Generalversammlung: Credit-Suisse-Chef droht Aktionärs-Schelte

Generalversammlung: Credit-Suisse-Chef droht Aktionärs-Schelte

, aktualisiert 28. April 2016, 16:13 Uhr
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Überraschende Verluste im Anleihengeschäft hat das Vertrauen in Credit-Suisse-CEO Tidjane Thiam angekratzt.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach nur zehn Monaten an der Spitze muss Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam auf der Generalversammlung um die Gunst der Eigner buhlen. Das Vertrauen in den Konzernchef hat nach Aktien-Verlusten massiv gelitten.

ZürichDie Flitterwochen zwischen Credit-Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam und den Aktionären der zweitgrößten Schweizer Bank sind endgültig zu Ende. Nach nur zehn Monaten an der Spitze des Traditionsinstituts muss der einstige Hoffnungsträger auf der Generalversammlung vom Freitag bereits um die Gunst der Eigner buhlen.

Vor allem überraschende Verluste im Anleihengeschäft hat das Vertrauen in den ehemaligen Versicherungsmanager und McKinsey-Berater angekratzt. „Das ist einer der Nachteile, wenn man jemanden einstellt, der möglicherweise brillant ist, aber nicht 15 oder 20 Jahre Erfahrung im diesem Geschäft hat“, sagt ein Investor, der seine Beteiligung kürzlich zurückgefahren hat.

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Wie die Deutsche Bank und andere globale Geldhäuser sucht auch die Credit Suisse nach einem neuen Geschäftsmodell, um trotz den höheren Anforderungen der Regulatoren wieder viel Geld zu verdienen. Thiams Rezept: Das riskante Investmentbanking zurückstutzen und das Wachstum der Vermögensverwaltung mit den Reichen Asiens ankurbeln. Dazu hat sich die Bank bereits sechs Milliarden Franken an frischem Kapital geholt, weiteres Geld soll der für das kommende Jahr geplante Teil-Börsengang des Schweiz-Geschäfts bringen. „Er versucht, einige knifflige Dinge zu bewerkstelligen und das Vertrauen in ihn ist gering“, sagte Hermes-Credit-Analyst Filippo Alloatti. Um die Anleger wieder für sich zu gewinnen, sei er auf eine Reihe guter Ergebnisse angewiesen. Kurzfristig sei das aber nicht zu machen. „Was Thiam jetzt braucht, ist Glück, erklärte Alloatti.

Seit dem Amtsantritt des Ivorers im Juli hat Credit Suisse an der Börse rund 40 Prozent an Wert verloren, weit mehr als die meisten Konkurrenten. Thiam selbst muss nicht darben. Auch nach einem freiwilligen Verzicht auf einen Teil seines Bonus streicht er immer noch 18,9 Millionen Franken ein und ist zur Zeit damit der bestverdienende Manager in der Schweiz. Dagegen regt sich nun Widerstand. Mit Glass Lewis, Ethos und zRating sprechen sich gleich drei Stimmrechtsberater dafür aus, bei Teilen oder allen vier Abstimmungen zu den Gehältern den "Nein"-Knopf zu drücken. Dank der Unterstützung des einflussreichsten Beraters, der amerikanischen ISS, dürfte sich die Bank-Spitze mit ihren Vorschlägen allerdings durchsetzen. Es sei das Recht jedes Aktionärs, sich eine Meinung zu bilden und öffentlich zu diskutieren, erklärte Credit Suisse.

Dabei könnte die Diskussion über Verluste im Anleihehandel neue Ungemach bringen, bis hin zu Rechtstreitigkeiten. Im Verlauf von knapp zwei Quartalen hat das Institut mit notleidenden Krediten und anderen Bereichen des Anleihengeschäfts rund eine Milliarde Dollar verloren. Thiam erklärte, er selbst und andere Top-Manager seien über die Handels-Positionen erst im Januar voll ins Bild gesetzt worden. Doch Anleger kritisieren, dass die Bank den Umfang der illiquiden Positionen bereits in Zusammenhang mit der Kapitalerhöhung im November hätten offenlegen müssen.

„Ich glaube nicht, dass Credit Suisse das Thema so schnell hinter sich lassen kann, wie sie gerne hätten“, erklärte Jupiter -Fondsmanager Guy de Blonay. „Ich glaube, dass es eine echte Chance eines Rechtsstreits mit Investoren gibt.“ Die Bank hält dagegen und erklärt, dass sie alle relevanten Informationen im Prospekt zur Kapitalerhöhung veröffentlicht habe. Auf die leichte Schulter nehmen die Investoren die Sache aber offenbar nicht: „Die Leute sind stocksauer, und wenn sie stocksauer sind, suchen sie nach Wegen, sich besser zu fühlen“, sagte der erste Investor. „Aktionäre können sich mit Gerichtsverfahren in den eigenen Fuß schießen, aber manchmal klagen Leute, um einen Punkt zu machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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