Gerry Weber: Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

Gerry Weber: Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

, aktualisiert 26. Februar 2016, 09:24 Uhr
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Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber will jede zehnte Filiale schließen.

von Georg WeishauptQuelle:Handelsblatt Online

Der Modekonzern Gerry Weber muss nach einem Gewinneinbruch hart sparen: Firmenchef Ralf Weber schließt jede zehnte Filiale, streicht auch in der Zentrale Jobs und startet eine neue Marke.

Halle/WestfalenDie ruhigen Zeiten bei Gerry Weber sind vorbei. Nach einem deutlichen Gewinneinbruch im vergangenen Jahr greift Vorstandschef Ralf Weber durch. „Gerry Weber steht vor der herausforderndsten Situation seiner Unternehmensgeschichte“, machte Weber am Freitagmorgen klar, als er seine Einschnitte in einer Pressemitteilung ankündigte.

Am härtesten trifft es das Filialnetz des Unternehmens aus Halle/Westfalen. Weber will 103 Filialen von insgesamt 1000 vom Unternehmen geführten Läden und Handelsflächen in diesem und nächstem Jahr schließen. „Die starke Ausweitung der eigenen Salesfläche hat sich als zu ambitioniert erwiesen“, sagte Norbert Steinke, der für den Einzelhandel zuständige Manager.

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Unternehmensgründer Gerhard Weber hatte den Ausbau der eigenen Läden massiv vorangetrieben. Das ging lange Zeit gut. Doch inzwischen sind Jacken, Röcke und Blusen von Gerry Weber an jeder Ecke zu haben. Die Folge: Die Umsätze des eigenen Einzelhandels gingen auf vergleichbarer Fläche zurück.

Für das bis Ende Oktober laufende Geschäftsjahr rechnen die Westfalen bei einem Umsatzrückgang auf 890 bis 920 Millionen Euro mit einem drastischen Einbruch des Gewinns vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 10 bis 20 Millionen Euro. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war diese Kennzahl bereits um mehr als ein Viertel auf gut 79 Millionen Euro eingebrochen. Zu einem profitablen Wachstum will Weber erst „in 18 bis 24 Monaten“ zurückkehren.

Außerdem muss Ralf Weber, der das Unternehmen vor gut einem Jahr von seinem Vater übernahm, die Marke verjüngen. Denn auch die lange Zeit treuen Kundinnen über 40 Jahren kaufen inzwischen modischer bei Konkurrenten wie den großen Filialisten Mango, H&M oder Zara ein.

Weber will die Marken der Gerry-Weber-Gruppe – „Gerry Weber“, „Taifun“ und „Samoon“ – deshalb künftig als selbstständige Einheiten führen. Außerdem sollen sie schneller auf aktuelle Modetrends reagieren. Der Konzern testet zurzeit auch eine neue Marke. Einzelheiten wollte das Unternehmen bisher nicht nennen. Die neue Marke soll nach bisherigen Informationen aus Fachmedien für junge Mode im neuen Mainstream-Stil stehen.

Das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre auf einen Umsatz von jetzt 920,8 Millionen Euro hat zu einem Wildwuchs in der Konzernzentrale geführt. Weber will nun die Organisation verkleinern und 200 Stellen in der Zentrale sowie 50 im Ausland streichen. Damit will er ab dem Geschäftsjahr 2017/18 Sach- und Personalkosten von 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr sparen. Außerdem bedeuten die Filialschließungen dort einen Personalabbau. Rund 460 Beschäftigte in den Läden in Deutschland und im Ausland müssen gehen.

Das ostwestfälische Unternehmen leidet wie die gesamte deutsche Modebranche. Zwei milde Winter in Folge haben den Verkauf von Winterware extrem erschwert. So war die Rabattschlacht in diesem Winter besonders extrem und lange.

Quelle:  Handelsblatt Online
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