GE befindet sich ebenfalls in einer Umbauphase. Wir passen uns an. Und der Plan für eine „neue Seidenstraße“ eröffnet für westliche Unternehmen eine neue Möglichkeit, chinesische Konzerne ins Ausland zu begleiten.

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Ist Iran nicht viel interessanter für GE, nachdem die Sanktionen aufgehoben wurden?
Iran ist ein strategisch wichtiges Land und alle westlichen Unternehmen versuchen derzeit, sich dafür in eine gute Position zu bringen. Aber westliche Unternehmen sind immer noch nicht frei, es gibt weiter Einschränkungen. Insbesondere für US-Konzerne. Wir sind damit gegenüber unserer europäischen und asiatischen Konkurrenten im Nachteil.

Sprechen sie mit den Iranern?
Ja, unsere Diskussionen sind aber noch in einem sehr frühen Stadium.

Iran ist eines der wenigen positiven Beispiele, aber insgesamt hat sich doch das geopolitische Umfeld für Unternehmen eher verschlechtert.
Unsere Kalkulationen sind sicher komplizierter geworden. Infrastrukturinvestitionen zum Beispiel in der Energiegewinnung werden jedoch selbst in politisch schwierigen Zeiten getätigt. Man muss also die richtigen Produkte haben. In Saudi-Arabien helfen wir der Regierung, die dortige Wirtschaft zu modernisieren. Das wirtschaftliche Klima dort hat sich wirklich verändert.

Wie sieht es in Europa aus? Sie wollen nach der Übernahme des Energiegeschäfts von Alstom zahlreich Jobs abbauen.
Wir sind damit gerade erst am Anfang und sprechen mit den Betriebsräten und Gewerkschaften. Wir beschäftigen mehr als 100.000 Menschen in Europa. Wir wussten also, dass es nach der Übernahme von Alstom einen Anpassungsbedarf geben würde. Langfristig sollen die Geschäftsbereiche jedoch wachsen.

Und mit dem wirtschaftlichen Klima in Frankreich sind Sie zufrieden?
Wir machen uns in vielen Ländern Sorgen über die Sozialkosten oder die mangelnde Flexibilität. Das gilt nicht nur für Frankreich. Mit der Qualität der Arbeitskräfte in Frankreich sind wir sehr zufrieden.

Wie sieht es in Deutschland?
Deutschland ist ein Markt, wo wir in den vergangenen Jahren zweistellig gewachsen sind. Damit liegen wir weit über dem Wachstum der Gesamtwirtschaft. Wir haben unsere Ressourcen ausgebaut und gehen davon aus, dass wir auch in den kommenden Jahren ähnliche Wachstumsraten erzielen werden.

Herr Rice, vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Torsten Riecke.

Quellle:  Handelsblatt Online
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