Geschäftsreisen: Business-Trips verlieren ihren Glanz

Geschäftsreisen: Business-Trips verlieren ihren Glanz

, aktualisiert 04. März 2016, 09:29 Uhr
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Immer mehr Firmen knausern bei den Ausgaben für Reisekosten.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands Reisebranche wird derzeit gleich doppelt gebeutelt. Während die Buchungszahlen unter den Urlaubern seit Herbst massiv einbrechen, knausern auch die Unternehmen bei den Reisen ihrer Mitarbeiter.

FrankfurtNicht nur Urlaubsangebote lassen die Deutschen derzeit links liegen, auch die Ausgaben für Geschäftsreisen werden dieses Jahr voraussichtlich sinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), der jedes Jahr die Stimmung bei seinen Mitgliedsunternehmen erfragt. „Es wird wieder mehr gespart“, sagte VDR-Präsident Dirk Gerdom, im Hauptberuf oberster Geschäftsreisemanager beim Softwarekonzern SAP, dem Handelsblatt. Der Frankfurter Verband vertritt nach eigenen Angaben 550 Unternehmen, die zusammen auf ein Reise-Geschäftsvolumen von jährlich rund zehn Milliarden Euro kommen – und damit ein Viertel des Gesamtmarkts abdecken.

Dabei sei es weniger der Kostendruck in den Unternehmen, der das Reisebudget nach unten bewege, heißt es beim VDR. „In den Konzernen wird einfach effizienter geplant“, sagte Gerdom. „Eintagesreisen werden zunehmend hinterfragt, Termine oft zu einer mehrtägigen Dienstreise zusammengefasst.“

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Hinzu kommt, dass bei den Geschäftsreisen die Sterne fallen. Den Glanz von fünf Sternen gönnen nur noch sechs Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern. „In den Beherbergungsstrategien ergibt sich eine Verschiebung nach unten in die Drei-Sterne-Kategorie“, berichtet der SAP-Manager. Auch Buchungen für Budget-Hotels nähmen weiter zu. „Viele Manager haben erkannt, dass die Qualität etwa von Ketten wie Motel One für Geschäftsreisen völlig ausreicht.“

In dieser Kategorie wuchs der Übernachtungsanteil deutscher Geschäftsreisender 2015 binnen Jahresfrist von fünf auf acht Prozent. Auch die Drei-Sterne-Hotels legten um acht Prozentpunkte auf 53 Prozent zu, während Vier-Sterne-Herbergen fast ein Drittel ihres Anteils verloren und aktuell nur noch auf 32 Prozent kommen.

Auch der Anstieg von Flugreisen scheint gestoppt. Gingen vergangenes Jahr hier noch 40 Prozent der Reisemanager von einer Zunahme aus, während nur zehn Prozent mit einem Minus rechneten, hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Nur noch 30 Prozent gehen derzeit von einem weiteren Plus bei den Flugbuchungen aus, 27 Prozent dagegen von einem Abschmelzen. Treffen die Prognosen der VDR-Mitglieder ein, steht den Airlines somit im kommenden Jahr eine Stagnation bevor.


Die Deutschen reisen mehr

„Viele kritisieren die intransparente Preispolitik der Fluggesellschaften“, sagte Gerdom. Insbesondere das Buchungsentgelt der Lufthansa, die je fremdverkauftem Ticket 16 Euro verlangt, sorge in den Unternehmen für Unmut.

Im innerdeutschen Verkehr hat daher die Bahn gute Chancen, Marktanteile zurückzuerlangen. 47 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, stärker auf den Schienenverkehr zu setzen. Nur sechs Prozent gehen von weniger Bahnreisen ihrer Mitarbeiter aus.

Für Reisebüros wird die wirtschaftliche Lage damit nicht einfacher. Um neun Prozent, ermittelte die Marktforschungsfirma GfK, gingen dort allein die Urlaubsumsätze seit Anfang Oktober 2015 zurück. Insbesondere Buchungen für die Türkei, Ägypten und Tunesien, berichtet der Deutsche Reiseverband (DRV), liegen seit dem Start des neuen Urlaubsjahres um 40 Prozent unter Vorjahr.

Die Schuld daran gibt der Verband Terroranschlägen und Unruhen im östlichen Mittelmeer, wie zuletzt dem Bombenanschlag in Istanbul, der Anfang Januar zehn deutsche Touristen in den Tod riss.

Noch aber gibt sich die Branche offenbar nicht geschlagen. In den letzten zwei Wochen hätten die Buchungen zugenommen, sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Außerdem belegen seiner Auskunft nach Umfragen, dass die Deutschen sogar mehr reisen wollen als im Vorjahr. „Die kommenden sechs bis acht Wochen sind entscheidend“, glaubt er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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