Gescheiterte Fusionspläne: "Die Börse kann gut auf eigenen Beinen stehen"

Gescheiterte Fusionspläne: "Die Börse kann gut auf eigenen Beinen stehen"

, aktualisiert 29. März 2017, 13:22 Uhr
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Die Pläne für eine Fusion mit London sind gescheitert.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Für Aktionäre ist die gescheiterte Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange eine schlechte Nachricht, sagt der Analyst Philipp Häßler von Equinet. Doch die Frankfurter Börse müsse die Zukunft nicht fürchten.

Philipp Häßler hat schon einmal miterlebt, wie die Deutsche Börse mit einem Fusionsversuch gescheitert ist. Damals wollte der Handelsplatzbetreiber mit der New York Stock Exchange zusammengehen. Nun wiederholt sich die Geschichte: Auch der Zusammenschluss mit der London Stock Exchange ist gescheitert. Im Interview erklärt der Analyst der Frankfurter Investmentbank Equinet, was Börsenchef Kengeter falsch gemacht hat – und was er jetzt tun muss.

Herr Häßler, die Fusionspläne der Deutschen Börse stehen vor dem Aus. Was heißt das für Anleger?
Aus Aktionärssicht ist es bedauerlich, dass der Zusammenschluss nicht gelingt. Denn die Fusion hatte durchaus ihren Charme. Aktionäre hätten dabei vor allem von Skaleneffekten profitiert: Je mehr über eine Plattform gehandelt wird, desto höher sind die Gewinne. Aber die Deutsche Börse steht auch auf eigenen Beinen gut da, sie ist ein hochprofitables Unternehmen.

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Trotzdem hat sich der Konzern einen Einstellungsstopp verordnet und will die Kosten senken. Ist das ein Alarmsignal?
Das glaube ich nicht. Es stimmt zwar, dass die Handelsumsätze in den ersten beiden Monaten etwas schwächer ausfielen. Das betrifft vor allem die Derivatesparte Eurex und den Kassamarkt. Aber ich vermute, dass der Konzern mit diesen Sparmaßnahmen in erster Linie auf die gescheiterten Fusionspläne reagiert. In der jetzigen Phase gilt es, die Aktionäre bei Laune zu halten.

Die gescheiterten Fusionspläne der Deutschen Börse

  • Deutsche Börse und London Stock Exchange: Fusion untersagt

    Der Zusammenschluss von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) ist geplatzt. Die EU-Kommission hat die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion am Mittwoch untersagt, weil die Dominanz im Clearing-Geschäft zu groß gewesen wäre. Die deutsch-britische Börsenhochzeit scheitert damit bereits zum fünften Mal. Zweimal wurden Sondierungsgespräche bereits beendet, bevor die Öffentlichkeit davon Wind bekam. Auch bei anderen Deals hatte Deutschlands größter Börsenbetreiber bislang kein glückliches Händchen. Ein Überblick:

    Quelle: rtr

  • Juli 2000

    Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung der iX International Exchange zusammen mit der LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Doch das Projekt scheitert an mangelnder Unterstützung.

  • Sommer 2003

    Der damalige Deutsche-Börse-Boss Werner Seifert trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Aber die Gespräche über eine Fusion werden beendet, weil sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

  • Frühling 2004

    Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie jedoch abermals ergebnislos auseinandergehen.

  • August 2004

    Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

  • Dezember 2004

    Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro. Der Deal scheitert 2005 am Widerstand des Hedgefonds TCI, der damals maßgeblich an der Deutschen Börse beteiligt ist.

  • Februar 2006

    Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und löst damit Konsolidierungsfieber in der Branche aus. Später dient er Euronext-Chef Theodore die Führung der vereinten Börse an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

  • Juni 2006

    Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

  • Dezember 2008

    Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

  • April 2011

    Die Deutsche Börse wagt einen weiteren Versuch, um durch eine Fusion mit der Nyse Euronext eine neue Größenordnung zu erreichen. Doch im Februar 2012 platzt der Fusionstraum erneut. Die EU-Wettbewerbshüter untersagen den Milliardendeal, weil sie ein Monopol der fusionierten Börse im Handel mit europäischen Finanzderivaten fürchten. Später wird die Nyse vom US-Konkurrenten ICE geschluckt.

  • Februar 2016

    Der neue Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter strebt einen "Zusammenschluss unter Gleichen" mit der LSE an. Doch nach dem Brexit-Votum ist die Ansiedlung der Megabörse in London für das Land Hessen nicht akzeptabel. Die LSE wiederum ist nicht kompromissbereit und zieht deshalb den Stecker: sie erfüllt eine Forderung der EU-Wettbewerbshüter zur Freigabe der Fusion nicht. Die Behörde verbietet den Zusammenschluss daraufhin am 29. März.

Manche Anleger hoffen auf eine Sonderdividende als Trostpflaster dafür, dass es mit der Fusion nicht geklappt hat…
… und dafür gibt es einen Präzedenzfall: Als vor fünf Jahren die Fusion mit der New York Stock Exchange scheiterte, kündigte die Deutsche Börse eine Sonderdividende von einem Euro und ein Aktienrückkaufprogramm an. Mit einer solchen Maßnahme könnte man die Aktionäre gnädig stimmen.

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