Geschäftsjahr 2015: Bundesbank erzielt mehr Gewinn

Geschäftsjahr 2015: Bundesbank erzielt mehr Gewinn

, aktualisiert 24. Februar 2016, 11:02 Uhr
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Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, überweist in diesem Jahr dem Bundesfinanzminister einen höheren Betrag.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Gewinn der Deutschen Bundesbank erfreut Jahr für Jahr den Bundesfinanzminister. Für 2015 ist der Geldsegen aus Frankfurt am Main etwas üppiger ausgefallen als ein Jahr zuvor.

FrankfurtDie Deutsche Bundesbank hat im Geschäftsjahr 2015 einen Überschuss von 3,2 Milliarden Euro erzielt, nach 3,0 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Gewinn wurde heute in voller Höhe an den Bund überwiesen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann verwies auf eine Zunahme beim Nettoergebnis aus Finanzoperationen, Abschreibungen und Risikovorsorge, denen ein niedrigerer Nettozinsertrag gegenübergestanden habe. Im Ergebnis hat dies zu einem leichten Plus im Vorjahresvergleich geführt, sagte er auf der Jahrespressekonferenz der Bundesbank.

Für 2014 hatte die Bundesbank 2,95 Milliarden Euro Gewinn an Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) überwiesen. Das Zinstief drückte in dem Jahr den Überschuss ebenso wie Milliarden-Rückstellungen für Kreditrisiken infolge der gemeinsamen Geldpolitik unter Regie der Europäischen Zentralbank (EZB).

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Andererseits sind die von der Bundesbank kritisch beurteilten Anleihenkäufe auch eine Einnahmequelle. Denn wenn die Papiere auslaufen, die die Euro-Notenbanken während der Schuldenkrise erworben haben, kommen die Erträge anteilig auch der Bundesbank zugute. Zudem könnte die Bundesbank Rückstellungen für als riskant eingeschätzte Wertpapiere verringern - das würde den Gewinn erhöhen. Schäuble hatte im Haushalt für dieses Jahr 2,5 Milliarden Euro von der Bundesbank eingeplant. Was darüber hinaus geht, soll in eine Rücklage zur Finanzierung der Kosten der Flüchtlingszuwanderung fließen.

Maßgeblich für den Bundesbankgewinn waren im vergangenen Jahr die Zinserträge in Höhe von 3,3 Milliarden Euro (im Vorjahr: 4,0 Milliarden Euro), von denen 2,9 Milliarden Euro (im Vorjahr: 3,8 Milliarden Euro) auf Zinserträge in Euro entfielen. Dem standen Zinsaufwendungen von 1,0 Milliarden Euro (im Vorjahr: 0,9 Milliarden Euro ) gegenüber, so dass sich ein Nettozinsertrag von 2,3 Milliarden Euro (im Vorjahr: 3,1 Milliarden Euro) ergab. Dies ist angesichts im Jahresdurchschnitt nochmals herabgesetzter EZB-Leitzinsen der niedrigste Nettozinsertrag seit Beginn der Währungsunion. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch den fälligkeitsbedingten Rückgang von Wertpapieren in den geldpolitischen Portfolios aus den abgeschlossenen Ankaufprogrammen.

Die Bilanzsumme der Bundesbank belief sich zum 31. Dezember 2015 auf 1.012,0 Milliarden Euro (im Vorjahr: 770,8 Milliarden Euro). Die Bundesbankbilanz 2015 ist weiterhin geprägt von geldpolitischen Aktivitäten, die vor allem im Zusammenhang mit der Finanz- und Staatsschuldenkrise stehen, sagte Joachim Nagel, Mitglied des Vorstands und zuständig für Rechnungswesen und Controlling. Dabei ist die Bilanzsumme kräftig gestiegen und hat nach 2012 abermals eine Billion Euro überschritten, fügte er hinzu.


Weidmann sieht Wirtschaft in guter Verfassung

Positionen in der Bilanz der Deutschen Bundesbank, die Marktpreisschwankungen unterliegen wie beispielsweise Gold und Devisenbestände, werden grundsätzlich zu Marktpreisen bewertet. Die dabei anfallenden Bewertungsgewinne sind nicht erfolgswirksam, sondern werden in einem passivischen Ausgleichsposten aus Neubewertung ausgewiesen. Dieser beläuft sich zum Jahresende auf 105,7 Milliarden Euro (im Vorjahr: 104,5 Milliarden Euro). Durch Wechselkurseffekte ergeben sich bei den Fremdwährungen um 3,1 Milliarden Euro höhere Bewertungsgewinne, während sich beim Gold die Neubewertungsreserve um 1,7 Milliarden Euro auf 97,8 Milliarden Euro verringert.

Gleichzeitig hat sich in diesem Jahr die Risikovorsorge der Bundesbank sich leicht um 0,8 Milliarden auf nun 13,6 Milliarden Euro verringert. Traditionell resultieren Risiken in der Bundesbankbilanz primär aus der Verwaltung der Währungsreserven.

Der deutschen Wirtschaft bescheinigte Bundesbankpräsident Weidmann eine insgesamt gute Verfassung. Dies zeigt sich auch darin, dass die Beschäftigung im vergangenen Jahr abermals einen neuen Höchststand erreichte und die Arbeitslosigkeit weiter zurückging, erklärte er. Den merklich gestiegenen Arbeitseinkommen standen nur geringe Preissteigerungen gegenüber, so dass sich die real verfügbaren Einkommen spürbar erhöhten", so der Bundesbankpräsident. Entsprechend sei der private Verbrauch im vergangenen Jahr der wesentliche Konjunkturtreiber gewesen. "Und auch in diesem Jahr dürfte eine lebhafte Binnennachfrage die wirtschaftliche Entwicklung tragen, die trotz leicht gestiegener Risiken klar aufwärtsgerichtet sein wird, sagte er.

Mit Blick auf den Euro-Raum verwies Weidmann darauf, dass dort die Wirtschaftsaussichten alles in allem ebenfalls aufwärts gerichtet seien. "Die allmähliche wirtschaftliche Erholung des Euro-Raums dürfte sich auch im laufenden und nächsten Jahr fortsetzen", so der Bundesbankpräsident. Zu der – angesichts des sehr niedrigen Preisdrucks – weiter im Raum stehenden Lockerung der ohnehin schon sehr expansiven Geldpolitik erklärte Weidmann, dass diese längerfristige Risiken und Nebenwirkungen haben könne, die nicht einfach ausgeblendet werden dürfen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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