Genossenschaftsbanken : Die Volksbank, die keine Aktiengesellschaft mehr sein will

Genossenschaftsbanken : Die Volksbank, die keine Aktiengesellschaft mehr sein will

, aktualisiert 23. Mai 2016, 16:29 Uhr
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Eigentlich sind alle Volksbanken als Genossenschaft organisiert. In Sindelfingen allerdings ist das anders. Doch nun will auch die Vereinigte Volksbank keine Aktiengesellschaft mehr sein.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Normalerweise ist klar: Eine Volk- oder eine Raiffeisenbank ist auch eine Genossenschaft. Nicht so in Sindelfingen. Die Vereinigte Volksbank hat die Rechtsform der AG – aber wohl nicht mehr lange.

FrankfurtDie Vereinigte Volksbank aus Singelfingen ist eine ganz normale Volksbank. Zumindest auf den ersten Blick. Es gibt jedoch eine Besonderheit: Die Vereinigte Volksbank will Genossenschaft werden. Sie zählt zwar zu den gut 1000 Genossenschaftsbanken in Deutschland, ist bisher aber in der Form einer Aktiengesellschaft (AG) organisiert. Eine große Ausnahme.

Noch. Denn nun will die Vereinigte Volksbank ihre Rechtsform wechseln und von der AG zur eingetragenen Genossenschaft (eG) werden – so wie die anderen Volks- und Raiffeisenbanken. Das kündigte kürzlich der Vorstandschef, Wolfgang Klotz, an.

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Darüber sollen die Anteilseigner bis Mitte kommenden Jahres, frühestens in diesem Oktober, abstimmen. Dabei ist die Vereinigte Volksbank Sindelfingen seit 1882 eine AG. Die Eigentümer der damaligen Gewerbebank Böblingen, die eine eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht war, entschieden sich damals für die AG und dafür, nur beschränkt haften zu müssen. Das heutige Geldhaus ist aus etlichen Fusionen benachbarter Genossenschaftsbanken hervorgegangen.

Weitere Zusammenschlüsse mit anderen Volks- oder Raiffeisenbanken würden für die Vereinigte Volksbank künftig leichter – schließlich sind die alle in der Form einer eG organisiert. „Wir sind überzeugt, dass die eingetragene Genossenschaft die passendere Gesellschaftsform für eine Volksbank ist“, sagt ein Sprecher des Kreditinstituts. Er weist auf mehrere Vorteile hin. So könne die Bank als eG ihre Mitglieder mehr fördern. „In einer AG sind zum Beispiel Bonusprogramme für Anteilseigner nach dem Aktienrecht nicht erlaubt“, so der Sprecher.


Eine andere kleinere Bank wäre künftig die absolute Ausnahme

Viele Volksbanken haben Bonusprogramme, die sich nach der Intensität der Geschäftsbeziehung des Mitglieds mit der Bank richten. Spart ein Kunde besonders viel oder fragt Kredite nach, bekommt er beispielsweise Bonuspunkte gutgeschrieben, die er später in Barzahlungen tauscht.

Hinzu kommt: Ein Aktienkurs kann steigen oder fallen. Und angesichts der Nullzinsen und sinkender Erträge in der Finanzbranche muss auch die Vereinigte Volksbank damit rechnen, dass der Aktienkurs nicht unbedingt steigt.

Ganz allein als AG steht die Vereinigte Volksbank aus Sindelfingen derzeit allerdings nicht da. Die Gladbacher Bank von 1922 ist auch eine AG. Das Institut aus Mönchengladbach ist mit einer Bilanzsumme von 760 Millionen Euro deutlicher kleiner als die Vereinigte Volksbank, die immerhin auf 2,7 Milliarden Euro und Platz 46 in der Rangliste der Genossenschaftsbanken kommt.

Ebenfalls eine AG ist die Bank für Sozialwirtschaft, die noch bis 1997 eine GmbH war. Sie gehört aber auch keinen privaten Kunden, sondern Unternehmen der Sozial- und Gesundheitswirtschaft. Größte Aktionäre der Nummer fünf unter den Genossenschaftsbanken sind der Deutsche Caritasverband und die Diakonie Deutschland.

Quelle:  Handelsblatt Online
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