Genossenschaftsbanken : Das Schrumpfen der Volksbanken

Genossenschaftsbanken : Das Schrumpfen der Volksbanken

, aktualisiert 24. Mai 2017, 19:39 Uhr
Bild vergrößern

Bei Volks- und Raiffeisenbanken stehen viele Fusionen bevor. Ihre Zahl sank im vergangenen Jahr unter 1000.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Frankfurter Volksbank zählt zu den größten Genossenschaftsbanken in Deutschland. Jetzt fusioniert sie mit einem kleineren Geldhaus – mal wieder.

FrankfurtIm vergangenen Jahr ist die Zahl der Genossenschaftsbanken unter 1000 gesunken. 970 Volks- und Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD Banken und Spezialinstitute gab es Ende 2016. Und es werden immer weniger. Das liegt auch ein bisschen daran, dass die große Frankfurter Volksbank immer wieder kleine Geldhäuser aus der Region schluckt.

Jetzt wird auch die Vereinigte Volksbank Maingau aus Obertshausen südöstlich von Frankfurt bald mit dem weitaus größeren Schwesterinstitut fusionieren. Die beiden Banken schlossen einen „Kooperationsvertrag mit dem Ziel eines Zusammenschlusses im laufenden Jahr“, wie sie beide mitteilten.

Anzeige

Nach der Fusion kommt die Frankfurter Volksbank auf eine Bilanzsumme von gut elf Milliarden Euro und wird damit zur fünfgrößten Genossenschaftsbank in Deutschland – nach dem Spitzeninstitut DZ Bank, der Deutschen Ärzte- und Apothekerbank, der Sparda-Bank Baden-Württemberg und der Berliner Volksbank. Bisher rangierten die Frankfurter auf Platz sieben.

Die Frankfurter Volksbank hat viel Erfahrung mit Zusammenschlüssen. Seit 1998 hat sie bereits 15 Fusionen hinter sich gebracht, so die „Börsen-Zeitung“. Erst kürzlich wurde bekannt, dass auch die Volksbank Griesheim bei den Frankfurtern unterschlüpft – wie zuvor das Höchster Pendant.

Auch jetzt gehen die beiden Geldhäuser aus Frankfurt und Maingau davon aus, dass sie gemeinsam besser zurecht kommen – wobei das besonders für den kleineren Partner gelten dürfte. „Das wirtschaftliche Umfeld in der Region ist geprägt von intensivem Wettbewerb und zunehmender Konkurrenz“, so die zwei Banken. Zudem rechnen sie nicht damit, dass die niedrigen Zinsen bald steigen.

Der Großteil der Gesamterträge regionaler Banken - rund 80 Prozent - stammt aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen. Doch die Marge im Kreditgeschäft schrumpft, zum anderen ist es für die Regionalbanken schwer, mit ihren eigenen Anlagen noch etwas zu verdienen. Wer sicher investieren will, bekommt dafür fast keine Rendite - zumal die Europäische Zentralbank Anleihen im großen Stil aufkauft.

Der Zusammenschluss ist ein Zeichen dafür, welche Herausforderung kleine Banken derzeit sehen. Als Gründe für die Fusion nannten die zwei Geldhäuser daneben die regulatorischen Anforderungen und die Digitalisierung der Branche.


Fusionierte Bank kommt auf acht Vorstände

Für einen ähnlichen Schritt dürften sich viele weitere kleine Kreditinstitute entscheiden. Topmanager rechnen mit einem Bankensterben in Deutschland. Sie gehen davon aus, dass die Zahl der Institute bis zum Jahr 2025 um 20 Prozent schrumpft. Für die Sparkassen würde das bedeuten, dass dann noch knapp 320 Sparkassen aktiv sind – statt derzeit 396.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Frankfurter Beratungsfirma Investors Marketing. Befragt hat Investors Marketing 106 Topmanager – vor allem von Sparkassen, genossenschaftlichen und privaten Banken, die Hälfte davon ist Mitglied im Vorstand oder der Geschäftsführung.

Übertragen auf den Sektor der Volks- und Raiffeisenbanken würde die Prognose heißen, dass es in acht Jahren noch 780 Banken gäbe. Die Zahl der Genossenschaftsbanken war 2016 erstmals unter 1000 gerutscht, auf zuletzt 972. Für dieses Jahr geht der Bundesverband BVR von 60 bis 80 Fusionen aus. Auch bei Sparkassen nahm das Fusionstempo zuletzt zu. Die Berater von Investors Marketing selbst meinen, dass die Zahl der Banken bis 2025 sogar um 26 Prozent sinkt – also auf rund 300 Sparkassen und etwa 700 Genossenschaftsbanken.

Sinken wird nach der Fusion in Frankfurt allerdings eines zunächst nicht: die Zahl der Vorstände. Die drei Vorstände aus Obertshausen wechseln alle zur Frankfurter Volksbank, die dann insgesamt acht Manager im Spitzengremium hat.

Das Phänomen zu großer Vorstandsgremien ist nach Fusionen im genossenschaftlichen Sektor häufig zu sehen. Chefin in Frankfurt ist Eva Wunsch-Weber – eine der ganz wenigen Frauen, die eine Volksbank führt. Mehrere Vorstände sind allerdings Mitte 50 bis Anfang 60 und gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%