German Pellets: Mehr Zeit bis zur Insolvenzeröffnung

German Pellets: Mehr Zeit bis zur Insolvenzeröffnung

, aktualisiert 01. April 2016, 06:23 Uhr
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Produktion wieder hochgefahren.

von Gertrud Hussla und Andreas DörnfelderQuelle:Handelsblatt Online

Beim angeschlagenen Brennstoffhersteller German Pellets hat die Insolvenzverwalterin wohl bis zum 1. Mai Zeit, um den Betrieb zu stabilisieren und einen Käufer zu finden. Bis dahin sind die Löhne sicher. Nur die Sachsen-Tochter dürfte früher abgewickelt werden.

WismarDie vorläufige Insolvenzverwalterin des Wismarer Brennholzherstellers German Pellets, Bettina Schmudde, hat bis zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vier Wochen mehr Zeit, als ursprünglich abzusehen war.  Sie erwarte die Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf ihre Empfehlung hin zum 1. Mai. erläuterte ein Sprecher.  Das Amtsgericht Schwerin muss diesem Termin noch zustimmen. Für die Konzerntochter German Pellets Sachsen, zu der auch das Werk in Torgau gehört, ist dagegen bereits zum 1. April eine Verfahrenseröffnung zu erwarten.

Da die Bundesagentur für Arbeit (BfA) nur drei Monate lang Insolvenzgeld bezahlt, wäre eigentlich auch für die Konzernmutter in Wismar der Stichtag für eine Verfahrenseröffnung der 1. April gewesen. Die Löhne und Gehälter hatte das Unternehmen seit Januar nicht bezahlt. Damit wäre die Zeit, in der die BfA Lohnzahlungen übernimmt, bereits Ende März abgelaufen.

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German Pellets kann nun dank eines Massekredits und neuer Einnahmen  die Lohnzahlungen des ersten Monats ablösen und einen weiteren Monat lang Insolvenzgeld für die  Mitarbeiter erhalten, erläuterte der Sprecher der Insolvenzverwalterin. Damit gewinne Schmudde Zeit, um nach Wismar ein zweites Werk der komplett stillgelegten Produktion hochzufahren, nämlich das in Ettenheim. Sie könne den Konzern so bis zur offiziellen Insolvenzeröffnung weiter stabilisieren und für Investoren attraktiver machen. Für die German Pellets Sachsen liegt nach Auskunft des Amtsgerichts Schwerin dagegen bereits ein Insolvenzgutachten vor. Damit dürfte das Insolvenzverfahren für die Konzerntochter umgehend eröffnet werden.

30 Interessenten im engeren Gespräch

Die Wismarer Konzernmutter German Pellets GmbH befindet sich seit 10. Februar in einem vorläufigen Insolvenzverfahren. German Pellets bezeichnete sich selbst als den weltgrößten Hersteller von Holzpellets, mit einem Gesamtumsatz von rund 600 Millionen Euro und 650 Konzernmitarbeitern. Einen Teil des rasch gewachsenen Umsatzes  soll das Unternehmen aber durch interne Buchungen generiert haben. Eine Unternehmens-Sprecherin machte dazu bislang keine Angaben. German Pellets hatte bei Privatanlegern  mehrere hundert Millionen Euro Geld eingesammelt.

Nachdem der Gläubigerausschuss der Ablösung des Insolvenzgelds zugestimmt hat, hat nun  Insolvenzverwalterin Schmudde auch für die Investorensuche mehr Zeit. Sie war zuletzt mit rund 30 Interessenten im engeren Gespräch. Insgesamt hatten sich etwa 130 Interessenten gemeldet, sagte die Rechtsanwältin bereits am vergangenen Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Gesprochen werde aber nur mit kapitalstarken Unternehmen, die eine Fortführung der Geschäfte gewährleisten könnten. Sie sei durchaus optimistisch, betonte Schmudde.

Nach mehreren Monaten des Stillstandes hatte Anfang März das Stammwerk in Wismar wieder mit der Pelletproduktion begonnen.  Die Vorbereitungen für die Produktion in Ettenheim  werden bereits seit Anfang dieser Woche getroffen.  Das Werk in Torgau soll nun offenbar vorerst nicht in Betrieb genommen werden sondern gleich in ein Insolvenzverfahren überführt werden.

Rätsel um ein Kohlekraftwerk

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock gegen Gründer und Geschäftsführer Peter Leibold wegen möglicher Unterschlagung von 27 Millionen Euro zu Lasten eines Finanziers und wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung, der Untreue, des Bankrotts und der Steuerhinterziehung. Auch der Wirtschaftsprüfer des Unternehmens, Hans-Dieter Alt, steht im Fokus der Ermittlungen. Hier geht es um mögliche Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Weder Leibold noch Alt äußerten sich dazu.

Neuigkeiten gibt es auch bei dem seltsamen Kraftwerks-Deal in Belgien. Dort hatte German Pellets am 8. Januar ein früheres Eon-Kohlekraftwerk gekauft. Peter Leibold soll es drei Tage später an eine Wiener Gesellschaft weitergereicht haben, die außerhalb seines Unternehmens steht. Kurz nach der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens trat Leibold vor der Belegschaft in Belgien auf und versprach, umgehend einen Investor zu finden und das Kraftwerk auf die Verbrennung von Holzpellets umzurüsten. Doch das ist bis heute nicht geschehen.

Der Eon-Kraftwerkstochter Uniper soll wegen der Pleite von German Pellets ein Schaden in Millionenhöhe drohen. Nach Recherchen der WirtschaftsWoche hatte Uniper zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags lediglich eine Anzahlung von 2,5 Millionen Euro für den Verkauf erhalten. Der Rest, 19,5 Millionen Euro, soll noch ausstehen.

Die vorläufige Insolvenzverwalterin Schmudde prüft, ob sie den angezahlten Betrag zurückfordert. Dazu wäre Schmudde verpflichtet, sollte sie feststellen, dass der Energiekonzern zum Zeitpunkt des Verkaufs Kenntnis von den Zahlungsschwierigkeiten des Biomasseherstellers hatte. Ein Uniper-Sprecher äußerte sich gegenüber der Wirtschaftswoche nicht zu den Details des Geschäfts.

Webseite verhilft Gläubigern zur Registrierung

Mit der Pleite drohen tausenden Anlegern, die Anleihen in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro gezeichnet haben, hohe Verluste bis hin zum Totalverlust. Ebenso müssen die Zeichner von Genussrechten in Höhe von 44 Millionen Euro um ihr Geld bangen. Von der Schieflage sind indirekt auch die Gläubiger zweier mit German Pellets verbundener Produktionsstätten in den USA betroffen.

Anleihegläubiger der German Pellets GmbH können sich auf einer Webseite registrieren. Dort erfahren sie nicht nur alle Neuigkeiten zum Verfahren. Sie würden nach ihrer Registrierung auch rechtzeitig von der Insolvenzverwalterin schriftlich aufgefordert, sich als Gläubiger in der Insolvenztabelle anzumelden, versichert das Insolvenzverwalterteam. Diese Registrierung ist ebenso wie alle weiteren Verfahrens-Schritte für Anleihegläubiger kostenlos.

Quelle:  Handelsblatt Online
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