George Soros in Davos: „Das ist nicht die richtige Zeit zum Kaufen“

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George Soros in Davos: „Das ist nicht die richtige Zeit zum Kaufen“

, aktualisiert 21. Januar 2016, 23:14 Uhr
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Finanzinvestor George Soros im Jahr 2012.

von Daniel Schäfer Quelle:Handelsblatt Online

Unkonventionelle Ansichten sind das Markenzeichen von George Soros. In Davos stellt er nicht nur klar, wie er die Zukunft der Finanzmärkte sieht. Auch über die EU, Schäuble und Trump hat der Starinvestor eine Meinung.

Schon vor zwei Wochen hatte Starinvestor George Soros für Furore gesorgt, als er die desolate Lage an den Finanzmärkten mit der Zeit kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 verglich. Jetzt legt er nach: Bei einem Dinner am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte der 85-jährige Milliardär, die Ursache für die derzeitigen Turbulenzen seien in China zu suchen. Dort sei eine harte Landung unvermeidbar, sagte er bei dem Abendessen im mondänen Seehotel.

China exportiere Deflation und sei hoffnungslos überschuldet, mit einer Schuldenlast, die dem Dreifachen des Bruttoinlandsprodukts entspreche. "Eine harte Landung hat schon stattgefunden und wird auf den Rest der Welt abstrahlen", sagte Soros.

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Der in Ungarn geborene Investor hat sich immer wieder durch unkonventionelle Ansichten und markante Sprüche hervorgetan. Berühmt wurde er mit erfolgreichen Spekulationen gegen das britische Pound in der 90er Jahren.

Nach eigener Aussage gibt Soros jährlich rund eine Milliarde Dollar für wohltätige Zwecke. Er engagiert sich für eine offene Gesellschaft und spielte vor einem Vierteljahrhundert eine wichtige Rolle bei den politischen Umstürzen in Osteuropa.

In Davos sagte er, anders als in den 1930er Jahre sei die Welt heute schon überschuldet in die Krise gerutscht. Die einzige Lösung sei es daher, Geld zu drucken. "Die Europäische Zentralbank darf das nicht, also muss sie einen anderen Weg finden." Zudem äußerte er die Einschätzung, die Fed habe mit ihrer Zinserhöhung im Dezember einen Fehler gemacht - den sie aber durch eine Senkung des Zinssatzes wieder korrigieren könne.


„Leider scheint die EU das Rennen zu gewinnen“

Der Starinvestor äußerte sich auch pessimistisch über die Zukunft der Europäischen Union: Sie wetteifere mit Russland darum, wer zuerst kollabiere. "Leider scheint die EU das Rennen zu gewinnen."

In der Eurokrise hatte sich Soros stets gegen die Meinung von Bundesfinanzminister Schäuble gestellt. In Davos stimmt er Schäuble zu - angesichts dessen Vorschlags, Milliarden für die Versorgung von Flüchtlingen im Nahen Osten bereit zu stellen. Ein solcher Marshallplan für die Nachbarstaaten Syriens sei zu begrüßen, sagte Soros.

Der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump kann bei Soros dagegen nicht punkten. Der Starinvestor holte in Davos mit einer stark zugespitzten These aus: "Donald Trump spielt in die Hände des Islamischen Staates, weil er die Achillesferse der westlichen Zivilisation entdeckt hat: die Angst vor dem Tod." Trump hatte sich nach den Terroranschlägen in den vergangenen Monaten durch islamfeindliche Äußerungen wie einem Einreiseverbot für Muslime in die USA hervorgetan.

Mit seinem Vergleich mit dem Jahr 2008 hatte Soros zuletzt viel Aufmerksamkeit, aber wenig Zustimmung gefunden. Sein Rat an die Anleger? "Das ist nicht die richtige Zeit um zu kaufen. Diejenigen, die verkaufen müssen, sollten es jetzt tun."

Quellle:  Handelsblatt Online
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