Genossenschaftsbanken: Vom Ländle ins ganze Land

Genossenschaftsbanken: Vom Ländle ins ganze Land

, aktualisiert 18. Mai 2017, 16:01 Uhr
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Die Sparda-Bank Baden-Württemberg aus Stuttgart will künftig Kunden nicht nur in Baden-Württemberg, sondern in ganz Deutschland bedienen.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Sparda-Bank Baden-Württemberg ist neuerdings deutschlandweit tätig. Die drittgrößte Genossenschaftsbank kratzt so am Regionalprinzip ihrer Branche. Sie bedient zudem jetzt auch kleine Firmen.

Frankfurt Die Sparda-Bank Baden-Württemberg spricht selbst von einem „großem Schritt“. Und in der Tat: Sie will künftig in ganz Deutschland Geld verdienen – und nicht nur in ihrem bisherigen Geschäftsgebiet Baden-Württemberg. Das Stuttgarter Geldhaus wird zwar keine Filialen außerhalb Baden-Württembergs einrichten, aber Kunden online bundesweit bedienen.

Damit bricht die größte Sparda-Bank und die – nach dem Spitzeninstitut, der DZ Bank, und der Deutschen Ärzte- und Apothekerbank – drittgrößte Genossenschaftsbank mit dem so genannten Regionalprinzip. Es besagt, dass sich die regional verankerten Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch Sparda-Banken und PSD Banken nur Kunden in ihrem angestammten Geschäftsgebiet bedienen.

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Spannend wird nun, wie andere Sparda-Banken und weitere Genossenschaftsbanken reagieren. Das Regionalprinzip wird in der genossenschaftlichen Gruppe – ähnlich wie bei den Sparkassen – eigentlich hochgehalten, damit sich die benachbarten Geldhäuser nicht gegenseitig Konkurrenz machen.

Für viel Aufsehen hat der Fall der PSD Bank Niederbayern-Oberpfalz aus Regensburg gesorgt. Sie hatte ab 2014 an ihr Geschäft nicht mehr auf die Heimatregion beschränkt, sondern bot ihre Dienstleistungen bundesweit an. Damit steigerte das Geldhaus zwar seinen Gewinn auf Rekordniveau, zog jedoch den Zorn der 14 übrigen Institute und den des PSD-Verbandes auf sich. Den folgenden Streit, bei dem sich zwischenzeitlich sogar das Bundeskartellamt eingeschaltet hatte, haben die Genossen erst kürzlich beendet.

„Wir sind uns der Umwälzung bewusst“, sagte ein Sprecher der Sparda-Bank Baden-Württemberg. Man könne sich gut vorstellen, dass auch die eine oder andere Sparda-Bank diesen Weg gehe. Insgesamt gibt es zwölf Sparda-Banken. Die erste von ihnen wurde 1896 als Spar- und Vorschuss-Verein der badischen Eisenbahnbeamten in Karlsruhe gegründet. Die Zahl der Genossenschaftsbanken in Deutschland liegt derzeit insgesamt bei rund 970.


Mehr Geschäft hilft im Kampf gegen Minizinsen

Der Verband der Sparda-Banken zeigt sich derweil entspannt: Die Gruppe und der Verband seien über die Änderungen bei der Sparda-Bank Baden-Württemberg schon länger im Bilde und trügen diese mit, so eine Sprecherin des Verbandes, der sich aus der Geschäftspolitik der einzelnen Kreditinstitute heraushält. Es sei nachvollziehbar, auch bei den digitalen Dienstleistungen neue Wege einzuschlagen. Aus Sicht des Verbands „gilt das Regionalprinzip unverändert für das Kerngeschäft der Sparda-Banken in den Filialen“.

Die Sparda-Bank Baden-Württemberg begründet ihren Schritt mit der Digitalisierung des Geschäfts. „Die Menschen werden immer mobiler. Sie ziehen aus Baden-Württemberg weg und wollen trotzdem noch von uns betreut werden“, sagt Bankchef Martin Hettich. „Diese Kunden können wir nun weiterhin über die digitalen Wege betreuen.“ Allerdings richtet sich das Geldhaus auch an neue Kunden außerhalb Baden-Württembergs, mit denen sie bisher keinen Kontakt hat.

Parallel verändern die Stuttgarter ihr Geschäftsmodell noch weiter: Während sich die Bank – wie alle Sparda-Banken – bisher nur an Privatkunden richtet, will sie nun auch kleine Firmen wie Gewerbetreibende, Selbstständige und Freiberufler betreuen. Sie können neuerdings ein Konto bei der Sparda-Bank Baden-Württemberg eröffnen.

Beide Schritte dürften dem Geldhaus auch im Ringen mit den Niedrigzinsen helfen. Angesichts der Minizinsen sinken die vor allem für die regionalen Geldhäuser wichtigen Zinserträge. Mit mehr Geschäft, also mehr Kreditvergabe, können sie sich gegen diesen Effekt stemmen.

Die Sparda-Bank Baden-Württemberg steht allerdings heute vergleichsweise gut da, wie ihre Kosten-Ertragsrelation von 56 zeigt. Sie muss also 56 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Bei vielen anderen Genossenschaftsbanken liegt dieses Verhältnis bei über 70. Zudem will Hettich am kostenlosen Girokonto der Bank festhalten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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